Die ländliche Region steht für die  Landtagsabgeordneten Karina Fissmann und Knut John im Mittelpunkt

Die beiden SPD-Politiker Karina Fissmann und Knut John sind sein einem knappen Jahr Landtagsabgeordnete und vertreten den Werra-Meißner-Kreis in Wiesbaden. Foto: Harald Sagawe

Seit einem knappen Jahr sind die beiden Sozialdemokraten Karina Fissmann (Ringgau) und Knut (John) Landtagsabgeordnete. Sie vertreten den Werra-Meißner-Kreis in Wiesbaden.

Der Wechsel in den neuen Beruf, die gänzlich andere Aufgabe, bedurften einer erheblichen Umgewöhnung. Vieles ist jetzt anders als noch vor einem Jahr – ganz anders. Beide haben den großen Schritt nicht bereut. Karina Fissmann und Knut John sind Neulinge im Wiesbadener Politikgeschäft.

„Das hat eine andere Qualität, mit der wenigen privaten Zeit umzugehen“, sagt John. „Es bedarf großer Organisation“, so Fissmann, die Kinder im Alter von drei Jahren und drei Monaten hat. Die beiden Sozialdemokraten vertreten die Landkreise 9 und 10, in denen der nördliche und der südliche Werra-Meißner-Kreis abgebildet sind, im hessischen Landtag. Von einer Beobachtung in dem Parlament sind die beiden Sozialdemokraten überrascht: „Es ist frustrierend, wenn Politik vom Sachverstand abweicht.“ Und Knut John ist aufgefallen, dass „sich manche Abgeordnete bei Ausübung ihres Mandats ganz anders geben, als man sie kennt“. Karina Fissmann wird deutlicher: „Manche Abgeordnete vergessen ganz schnell, wen sie in Wiesbaden eigentlich vertreten ...“

Die eigene Rolle definieren die beiden Sozialdemokraten ganz klar: Die ländliche Region steht im Mittelpunkt ihres Interesses und der Werra-Meißner-Kreis dabei ganz weit vorn. „Wir werden noch immer abgehangen“, sagt Karina Fissmann, „weil die Ballungsgebiete nach wie vor ihre Lobby haben.“ Dabei würden gerade die längst überlaufenen und überlasteten Gebiete in Hessen Nutzen aus der Stärkung der ländlichen Regionen ziehen – nämlich die eigene Entlastung.

Auch wenn die Erlebnisse positiver Art „viel mehr sind als die negativen“, so John, „musst du so Dinge wie Drohungen erst mal wegstecken“. Man frage sich dann, sagt Fissmann, „sind Morddrohungen nur Drohungen oder werden die in die Tat umgesetzt“. Viel Verantwortung dafür sehen sie bei der AfD, die im Landtag weitgehend isoliert sei.

Karina Fissmann fällt schwer, Entscheidungen zu akzeptieren, die an Expertenrat vorbei gehen. Als Beispiel nennt sie die Empfehlungen zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Sie sagt aber auch: „Man kann gegen etwas sein, aber wenn eine Entscheidung gefallen ist, gehört es zur Demokratie, das auch zu akzeptieren.“

Als ein solches Beispiel für „Unvernunft“ führt Knut John eine schon im Ansatz gescheiterte Bundesratsinitiative zum Autobahntempolimit 130 an. Dennoch gelte: „Es bringt mir nichts, wenn ich deswegen mit niemandem rede.“

Rededauer und Redevielfalt führt den beiden Neulingen hin und wieder dann aber doch zu weit. „Wenn du aus der Wirtschaft kommst, denkst du manchmal: Muss da jeder seinen Senf dazu geben?“, fragt Knut John. Und Karina Fissmann wünscht sich: „Manchmal wäre ein bisschen mehr Zurückhaltung angebracht, um dann zu reden, wenn man tatsächlich auch etwas zum Thema beizutragen weiß.“

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