Veranstaltung des Vereins Schlüsselblume

Ein Lied für die eigene Schwester - Sebastian Krämer gastierte in Niederhone

Sebastian Krämer sitzt am Klavier.
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Sebastian Krämer am Samstagabend in Niederhone.

„Poetisch und charmant, bissig und provokant – niemand kann so schmeichelnd wunderbare Kompositionen aus virtuosem Klang und subtilen Bösartigkeiten in die Herzen des Publikums abfeuern“, kündigte Andrea Römer den aus Berlin angereisten Sebastian Krämer an.

Eschwege - Er spielte am Samstagabend seit 2009 bereits zum wiederholten Mal eine Vorpremiere im Saal der Schlüsselblume in Niederhone.

„Doch bei 400 reicht es mir“, singt Sebastian Krämer, fügt hinzu, es müssen vermutlich tausend Wagen sein und erzählt in seinem Reiselied zur eigenen hämmernden Begleitung vom Warten an der Schranke und einem scheinbar endlosen Güterzug, der die Weiterfahrt unmöglich macht und den Wartenden irgendwann glauben lässt, ein Kinofilm über ihn laufe auf den Wagen ab.

„Ihr seid in diesem Jahr der Superlativ“, begrüßte er die 26 Besucher, die unter Berücksichtigung des Hygienekonzepts Platz im Saal fanden und sorgte bereits vor seinem ersten Titel mit humorvoller Anmoderation für eine gute Stimmung.

Das erste Lied des Abends widmete er seiner Schwester, schaute auf allerlei Erlebnisse zurück und konnte während eines Besuchs eine Frage einfach nicht aus dem Kopf bekommen: „Warum sitzt mein Affe bei dir auf’m Schrank?“

Schnell flossen dramatischere Klänge und schließlich wütende Töne ein, bevor es mit einem Reiselied poetisch wurde. Für erstklassige Unterhaltung sorgte er mit dem Titel, in dem die Deutsche Bahn als „munter Quell an Pannen, Pech und Pleiten“ besungen wurde und alles „aufgrund von Bauarbeiten“ stockte. Nicht allzu viele Liebeslieder habe er auf die CD packen wollen, die er während des Abends immer wieder kurz hochhielt und dann gleichgültig hinter den Klavierdeckel fallen ließ, um mit dem nächsten Titel zu überraschen.

„Ich hab kein Liebeslied für dich“, sang er daher zur ruhigeren Melodie von zahlreichen Gründen, kein Liebeslied zu verfassen. Dieses widmete er stattdessen – passend zu seinem Programm „Liebeslieder an deine Tante“, das am 23. Oktober in Berlin Premiere feiern wird – einer als arrogant und extravagant beschriebenen Tante. Neben Titeln wie diesem mit Komplimenten wie: „Ich mag einfach, wie du bist, sogar wie du eine Mettwurststulle isst“, erwarteten die Besucher an diesem Abend auch Vertonungen von Gedichten und Lieder mit nachdenklichem Charakter.

„Das gehört auch noch dazu“, sang Krämer mit Blick in den Sternenhimmel, Kassetten aus der Kindheit zwischen Umzugskartons und Sarastro in der Zauberflöte. Schallender Applaus erwartete Krämer, der bei seiner Vorpremiere keine Langeweile aufkommen ließ und immer wieder neu begeisterte.

Neben der Lesebühne am 4. September findet am 26. mit dem „Song-Slam“ die nächste größere Veranstaltung des Vereins Schlüsselbume statt, die Bühne steht Singern und Songwritern offen. (esr)

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