Mann wollte sich Haft angenehm gestalten

Landgericht Kassel lehnt Berufung von 26-jährigen Eschweger ab

Eine goldene Justizia vor einem Aktenstapel.
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Landgericht Kassel lehnt Berufung eines 26-jährigen Eschwegers ab.

Weil er sich nur die Haftzeit angenehmer gestalten wollte, hat das Landgericht Kassel die Berufung eines 26-Jährigen, der bereits vor dem Amtsgericht Eschwege verurteilt wurde, abgelehnt.

Kassel/Eschwege – Da es sich nur um eine „rein taktische Berufung“ handele und es keinen Zweifel an dem damaligen Urteil des Amtsgerichts gebe, bleibe es bei dem Strafmaß von drei Jahren, urteilte der Vorsitzende Richter.

Bereits 2018 verurteilt

Das Eschweger Amtsgericht hatte den Mann im Oktober 2018 verurteilt. Es ging um zahlreiche Einbrüche in und Diebstähle aus Läden, Werkstätten und Vereinsheimen, die der Angeklagte zusammen mit einem Mittäter im Laufe des Jahres 2018 begangen hatte. Zudem hatte er ein Auto gestohlen und später in einem Steinbruch bei Oberhone angezündet. Beide Täter waren voll geständig, der damals 36-jährige Mittäter wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die er auch akzeptierte.

Nicht so der junge Mann, der am Dienstag vor der 7. Kleinen Strafkammer des Landgerichts, der Berufungskammer, auf der Anklagebank saß. Er ist wegen der Straftaten seit fast zwei Jahren in Untersuchungshaft und hatte Berufung eingelegt gegen das Urteil des Amtsgerichts – es gehe ihm lediglich um das Strafmaß.

Berufung steht jedem Straftäter zu

Das Rechtsmittel der Berufung steht jedem Straftäter zu, der ein Urteil eines Gerichts nicht akzeptieren will. Eine bereits im Juni 2020 angesetzte Berufungsverhandlung war ausgesetzt worden, da noch Zeugen gehört werden sollten. Jetzt, drei Monate später, gab es lediglich einen Zeugen, einen Polizeibeamten, der berichtete, wie er den Angeklagten beim Fahren eines Kleinkraftrollers ohne Fahrerlaubnis erwischt hatte. „Wo also ist der Hintergrund für diese Berufung?“, fragte der Vorsitzende Richter Reichhardt ganz direkt und erhielt von dem Angeklagten eine eindeutige Antwort: „Man muss sich die Haftzeit so angenehm wie möglich machen.“ In der U-Haft sei es am besten, dort habe er seine Ruhe, mache jetzt auch eine Ausbildung und könne zudem deutlich mehr Geld verdienen als in regulärer Haft.

Der Anwalt des Beschuldigten hatte auf eine geringere Strafe plädiert, doch auch für ihn war die Motivlage für die Berufung nicht ganz klar. Der Staatsanwalt beantragte, die Berufung zu verwerfen. Damit ist das erstinstanzliche Urteil rechtskräftig, der 26-Jährige wird wohl bis Oktober 2021 in Haft bleiben.

Viele Vorstrafenregister, schwierige Kindheit

Der Eschweger stand nicht zum ersten Mal vor Gericht. Bereits 2008, da war er 14 Jahre alt, wurde er zu Jugendarrest verurteilt wegen Körperverletzung und Diebstahl. 2010, 2013, 2015 und 2016 folgten weitere Verfahren, immer waren Diebstahl, Trunkenheit, Betrug, sogar räuberische Erpressung dabei. Bereits als Kind fiel der Angeklagte als aggressiv auf, blieb nicht bei der Mutter, kam in Heime und die Psychiatrie, brach eine Ausbildung ab, wurde immer wieder straffällig. Schuldunfähigkeit wurde jedoch in keinem Fall attestiert. ula

Von Ulrike Lange-Michael

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