Kleine Schätze entdecken

Kurioses und Nützliches beim Osterkrammarkt am Obermarkt in Eschwege

Prüfen die handgestrickten, farbenfrohen Socken am Osterkrammarkt-Stand von Erika Pussel sorgfältig: (von links) Kathrin Renke und Doris Mengel. Alle Fotos: Spanel

Eschwege. Er bietet allerhand Kurioses und Nützliches: der Osterkrammarkt in Eschwege. Noch bis heute Abend, 18 Uhr, lohnt sich ein Gang durch die Stände, die dicht an dicht am Obermarkt aufgebaut sind. Geboten wird hier alles vom praktischen Alltagshelfer bis hin zu Raritäten.

Wer die wahren Schätze entdecken will, muss genau hinschauen. Sich vielleicht etwas Zeit nehmen. Raritäten vom Ramsch unterscheiden. Ein Gang über den Eschweger Osterkrammarkt ist ein Erlebnis – denn wo sonst gibt es diese verrückte Mischung, Nähmaschinennadeln neben BH-Verlängerern, Gummilitzen neben Grillhähnchengewürz.

Mindestens so ungewöhnlich-bunt wie das Angebot an den Ständen sind deren Beschicker – seit 16 Jahren treu dabei wie etwa Simone Ebersbach, die sich mit wärmenden Mützen und Stirnbändern eine Stammkundschaft aufgebaut hat, oder Neulinge wie der Standbeschicker aus Eiterfeld, der zwar seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, aber dafür reichlich Glühbirnen im Angebot hat. In jeder Wattzahl, ab 1,50 Euro. Da gibt es den älteren Herren, „der General“ genannt – eine Berufsbezeichnung, die nahelegt, dass er nicht immer einen Süßigkeitenstand mit fluffigen Schaumküssen und duftenden Waffeln betrieben hat.

Große Anziehungskraft besitzt auch der Stand mit Reißverschlüssen, zu haben ab 50 Cent. Passend für Kissen, Hosen und Röcke, wie erfrischend uneitel auf einem handbeschriebenen Schild zu lesen ist; alle Jahre wieder ein Fixpunkt für Handarbeitsbegeisterte.

Angewiesen sind die Beschicker des Eschweger Osterkrammarktes auf eben dieses Publikum, Schatzsucher und Raritätenfreunde, eben jene, die direkte und unmittelbare Beratung zu schätzen wissen, gern auch aus der Umgegend. Internet und Co. machen den Händlern zu schaffen, das ist deutlich zwischen den Zeilen zu hören.

Heute bietet sich noch einmal die Gelegenheit, den Osterkrammarkt zu besuchen – bis 18 Uhr ist jeder Gast willkommen.

Gemüsehobel

Tim Egert raspelt. Und schneidet. Und hobelt. Viermal hin, viermal zurück. Und wieder von vorn. Wer Gemüsehobel vertreibt, spart sich das Fitnessstudio, denkt der geneigte Käufer – und schaut fasziniert zu, wie aus Gurken Scheiben, aus Zwiebeln Ringe und aus Paprika Streifen werden. In nur einem Zug über das Zauberding mit den vier Klingen. Sogar Käse kann es würfeln! Der Andrang am Stand von Tim Egert ist folgerichtig riesig. Genauso fit wie seine Armmuskulatur müssen schätzungsweise seine Stimmbänder sein – er erklärt, er erläutert, er gibt Tipps. Unermüdlich. Tim Egert ist einer der symphatischten Verkäufer des Osterkrammarkts – und ihm wünscht man Erfolg. Hoch vier. 

Wetter und wilde Wiesel

Thomas Ranft heißt wirklich so. Und nein, mit dem bekannten Fernsehmoderator habe er keine verwandtschaftlichen Beziehungen, sagt der Wolfhager, um einer möglichen Verwechselung sofort vorzubeugen. Das Wetter kann er aber mindestens genauso gut einschätzen wie sein Namensvetter: „Zu kalt!“ Allerdings haben die beiden Thomas Ranfts schon einmal gemeinsam Spielwaren verkauft – in Kassel war das, und Thomas Ranft aus Wolfhagen schwärmt noch heute von der Aktion. In Eschwege hat er „Ex-Verlobte“ – also Ehefrau – Angelika dabei, was aber mindestens genauso prima sei. Mindestens. Der Stand des Ehepaars ist der wahrscheinlich bunteste auf dem Osterkrammarkt – Holzschwerter und Schilde gibt es hier; Kinderspielzeug in allen Formen und Farben – und Weazel balls. Was das ist? Ein Wiesel, der seine Plastikzähne in eine batteriebetriebene Kugel schlägt und lustig hin- und herrollt. Der Sinn des Ganzen? Die Frage kann wohl niemand beantworten – aber Spaß macht es auf jeden Fall. Genau wie ein Besuch am Stand der Ranfts.

Reinigungstuch 

Das müsste man mal zuhause versuchen. Eine Dose Nivea-Creme – und mit Schwung drauf damit auf den Badezimmerspiegel. Und eine halbe Dose Haarspray hinterher. Ha! Und dann alles verschmieren. Eieiei. Ganz schön gewagt, was Thomas Fischer da mitten auf dem Obermarkt anstellt. Aber der Mann hat schließlich eine Mission: Reinigungstücher aus Silikon, „PU-beschichtet“, unter die Leute bringen. Und so schmiert und beschmutzt er, was das Zeug hält – um alles im Handumdrehen wieder blitzblank zu putzen. Das alles vor einer Menschentraube, die dem recht faszinierenden Spektakel gebannt zusieht. Mutig, der Mann – und das zahlt sich aus.

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