Vereint für die Würde

Maikundgebung des DGB Werra-Meißner auf dem Eschweger Obermarkt

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Maikundgebung des DGB Werra-Meißner auf dem Eschweger Obermarkt

Eschwege. „Wir sind viele. Wir sind eins!“ Unter diesem Motto hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zur traditionellen Maikundgebung geladen und rund 240 Menschen waren am Montag dem Aufruf des Kreisverbandes Werra-Meißner gefolgt und auf den Eschweger Obermarkt gekommen.

„Unsere Demokratie braucht aktive Demokratinnen und Demokraten, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen – in Vereinen, Parteien und Gewerkschaften. Es reicht nicht, die Weltlage vom heimischen Sofa oder in den sozialen Netzwerken zu kommentieren“, sagte Michael Roth. Der heimische Bundestasabgeordnete und Staatsminister im Auswärtigen Amt war als Festredner zur Kundgebung gekommen. Ebenfalls richteten Landrat Stefan Reuß und Uwe Laubach, erster Bevollmächtigter der IG Metall Eisenach, Grußworte an die Zuhörer. „Wir sind sehr zufrieden, jedes Jahr kommen mehr und mehr Menschen zur Kundgebung“, sagte Adam Tomcuk, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes. Offensichtlich würden immer mehr Menschen die sozialen Härten und die Ungerechtigkeiten spüren und seien wieder bereit dafür auf die Straße zu gehen und selbst etwas zu bewegen.

Der Forderungskatalog der DGB an die Politik ist klar formuliert: Mehr Mitbestimmung der Beschäftigten in den Betrieben, eine Stärkung der Tarifbindung, Renten, die für ein gutes Leben reichen sowie die Sicherung und der Ausbau öffentlichen Eigentums. „Wir kämpfen für mehr soziale Gerechtigkeit und für eine Gesellschaft, in der die Würde der Menschen auch in der Arbeitswelt respektiert und geschützt wird“, sagte Tomcuk. Die sozialpolitischen Reformen der vergangenen Jahre seien nicht ausreichend, fügte der SPD-Politiker Roth hinzu. Jetzt setze sich seine Partei für die Solidarrente, die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen ein.

Bewegend waren die Worte von Waltraud Eisenträger-Tomcuk, die für das Aktionsbündnis „Bunt statt braun“ Werra-Meißner sprach: „Immer wieder hören wir nette Worte von Politikern, die unsere Integrationsarbeit loben – die aber in ihren Amtsstuben die Asylgesetze so lange verschärfen, bis man sie nicht mehr wiedererkennt.“ Sie appellierte an die Politiker, das Klima der Angst, das seit den seit Dezember praktizierten Sammelabschiebungen unter den afghanischen Flüchtlingen vorherrsche, zu durchbrechen. „56 Prozent, also jeder zweite Asylantrag wird anerkannt – so viele wie in keinem anderen europäischen Land“, entgegnete Roth. Wer behaupte, dass es zu massenhaften Rückführungen von afghanischen Flüchtlingen bei uns komme, der spiele mit den Ängsten der Flüchtlinge. „Wer in Ausbildung steht, einer Beschäftigung nachgeht oder krank ist, sollte hierbleiben können – das entscheiden aber die Bundesländer.“

Von Diana Rissmann

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