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Sechsstellige Summe ist nach Liebesschwindel futsch

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Von: Emily Spanel

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Untypisch: Der Beschuldigte hielt den Kontakt zu seinem Opfer nicht über das Internet aufrecht, sondern persönlich. Als Kontaktraum für mögliche weitere Opfer kommt der Kreis in Frage mit Schwerpunkt in und um Großalmerode.
Untypisch: Der Beschuldigte hielt den Kontakt zu seinem Opfer nicht über das Internet aufrecht, sondern persönlich. Als Kontaktraum für mögliche weitere Opfer kommt der Kreis in Frage mit Schwerpunkt in und um Großalmerode. © Hartung

Werra-Meißner – Das Spiel mit der Liebe zu kriminellen Zwecken ist eine Betrugsmasche, die auch vor unserer Region nicht Halt macht: Ein 64-Jähriger aus dem Kreis ist deshalb am Dienstag in Untersuchungshaft genommen worden. Das teilen die Staatsanwaltschaft Kassel und das Polizeipräsidium Nordhessen in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der 64-Jährige soll eine Frau um einen sechsstelligen Eurobetrag gebracht haben.

Das Ermittlungsverfahren richtet sich vornehmlich gegen den 64-Jährigen, und zwar wegen des Verdachts des vierfachen gewerbsmäßigen Betruges. Weiterhin im Visier der Ermittler stehen ein 44-jähriger Mann aus Lübeck und eine 51-jährige Frau, ebenfalls aus dem Werra-Meißner-Kreis, wegen der möglichen Beteiligung an den Vorfällen.

Der 64-Jährige steht laut Angaben der Staatsanwaltschaft Kassel im dringenden Verdacht, im Januar 2020 die spätere Geschädigte, eine „Zufallsbegegnung“, angesprochen und bei ihr im Laufe der folgenden Monate gezielt die Hoffnung auf eine amouröse Beziehung geweckt zu haben, um hieraus finanziell Kapital zu schlagen. In der Zeit vom März 2020 bis März 2021 soll er der Frau vier Notsituationen vorgetäuscht haben, die dazu führten, dass sie dem Beschuldigten einen insgesamt sechsstelligen Eurobetrag überlassen haben soll.

Erbschaft in den USA über 17 Milliarden Dollar

In einem Fall soll der Beschuldigte vorgetäuscht haben, sich aufgrund eines Herzinfarktes in der Charité in Berlin befunden zu haben und für die Behandlung in einer Spezialklinik in der Schweiz Geld zu benötigen. Auch in der Folgezeit soll der Beschuldigte die Legende einer lebensnotwendigen Operation in der Schweizer Spezialklinik aufrechterhalten und zur Beteuerung seines Rückzahlungswillens von einer Erbschaft in den USA über 17 Milliarden Dollar, über die er wegen Problemen mit dem Finanzamt nicht verfügen könne, berichtet haben. Später soll der Beschuldigte vorgegeben haben, an Lungenkrebs erkrankt zu sein und für die Behandlung und anschließende Kur in der Schweiz weitere finanzielle Mittel zu benötigen.

Die Staatsanwaltschaft Kassel erwirkte am Dienstag vor dem zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Kassel die zur weiteren Aufklärung und Sicherung des staatlichen Strafanspruchs erforderlichen Beschlüsse. Es wurde die Durchsuchung der Wohnräume der Beschuldigten im Werra-Meißner-Kreis und Lübeck wie auch die Untersuchungshaft gegen den 64-jährigen Beschuldigten angeordnet.

Am heutigen Tag wurden die amtsgerichtliche Beschlüsse durch Kriminalbeamte der Kasseler und der Lübecker Polizei vollzogen; der 64-Jährige konnte an seinem Wohnsitz festgenommen werden und wird nun dem zuständigen Haftrichter vorgeführt. Außerdem stellten die Ermittler umfangreiche Datenträger und schriftliche Unterlagen sicher, die es nunmehr von den Ermittlungsbehörden zu sichten und auszuwerten gilt. Zudem wurde der hochwertige SUV des Beschuldigten beschlagnahmt.

Möglicherweise weitere Geschädigte

Den bisherigen Ermittlungen sind Anhaltspunkte zu entnehmen, dass der heute 64-Jährige möglicherweise noch weitere Personen geschädigt haben könnte. Vor diesem Hintergrund werden Zeugen gesucht, die in den Jahren 2019 bis 2022 Kontakt zu einem charismatischen, circa 60-jährigen Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis unterhalten und diesem Geldmittel zur Verfügung gestellt haben oder vorhatten, dies zu tun.

Der Kontakt dürfte - anders als in vergleichbaren Fällen üblich - hier gerade nicht über das Internet und die sozialen Medien aufgenommen und unterhalten worden sein, sondern noch - der sog. „alten Schule“ entsprechend - persönlich.

Als Kontaktraum kommt der Werra-Meißner-Kreis in Frage mit Schwerpunkt in und um Großalmerode, möglicherweise auch Kassel. Kennzeichnend für die Kommunikation des Beschuldigten ist dessen Behauptung, dass dieser in den USA Millionen oder Milliarden geerbt habe, möglicherweise auch, dass er eine Ranch in Texas geerbt habe bzw. Inhaber eines Autohauses in den USA. sei. Sollten Zeugen diese Erfahrung gemacht haben und zusätzlich von dem Mann zu finanziellen Transaktionen (Überweisungen und Bargeldgeschäfte) veranlasst worden sein, sei es beispielsweise

  - im Zusammenhang mit Erwerb eines Testwagens der Oberklasse z.B. Audi, der anschließend nicht geliefert wurde,

  - zur Finanzierung von medizinischen Behandlungen des Mannes (z.B .Herz- oder Krebserkrankung) oder

  - im Zusammenhang mit der Abwicklung oder Vermittlung vonGeschäften, z.B. Immobiliengeschäften

Hinweise unter der Telefonnummer 0561/9100.

Von Emily Hartmann

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