Kunstlehrerin Elke Rittenbach über Schülerprojekt

Kunstprojekt am OG Eschwege: „Von Tiefgründigkeit der Werke überwältigt“

Schüler stellen abstrakte Werke zur Klassischen Moderne am OG Eschwege aus.
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Schüler stellen abstrakte Werke zur Klassischen Moderne am OG Eschwege aus.

Am Oberstufengymnasium in Eschwege ist derzeit eine Kunstausstellung von Schülern zu bewundern. In fünf Fragen stellt die Kunstlehrerin Elke Rittenbach das Projekt vor.

Welche Aufgabe haben Sie den Schülern gestellt?

Die Aufgabenstellung lautete: „Gestalten Sie ein abstraktes, rhythmisch bewegtes Relief als Synthese aus verschiedenen vorgefertigten und bemalten Materialien. Greifen Sie dabei die Ideen des Künstlers Alexander Archipenko in seinem Werk „Zwei Gläser auf einem Tisch“ aus dem Jahr 1919/20 auf, um zu einer eigenen abstrakten Komposition mit dynamischer Wirkung zu gelangen, die den Raum intensiv einbezieht.“ Die Aufgabe war eingebettet in die Auseinandersetzung mit Werken der Klassischen Moderne, die unterschiedliche Abstraktionsprozesse aufweisen – vom analytischen Kubismus über den synthetischen Kubismus bis zum abstrakten Kunstwerk.

Was ist das Faszinierende an diesen Stilrichtungen?

Faszinierend ist die Darstellung unserer komplexen Wahrnehmung, die uns hier simultan, transparent, mit dem Blick ins Verborgene und Unsichtbare die Kunst erst verstehen lässt. Unsere Wahrnehmung ist mehr, als nur das dreidimensionale Sehen. Als Mathematik- und Kunstlehrerin ist es für mich das spannendste Thema überhaupt, denn hier begegnen und trennen sich beide Fächer auf „abstrakte“ Weise.

Sprang der Funke auf die Schüler über?

Das Besondere und Beeindruckende war für mich als Kunstlehrerin zu beobachten, dass die Schüler bewusst den Schritt in die Abstraktion an der Grenze von abstrahiert zu abstrakt geschafft haben und dabei einzigartige Kunstwerke entstanden sind. Die intensive Auseinandersetzung mit Werken berühmter Künstler wie Picasso, Kandinsky, Braque, Gris, Mondrian und Archipenko im Unterricht waren Voraussetzung für den Schritt weg von der gegenständlichen Darstellung der Wirklichkeit, den alle gemeistert haben. Ich war am Tag der Präsentation von der Exklusivität und der Tiefgründigkeit der Werke überwältigt.

Welchen Schwierigkeiten gab es für die Schüler?

Schwierig war es, einen eigenen interessanten Ausgangspunkt zu finden. Das heißt, zwei formal gegensätzliche Dinge, die inhaltlich in einer starken Beziehung stehen. Eine Synthese aus Formen, Farben, Materialien und deren Komposition sollten später den Ausgangspunkt des Abstraktionsprozesses nur noch erahnen oder unsichtbar werden lassen. Die besondere Herausforderung war, aus der ebenen mehrschichtigen Bildfläche ein plastisches Bildwerk herauszuarbeiten.

Und wie hat das alles trotz Corona geklappt?

Der Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht machten es möglich, die Schüler trotz Abstand im Gestaltungsprozess zu begleiten. Gleichzeitig nutzten die Schüler die Freiheit, um zu Hause selbstständig und in Eigenverantwortung ohne Zeitdruck bildpraktisch zu arbeiten. Dabei empfanden sie das Kreativsein als positiven Ausgleich. Eine große Wertschätzung ihrer Arbeit war dann, dass sie trotz Corona am OG ihre Werke und den Weg zum Kunstwerk in einer eigenen Ausstellung im Foyer präsentieren konnten.  (Jessica Sippel)

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