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An 34 Schulen fehlen 31 Stellen - Grundversorgung ist aber gesichert

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Von: Tobias Stück

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Jürgen Krompholz Schulamtsleiter
Jürgen Krompholz Schulamtsleiter © Zacharias, Christine

Im Werra-Meißner-Kreis fehlen zu Beginn des Schuljahres 2022/2023 genau 31,5 Lehrerstellen. Aufgefangen wird der Lehrermangel mittlerweile oftmals mit Quereinsteigern.

Werra-Meißner – Im Werra-Meißner-Kreis fehlen zu Beginn des Schuljahres 2022/2023 genau 31,5 Lehrerstellen. Das teilt der Leiter des Staatlichen Schulamts Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg, Jürgen Krompholz, anhand von Zahlen aus dieser Woche mit. Noch nicht einberechnet sind die Planstellen an den Beruflichen Schulen. Hier fehlen an zwei Einrichtungen noch mal fünf Stellen. Die Zuweisung wird hier allerdings am 1. November neu berechnet.

Insgesamt können durch die fehlenden Lehrkräfte rund 700 Wochenstunden Unterricht nicht abgedeckt werden. Besonders betroffen sind Grund- und Förderschulen. Hier fehlen an den 22 Schulen im Landkreis fast elf volle Stellen. 237 Stunden sind so unterbesetzt. An beiden Schulformen steigen die Schülerzahlen derzeit stetig an.

Förderschullehrer würden zudem am nächsten universitären Standort in Gießen ausgebildet werden. „Absolventen finden häufig nicht den Weg zurück in die Region“, sagt Krompholz. Die Universität Kassel richtet derzeit einen entsprechenden Studiengang ein, wovon sich das Schulamt mittelfristig eine Verbesserung der Situation erhofft.

Überall in Hessen sei die Lage angespannt, kritisiert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen. Im Vergleich zum Rhein-Main-Gebiet stehe der Werra-Meißner-Kreis noch gut da. Der VBE geht davon aus, dass in Hessen im Durchschnitt an jeder Schule mindestens eine Stelle unbesetzt bleibt. Diese Werte erreicht der Werra-Meißner-Kreis in keiner Schulform. „Bezogen auf die Grundunterrichtsversorgung erreichen wir sogar einen rechnerischen Deckungsgrad von 101 Prozent“, sagt Krompholz. Das mache ihn stolz. Probleme gäbe es eher bei Sonderzuweisungen wie z.B. für Ganztags- und Förderangebote oder für die Profilbildung der Schule.

98 Quereinsteiger unterrichten derzeit

Für Quereinsteiger bietet das Kultusministerium in den Mangelfachbereichen Qualifizierungsmaßnahmen an. Besonders betroffen sind Grundschulen sowie die Fächer Informatik sowie Metall- und Elektrotechnik. Aktuell unterrichten laut Schulamt 98 Personen, die kein zweites Staatsexamen für Lehramt haben, an Schulen im Werra-Meißner-Kreis. 30 Personen an Grundschulen, 44 in der Sekundarstufe I, sieben an Förderschulen und 15 an den Beruflichen Schulen. ts

„Der Personalmangel kann nur durchbrochen werden, wenn das Land weiter in die Lehrkräfte-Ausbildung investiert“, sagt VBE-Vorsitzender Stefan Wesselmann. Das Land Hessen reagierte zuletzt mit einem Bündel an Maßnahmen, um Stellen zu besetzen. Unter anderem wurden die Ausbildungskapazitäten an Unis und Studienseminaren erhöht, Quereinsteiger eingestellt und Pensionäre reaktiviert.

Rund 100 Personen unterrichten an den 36 Schulen im Werra-Meißner-Kreis, obwohl sie keine abgeschlossene Lehrerausbildung haben. Als sogenannte Quereinsteiger wurden sie vom Land Hessen in aller Regel befristet eingestellt, müssen aber im Unterricht weitestgehend die gleichen Aufgaben wie ausgebildete Lehrer erfüllen. „Oftmals steht schlicht kein voll ausgebildetes Personal zur Verfügung, sodass die Alternative nur der Unterrichtsausfall sein könnte“, sagt der Leiter des Staatlichen Schulamts, Jürgen Krompholz.

Die eingesetzten Vertretungskräfte würden durch die Schulleitungen „fachlich eng begleitet“ werden. Oftmals werde im Jahrgangs-Team parallel und angeleitet unterrichtet sowie Material zur Verfügung gestellt. „Die Schulleitungen leisten hier eine hervorragende Arbeit, denn Beschwerden bei der Schulaufsicht sind sehr selten“, sagt Krompholz. Das Schulamt verzeichne auch Fälle, in denen das Ausscheiden einer Vertretungskraft sogar von Elternseite sehr bedauert wird, weil große Zufriedenheit über die Leistungen herrscht. „Grundsätzlich wollen wir aber möglichst voll ausgebildetes pädagogischen Personal einsetzen“, sagt Krompholz.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen geht von 6000 bis 7000 befristeten Vertretungsverträgen an den knapp 2000 hessischen Schulen aus. Das würde an jeder Schule 3,5 Köpfen entsprechen. Im Werra-Meißner-Kreis sind statistisch gesehen 2,7 Quereinsteiger pro Schule angestellt. Anhand der Vertretungsverträge zeige sich laut VBE der Lehrermangel akut. „Die meisten wurden nicht mit ausgebildeten Lehrkräften abgeschlossen, sondern mit Studierenden oder Menschen aus völlig anderen Berufen“, sagt VBE-Landesvorsitzender Stefan Wesselmann. Quereinsteiger müssten allerdings besser qualifiziert werden, so der VBE.

Die Arbeit unter Personalmangel sorge bei Lehrkräften und Schulleitungen für massive Überlastung und großen Frust – mit der Folge, dass manche krank werden, früher aus dem Beruf aussteigen oder ihre Arbeitszeit reduzieren und sich so der Personalmangel verschärft. „Das ist ein Teufelskreis“, so Wesselmann.

Die Personalversorgung im Werra-Meißner-Kreis werde nach Angaben von Krompholz fortlaufend optimiert. Weiteres Personal durch zwischenzeitliche Prüfungen, auslaufende Verträge oder Versetzungen werde kurzfristig verfügbar. Zum 1. Oktober plant das Staatliche Schulamt, die 31,5 offenen Stellen um zwei auf 29,5 Stellen zu reduzieren. (Tobias Stück)

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