„Emotional sehr aufgeladen“

Landwirte aus dem Kreis demonstrierten am Dienstag in Bonn

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Landwirte in Bonn: Bauern aus dem Werra-Meißner-Kreis am Dienstag in Bonn bei der Demonstration gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Sie waren aufgebrochen mit ihren Traktoren und mit Bussen.

Gegen die Politik der Bundesregierung haben am Dienstag Landwirte aus ganz Deutschland in Bonn demonstriert. Mit dabei waren auch Landwirte aus dem Werra-Meißner-Kreis. 

Am Montagabend sind sie gegen 21.30 Uhr an der B 27 bei Sontra aufgebrochen und saßen dann knapp 16 Stunden am Steuer ihrer Schlepper. Landwirte aus dem Werra-Meißner-Kreis hatten sich aufgemacht, um in Bonn gegen die Politik der Bundesregierung zu demonstrieren. Dabei war auch Landwirt Thomas Thiel aus Rechtebach. Gemeinsam mit Landwirten, unter anderem aus Eschwege und Sontra sind sie in einer Kolonne gestartet, die sternenförmig im Laufe der Nacht Richtung Bonn immer länger wurde. „Ich schätze, dass allein 200 Schlepper aus Hessen dabei waren“, sagt Thiel. Erreicht haben Bonn um die 5000 Traktoren.

Schlepperkolonne in Richtung Bonn.

Obwohl die Polizei die gigantische Kolonne kurz vor Bonn zerriss und zum Teil an der Weiterfahrt hinderte, sei die Bonner Innenstadt mit Tausenden Traktoren voll gewesen. Aber auch der Weg ist das Ziel. „An den Straßen standen überall Menschen und haben uns zugejubelt und geklatscht und Transparente hochgehalten mit ‘Wir brauchen euch Bauern'“, erzählt Thiel. „Es waren zu 90 Prozent positive Reaktionen.“

Auch Uwe Roth, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Werra-Meißner, hatte sich auf den Weg nach Bonn gemacht. Zwei Busse mit insgesamt 88 Leuten an Bord kamen aus dem Werra-Meißner-Kreis, Kassel und dem Schwalm-Eder-Kreis.

Gemeinsam mit mehr als 10.000 Demonstranten verfolgte Roth die Demonstration auf dem Bonner Münsterplatz. „Der Platz ist brechend voll“ erzählt er am Telefon. „Die Stimmung ist friedlich, aber emotional sehr aufgeladen.“ Viele Menschen von der Basis sprachen bei der Demo in kurzen Statements und schilderten ihre Lage.

Brechend voll: der Münsterplatz in Bonn. Mehr als 10 000 Demonstranten hatten sich dort versammelt.

Obwohl für den gestrigen Tag bundesweit Demonstrationen angekündigt waren, dürfte die in Bonn die größte gewesen sein, befindet sich hier doch auch der Sitz des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Politiker, so Roth, hätten gesprochen, Verständnis für den Zorn der Bauern gezeigt, „aber keine Lösungen angeboten“. „Die Bauern fühlen sich als Berufsstand gemobbt“, beschreibt Roth die Motivation der Landwirte, so massiv auf die Straße zu gehen. „Wir sind plötzlich für alles verantwortlich – für den Klimawandel, für das Insektensterben, für das verschmutzte Grundwasser“, sagt er. Roth, der schon auf vielen Demonstrationen war, beschreibt die Lage am Mittag in Bonn so: „Das ist die emotional stärkste Demo, die ich je erlebt habe.“

Inzwischen hatte sich auch Bauer Thiel in die Innenstadt durchgekämpft. Seinen Schlepper musste er drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt abstellen, die Polizei verhinderte die Weiterfahrt. „Ich bin jetzt zu Fuß unterwegs, und das Bild der Bonner Innenstadt ist geprägt von Traktoren“, berichtet er. Am Nachmittag ging es dann wieder zurück.

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