Kultige Kleinbusse selbst restauriert

Carsten Schiedrum: Ein Mann und seine Bullis

In seinem Element. Carsten Schiedrum am Steuer seines einzigen T2-Bullis. Foto: Künemund

Eschwege. Carsten Schiedrum aus Eschwege hat eine besondere Leidenschaft: Er sammelt VW-Bullis. Sechs Fahrzeuge darf er sein Eigen nennen. Teilweise hat der 49-Jährige die kultigen Kleinbusse selbst restauriert. Zu dem Hobby gefunden hat er vor etwa 25 Jahren.

Vor 28 Jahren hat ein Kumpel ihn „infiziert“, sagt der Eschweger Carsten Schiedrum. Womit? Dem VW-Virus. Oder „Fimmel“, wie es der Geschäftsführer der gleichnamigen Dachdeckerei heute nennt. Der Freund hat einen Käfer bei Schiedrum restauriert, weil er in seiner eigenen Garage keinen Platz hatte. „Das Auto hat mich angesprochen. Ich habe mir selbst einen zugelegt und ihn dann drei Jahre lang gefahren“, erinnert er sich. 1991 dann, im Alter von 24 Jahren, legte sich Schiedrum seinen ersten Bulli zu. Einen Grün-Weißen. „Einfach ein tolles Fahrzeug. Man hat das Gefühl, es lächelt einen an. Das Äußere ist so freundlich und optisch schön“, erklärt der heute 49-Jährige.

Danach kam ein zweiter als Werbeträger für die eigene Firma dazu. Gekauft hat Carsten Schiedrum die Bullis damals noch für kleines Geld. „Meistens gebraucht und dann habe ich selbst noch dran geschraubt“, sagt er. Heute seien die Kleintransporter wesentlich wertvoller. „Es ist ja ein richtiger Hype. Die Bullis sind Kult“, sagt Schiedrum. Er lobt auch die Qualität. „Mit ein bisschen technischem Verständnis kann jeder kleinere Reparaturen auch gut selbst machen. Ersatzteile werden noch genügend nachproduziert und es gibt sie bei speziellen Händlern“, erzählt der Dachdecker. Für ihn sei das Sammeln und Restaurieren dieser Fahrzeuge immer ein sehr viel Spaß bringendes Hobby gewesen. „Heute finde ich leider nicht mehr ganz so viel Zeit“, so Schiedrum.

Historische Baustelle. Für eine Dokumentation im SWR hat die Dachdeckerei Schiedrum eine historische Baustelle nachgestellt, bei der die Bullis von Geschäftsführer Carsten Schiedrum als fiktive Arbeitsfahrzeuge dienten. Der Bulli, der links im Bild mit dem Arbeitsgerät auf der Ladefläche zu sehen ist, findet man in Deutschland nur ganz selten. Foto: privat

Dennoch bringt er es auf stolze sechs Bullis, fünf vom Modell T1 und einen T2. Dazu kommt ein Plattenwagen, der als Vorläufer des Bullis 1947 nur für werksinterne Zwecke von VW gebaut wurde. Seines Wissens nach gibt es davon nur 16 Exemplare. Diesen lagert er für die Interessen-Gemeinschaft „Bulli-Kartei“, deren zweiter Vorsitzender Schiedrum ist.

Ein paar Mal im Jahr steuert er Oldtimer- und spezielle Bulli-Treffen an. So ist er mit einem gerade Mal 30 PS starken Bulli kürzlich zu einer Veranstaltung nach Lavenham in England getuckert. Zunächst mit zwei Freunden bis nach Holland und von dort aus weiter mit der Fähre. „Bei 75 km/h ist Schluss. Aber mich stört das nicht, ich fahre gerne so. Ein Freund meint, das entschleunigt den Alltag“, sagt Schiedrum und lächelt. Auch seine anderen Bullis seien nicht stärker als 44 PS.

Schon öfter sind Medien auf die besondere Sammlung von Carsten Schiedrum aufmerksam geworden. Einmal hätte die Redaktion von „Wetten, dass...“ gefragt, ob sie sich einen seiner Oldtimer ausleihen könnte. „Atze Schröder sollte damit wohl ins Studio fahren“, erinnert er sich. Letzten Endes hätte das Fernsehteam dann aber doch anderswo ein Fahrzeug aufgetrieben. Und auch der SWR hat Schiedrum aktuell in eine Dokumentation über die kultigen zwischen 1950 und 1967 gebauten VWs miteinbezogen. Erstausstrahlung war an Weihnachten, eine Wiederholung läuft am 4. Januar um 21 Uhr. „Die kommen durchs Rumtelefonieren bei Bulli-Werkstätten oder über irgendwelche Publikationen auf mich“, sagt Schiedrum.

Was der Liebhaber außerdem an den Oldtimern schätzt, ist ihre Vielseitigkeit. „Es gibt Wohnwagen, Neunsitzer, aber auch Bullis, bei denen Arbeitsgerät auf der Ladefläche ist“, berichtet er und zeigt auf die eigenen. Carsten Schiedrum ist generell überzeugt vom Autohersteller Volkswagen. Seine Firmenfahrzeuge - bis auf eine Ausnahme - und die privat genutzten Autos sind allesamt von VW. Und los ging diese Liason einst mit einem Käfer, der gar nicht ihm gehörte.

Von Florian Künemund

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