Forum befasste sich mit der Jugend im Landkreis

Leben auf dem Land hat auch Vorzüge

Tipps vom Experten: Dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner, Siegfried Rauer, stellten die Jugendlichen Kai Zumwinkel (von links), Carli Weise, Luca Dilcher und Max Wamser den geplanten Skaterpark in Allendorf vor. Im Hintergrund Diplom-Ökonom Ingo Cremer, der sich in einer Studie der Universität Vechta mit dem Lebensgefühl Jugendlicher im ländlichen Raum befasste. Foto:  Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Das zwölfte Regionalforum des Werra-Meißner-Kreises und des Vereins für Regionalentwicklung Werra-Meißner befasste sich mit dem demografischen Wandel. Im Fokus: unsere Jugend. „Zwischen Chillen, Chatten und Bushalte – Jugendliche auf dem Land.“ Vor diesem Hintergrund diskutierten am Freitag an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden sowie Betroffene über Zukunftsperspektiven für die Jugend.

Der Einwohnerverlust sei der Tatsache geschuldet, dass die Geburtenrate im Kreis deutlich niedriger sei als die Sterberate, erklärte Landrat Stefan Reuß (SPD). Es komme darauf an, den Kreis als Lebensraum für junge Menschen zu erhalten.

Dass das Leben auf dem Land auch Vorzüge habe, legte der Diplom-Ökonom Ingo Cremer mithilfe einer Studie der Universität Vechta dar, die in dem niedersächsischen Landkreis das Lebensgefühl Jugendlicher im ländlichen Raum erforscht hatte. Befragt nach dem Gefühl in Freiheit zu leben, hätten 86 Prozent dem Dorf den Vorzug vor der Stadt gegeben. Andererseits glaubten aber nur 27 Prozent der jungen Menschen, ihre Lebenspläne eher auf dem Dorf als in der Stadt verwirklichen zu können. Keine Überraschung war, dass sich die Jugend auf dem Land deutlich stärker am Gemeinwohl orientiere als in der Stadt.

Ein Beispiel für soziales Engagement präsentierten Laura Zänker und Jonas Weinrich vom Kreisschülerrat. Unter dem Titel „Helfende Hände“ hatten sich junge Leute als Arbeitskraft in Unternehmen oder bei Privatpersonen verdingt und mehr als 2100 Euro eingesammelt, die als Spende an gemeinnützige Projekte weitergegeben wurden. Herausragend war auch das Ergebnis des Sponsorenlaufes der Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf. 8000 Euro waren laut Direktorin Christina Linke zusammengekommen, wovon allein 6000 Euro an die Kinderkrebshilfe in Kassel gingen.

Weitere Beispiele fügten hinzu Caroline Bär für die Kreisjugendpflege und Berkatals Bürgermeister Friedel Lenze mit dem Projekt „Zukunft hier“, das einen Abenteuerspielplatz und eine Skater-Rampe hervorgebracht hat. Großalmerodes Bürgermeister Andreas Nickel (SPD) stellte den selbstverwalteten Jugendraum vor, und Witzenhausens Jugendpfleger Kai Zerweck gewährte Einblicke in die pädagogische Arbeit der Medienwerkstatt Witzenhausen.

Die Rhenanus-Schüler Luca Dilcher, Max Wamser, Carli Weise und Kai Zumwinkel warben um Unterstützung für einen am Diebesturm in Allendorf geplanten Skaterpark. Mit verschiedenen Aktionen haben sie schon 2500 Euro eingesammelt. 15 000 Euro sollen es am Ende sein.

Bessere und spätere Busverbindungen -- das war ein vielfacher Wunsch der Jugendlichen. Angeregt wurden auch mehr Veranstaltungen und Freizeitangebote. Auf einem anderen Zettel wurde der Mangel an „gescheiten Ausbildungsplätzen“ beklagt mit dem bitteren Zusatz: „Ich ziehe hier weg.“ (zcc)

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