Ausstellung zur Schwälmer Weißstickerei noch bis zum 30. August in Eschwege

Luzine Happel stickt nach historischem Muster

Etwas Geduld gehört dazu: In der Schwälmer Weißstickerei werden Flächen ausgestickt.

Eschwege. Besucher aus den USA, aus der Schweiz oder auch aus Litauen finden gerade ihren Weg nach Eschwege, um sich hier eine Ausstellung anzusehen. Luzine Happel beschäftigt sich seit 30 Jahren intensiv mit der Schwälmer Weißstickerei und stellt noch bis zum 30. August auf zwei Etagen über 300 der textilen Kostbarkeiten aus.

„Das charakteristische Element der Schwälmer Weißstickerei ist, dass die einzelnen Flächen mit Füllmustern ausgestickt werden - weiß auf weiß“, sagt Luzine Happel. „Diese Technik bietet große Entfaltungsmöglichkeiten. Ich kenne bereits über tausend unterschiedliche Füllmuster und finde immer noch weitere.“

Die großen kreativen Möglichkeiten machen die Schwälmer Weisßstickerei immer beliebter, gerade im Ausland. Aber auch hierzulande gibt es viele gerade junge Menschen, die sich wieder mit dem Sticken beschäftigen. „Viele junge Leute suchen einen Ausgleich zur stressigen Arbeit am Computer“, weiß Luzine Happel. „Oder sie suchen in einer Gesellschaft der Massenproduktion nach dem Individuellen. Denn mit der Sticknadel können sie selbst etwas erschaffen, was außer ihnen niemand hat.“

Die Schwälmer Weißstickerei, die einen typischen Formenkanon beinhaltet, der sich in dieser Ausprägung in der Schwalm entwickelte, war in historischen Zeiten vor allem dazu gedacht, Textilien zu veredeln und zu verschönern. Tischdecken, Paradekissen, Bettüberwürfe, aber auch Taufkleider - Textilien aus Leinen verwandelten sich durch die feine Stickkunst in Statussymbole. Reiche Bauernfamilien beauftragten Stickerinnen damit, oder die Frauen griffen selbst zur Nadel.

Luzine Happel möchte die alten Techniken erfassen, untersuchen und bewahren. Sie möchte sie aber auch in die Zukunft weiter transportieren. So eignet sich die Technik ohne Weiteres dazu, eigene Entwürfe mit modernen Designs in der alten Technik auszuführen. In diversen Fachbüchern hat Luzine Happel ihr Wissen aufgearbeitet und gibt Anleitungen.

Die Ausstellung wird in der zweiten Etage des Hauses Boyneburger Tor 3 in Eschwege (gegenüber der Humboldtschule) gezeigt. Geöffnet ist dienstags, donnerstags und samstags von 11 bis 15 Uhr. Telefon: 0 56 51/3 22 33.

Von Kristin Weber

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