Manfred Mummert ist Weihnachtskind, Sportler und Poet

Manfred Mummert in seinem Büro: Vor dem noch immer häufig benutzten Computer präsentiert er seinen Tatsachenroman. Foto: Harald triller

Weihnachtskinder werden häufig auch als Glückskinder bezeichnet. Manfred Mummert aus Eschwege ist so eines. 

Eschwege – Weihnachtskinder werden häufig auch als Glückskinder bezeichnet. Manfred Mummert aus Eschwege wurde am 25. Dezember 1930 in Glogau in Schlesien geboren und ist sicherlich ein Glückskind, aber das Glück ist ihm nicht in den Schoß gefallen, er musste es sich hart erarbeiten und kann mit seinen 89 Jahren auf ein bewegtes, fast schon turbulentes Leben zurückblicken, nicht zuletzt, weil er in fast neun Jahrzehnten sehr viele unterschiedliche Facetten geöffnet hat. Die meisten natürlich in Eschwege, wo es ihn nach dem Zweiten Weltkrieg hinverschlagen hat.

Große Liebe Handball

Seine große Liebe galt zunächst dem Handballsport: „Mit nur 16 Jahren habe ich 1947 mein erstes Spiel auf dem Großfeld bestritten. Der Gegner hieß Kassel-Nord und ich konnte mein erstes Tor im Trikot der ersten Mannschaft der TSG Jahn Eintracht bejubeln“, schwärmt die Handball-Legende noch heute von diesem Ereignis, das ihn prägte. Anlässlich seines 80. Geburtstages hat ETSV-Vorstandsmitglied Gerd Strauß, der sich auch als Historiker einen Namen gemacht hat, folgenden Satz zum Ausdruck gebracht: „Manfred hat wesentlich dazu beigetragen, dass Eschwege als Sport- und Handballstadt im gesamten Hessenland bekannt wurde.“

Talentschmiede Mummert

Neben seiner 25-jährigen aktiven Karriere hat er als Jugendwart nicht nur die organisatorischen Aufgaben erfüllt, sondern als Trainer mit all seiner Erfahrung auch die operative Nachwuchsarbeit gefördert. Er legte quasi den Grundstein für die erste erfolgreiche Ära in der Hallenhandball-Verbandsliga, denn er lieferte dem einstigen Jugendnationalspieler und Spielertrainer Uli Faber, der 1974 zum ETSV gestoßen ist, viele junge Leute, die in der Talentschmiede von Manfred Mummert beste Handballschulung erfahren haben.

Spitzname „Boss“

Die Jugendlichen aus dem gesamten Kreisgebiet schauten neidvoll zur A-Jugend des Eschweger TSV hin, die Manfred Mummert mit intensiver und vor allem kontinuierlicher Trainingsarbeit für höhere Aufgaben ausgebildet hat. Gerd Strauß: „Seine Wertschätzung drückt sich auch in seinem Spitznamen aus, alle seine jungen Spieler, die noch heute klangvoll an die große Handballbühne erinnern, nannten ihn liebevoll Boss, auch deshalb, weil sie dem Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle ganz viel zu verdanken haben.“

Als Aktiver hat er dem Hallenhandball in der Kreisstadt zu einer ersten Blüte verholfen, er glänzte mit Spielintelligenz und -verständnis, ließ Ehrgeiz erkennen und hat dabei nie die sportliche Fairness vergessen. Diese Tugenden hat er vom Handball später auch zum Tischtennis transportiert. Bis zum sage und schreibe 85. Lebensjahr stand Manfred Mummert noch mit dem Schläger an den Platten beim Eschweger TSV.

Eine glückliche Familie

Unterstützung fand er in Ehefrau Hedwig, die er 1955 vor den Traualtar führte. Zusammen hat das Paar eine Tochter und zwei Söhne, und die glückliche Familie wird von acht Enkel- und vier Urenkelkindern komplettiert. Schon ein Jahr bevor der Kaufmann Manfred Mummert 1996 in den wohlverdienten Ruhestand versetzt wurde, hat er ein neues, ganz anders gelagertes Hobby gefunden: „Ich habe meine Frau zum Wandern an den Leuchtberg gefahren, konnte allerdings wegen eines Bandscheibenvorfalles selbst nicht mit auf Tour gehen, als ich im Radio die Aufforderung hörte, ein Gedicht zu schreiben und an den Sender zu schicken“, gibt er beim WR-Gespräch zu verstehen, dass im Auto am Leuchtberg sein erstes Werk unter dem Titel „Frühlingserwachen“ entstanden ist: „Ich durfte mich sogar über einen vorderen Platz freuen und bin auf den Geschmack gekommen. Bis heute habe ich rund 300 Gedichte geschrieben, Auszeichnungen erhalten und meine Reime in vielen Zeitungen wieder gefunden.“

Die Lust auf Schreiben

Bei Manfred Mummert war die Lust zum Schreiben geboren. Wie anders ist es zu erklären, dass er einen Tatsachenroman verfasst hat: „Meine darin geschilderten Ereignisse entsprechen weitestgehend der Realität, auch Zeitabläufe und Schauplätze spiegeln die damalige Entwicklung insbesondere der jungen Kriegsgeneration wider. Verändert habe ich lediglich die Namen der vorkommenden Personen“, blickt Manfred Mummert auf die sechs Kapitel, die er „Manni“, „Cottbus“, „Glogau“, „Berlin“, „Eschwege“ und „Nachlese“ nannte. Und zum Schluss durfte freilich auch der Epilog nicht fehlen.

Roman in Buchform

„Eine Enkeltochter hat mir den Roman professionell in ein Buch gebunden, das hat mich sehr stolz gemacht“, denkt Manfred Mummert daran, dass er während der Kriegswirren viel Unangenehmes erleben musste. „Aber als positiv eingestellter Mensch habe ich stets versucht, alle negativen Geschehnisse zu vergolden“, erklärt der 89-Jährige, der in Eschwege fraglos eine herausragende Persönlichkeit ist.

Manfred Mummert weiß sehr viel mit sich anzufangen. „Ich trainiere natürlich nicht mehr körperlich, aber widme mich intensiv meiner geistigen Gesundheit. Das geht mit dem Lesen der Werra-Rundschau am Morgen los, setzt sich über Kreuzworträtsel und Sudoku fort, um dann, allerdings für nur wenig Geld, mein selbst ausgeklügeltes System beim Fußballtoto einzusetzen“, schmunzelt Manfred Mummert.

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