Barrierefrei auf allen Ebenen

4,4 Millionen Euro für die Schlosssanierung: Kreisausschuss präsentiert vier Varianten

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Sanierungsobjekt: Das Landgrafenschloss in Eschwege wird mit Millionenaufwand saniert. Im Mai 2022 sollen die Arbeiten beginnen und zwei Jahre dauern – so die Planung des Kreises. 

Eschwege – Mit Kosten in Höhe von knapp 4,4 Millionen Euro für die Sanierung des Landgrafenschlosses in Eschwege rechnet der Werra-Meißner-Kreis bei Umsetzung der vom Kreisausschuss bevorzugten Variante.

Erster Kreisbeigeordneter und Baudezernent Dr. Rainer Wallmann stellte dem Finanzausschuss gestern vier Sanierungsmodelle vor. Die Kosten: zwischen knapp vier und 4,4 Millionen Euro. Bisher war von Sanierungskosten in Höhe von drei Millionen Euro ausgegangen worden. Die mit großer Mehrheit gefasste Empfehlung des Finanzausschusses für den Kreistag, der am kommenden Freitag abschließend beschließen will: Sanierung des Landgrafenschlosses entsprechend der Vorzugsvariante, Bau des neuen Verwaltungszentrums entsprechend Szenario C mit Kosten in Höhe von knapp 11,3 Millionen Euro, Auflösung des Architektenvertrages mit kalkulierten Kosten von 150.000 Euro.

Eine „Sicherheitsreserve“ ist in dieser Kostenzusammenstellung nicht enthalten. Der Kreisausschuss empfiehlt, einen Zuschlag in Höhe von zehn Prozent zu beschließen. Ob die Kalkulation der Kosten für die Schlosssanierung aufgeht, ist offen. „Keiner weiß, wie die Preise in drei Jahren aussehen“, sagte Dr. Wallmann mit Hinweis auf den Baubeginn 2022.

Das Verwaltungszentrum am Schlossplatz soll mit kostengünstigerer Fassade, ohne dritten Flügel und ohne großen Sitzungssaal im Innenhof gebaut werden. Neu sind der Ausbau des Dachgeschosses und ein Sitzungssaal im Südflügel des Erdgeschosses. 131 Arbeitsplätze entstehen im Neubau, 101 im Schloss. Das Schloss wird nach der Sanierung nahezu komplett barrierefrei sein. Dafür plant der Kreis mit einem Außenfahrstuhl zwischen dem Süd- und dem Westflügel.

Der Zeitplan 

Mit der Rücknahme der Ausschreibung und der Überarbeitung der Planung des neuen Verwaltungszentrums des Werra-Meißner-Kreises in Eschwege ist das Projekt in zeitlichen Verzug geraten. Um wenigstens ein Jahr verzögern sich Baubeginn und Fertigstellung. Unter der Voraussetzung, dass der Kreistag am kommenden Freitag der Empfehlung des Finanzausschusses folgt, ist folgender Zeitplan vorgesehen:

Neubau:

Ausschreibung bis Februar 2020, Bauphase von April 2020 bis März 2022

Schlosssanierung : Planung und Ausschreibung bis September 2021, Bauphase von Mai 2022 bis April 2024

Barrierefrei auf allen Ebenen 

Die vier Varianten unterscheiden sich durch die Unterschiede in der Umsetzung der Barrierefreiheit. Mit der Sanierung des Landgrafenschlosses in Eschwege werden statische Probleme im Dachgeschoss des Nordflügels gelöst, der Raumzuschnitt verändert und eben Barrierefreiheit geschaffen. 101 Beschäftigte werden im Hauptsitz der Kreisverwaltung nach der Sanierung einen Arbeitsplatz haben.

4,4 Millionen Euro kostet die Vorzugsvariante. Ein Außenaufzug zwischen dem Süd- und dem Westflügel erschließt nahezu das gesamte Landgrafenschloss. Einschränkungen gibt es lediglich für den Dietemannturm. Besucher erreichen den Fahrstuhl direkt vom Parkplatz am Schlosspark. Und im Gegensatz zu den Modellen mit Innenaufzug sind keine Eingriffe in die Bausubstanz erforderlich. Und: Dort, wo der Innenaufzug nicht gebaut wird, wird Raum für drei kleine Büros frei.

Der mit knapp vier Millionen Euro günstigste Vorschlag sieht keinen Aufzug vor – barrierefrei wäre das Schloss dann auch nach der Sanierung nur im Erdgeschoss. Die beiden übrigen Planungsentwürfe sehen jeweils einen Innenaufzug vor, mit dem die oberen Stockwerke entweder im gesamten Gebäudeensemble oder nur im Südflügel erschlossen würden. Weiter vorgesehen: ein zweiter Fluchtweg. Mit einer Außentreppe zwischen Nord- und Westflügel wird die Planung den Brandschutzauflagen gerecht.

Die Büros werden renoviert, bekommen neue EDV, einige Zwischenwände sollen weichen, um ein großzügigeres Raumgefühl und mehr Licht in die Besucherbereiche zu bringen. Die Gesamtkosten für die Sanierung und Erneuerung der Verwaltungsräume des Kreises belaufen sich nach heutiger Planung auf 16 Millionen Euro – knapp 300 000 Euro für die Außenstelle in Witzenhausen wurden bereits ausgegeben, der Neubau des Verwaltungszentrums auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird mit 11,3 Millionen Euro veranschlagt, die Schlosssanierung mit 4,4 Millionen Euro. Darüber hinaus schlägt der Kreisausschuss vor, einen zehnprozentigen Sicherzuschlag zu beschließen.

Während der Ausschuss des Finanzausschusses am Freitag im Stadtteil Oberhone signalisierten die Fraktionen breite Zustimmung für die Abstimmung im Kreistag am kommenden Freitag in Reichensachsen. Die Linke votierte gegen die Beschlussempfehlung, die CDU-Abgeordneten enthielten sich wegen weiterem internen Beratungsbedarf.

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