Der Eschweger Maler Günther Schaumberg wird heute 90 Jahre alt - ein Porträt

Lehrer, Künstler, Doktor

Günther Schaumberg in seinem Zimmer im Seniorenheim, wo er jetzt lebt. Foto: fp

Eschwege. Sein Zimmer im Seniorenwohnheim Vor dem Brückentor ist hell und geräumig. Auf dem Schreibtisch steht ein Notebook, Regale sind voll mit Büchern und Ordnern und an den Wänden hängen einige seiner Bilder. Günther Schaumberg, der heute 90 Jahre alt wird, wohnt hier seit anderthalb Jahren - und fühlt sich wohl in dieser Umgebung. Auch wenn das Alter Spuren in seinem Körper hinterlassen hat - im Kopf ist er immer noch fit.

Bei einem Gespräch mit dem Eschweger Künstler, der fast 30 Jahre lang Kunstlehrer im Eschweger Gymnasium war und dem für seine paläontologische Arbeiten, die er sozusagen nebenbei betrieb, 1997 die Ehrendoktorwürde der Uni Marburg verliehen wurde, erzählte er mir von seinem Leben.

In Eschwege geboren, wuchs er in einem jetzt nicht mehr vorhandenem Haus in der Forstgasse auf. Er besuchte die Humboldt-Schule, war vierundhalb Jahre im Krieg, wo er im Januar 1945 in Krakau verwundet wurde, geriet nicht in Krieggefangenschaft, und nachdem er nach Kriegsende den langen Weg von Kempten nach Eschwege zu Fuß bewältigt hatte, versuchte er sich zuerst als freischaffender Maler. Erst mit dreißig Jahren besuchte er in Kassel eine Kunsthochschule und wurde anschließend Kunstlehrer in Eschwege - wo er bis 1984 viele Schülergenerationen unterrichtete - ein beliebter Lehrer, auch von zwei meiner Kinder. Und ich war angenehm überrascht, dass sich Günther Schaumberg nach über dreißig Jaahren an ihre Namen noch erinnerte.

Neben seiner Tätigkeit als Lehrer wurde Günther Schaumberg als exzellenter Maler bekannt, wie er bei mehreren Ausstellungen immer bewies - bis zuletzt: Aktuell sind seine letzte Arbeiten, eine Sammlung von faszinierenden Bildern auf Papier, im Hochzeitshaus zu sehen.

Günther Schaumberg hat vier Kinder und ist seit sechs Jahren Witwer. Bis zu seinem Umzug ins Seniorenwohnheim wohnte er in seinem Haus im Lerchenweg am Fuße des Leuchtberges - von wo aus er, der keinen Führerschein hatte, in seiner Lehrerzeit zur Schule radelte: für mich ein vertrauter Anblick, der zu meinen ersten Eschweger Erinnerungen gehört.

Von Francisco Pujiula

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare