Richter vertagt das Urteil: Ergebnisse der Gutachten abwarten

Mann soll Bekannte vergewaltigt haben

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Werra-Meißner. Weil er eine 45-jährige Frau in ihrer eigenen Wohnung vergewaltigt, gewürgt, geschlagen und beleidigt haben soll, stand ein 40-jähriger Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis am Dienstag vor dem Eschweger Amtsgericht.

Ein Urteil ist aber noch nicht gefallen: Da der alkoholkranke Mann bei der angeblichen Tat im vergangenen März nicht nur 2,7 Promille Alkohol im Blut, sondern offenbar auch unter dem Einfluss von verschreibungspflichtigen Medikamenten gestanden hatte, hat das Schöffengericht die Entscheidung vertagt.

Der Vorsitzende Dr. Alexander Wachter ordnete zunächst ein Schuldfähigkeits-Gutachten an. Darüber hinaus muss die Frau, die als Zeugin auftrat, ihre Glaubwürdigkeit offiziell begutachten lassen: Die 45-Jährige ist ebenfalls alkoholabhängig und wies zum fraglichen Zeitpunkt einen Blutalkoholwert von 3,6 Promille auf. Laut eines vorangegangenen Gutachtens leidet sie zudem unter psychischen Problemen und ist auf Medikamente angewiesen. Letzteres bestritt die Frau vor Gericht aber vehement.

„Ich kann mich an den Vorfall nicht erinnern“, betonte der 40-Jährige, der bis vor wenigen Wochen eine lockere Beziehung mit regelmäßigen sexuellen Kontakten zu der Frau pflegte. Der Tag vor der mutmaßlichen Vergewaltigung sei ohne Streit verlaufen. „Über den Tag hinweg habe ich dann vielleicht 15 Bier getrunken“, sagte der Mann. Unüblich sei diese Menge für ihn nicht. Später habe er dann, so seine Vermutung, „noch eine gute halbe Flasche Wodka“ konsumiert. „Den vertrage ich nicht, ich habe einen völligen Blackout“, erklärte der Beschuldigte.

Die Zeugin gab an, in ihrem Bett geschlafen zu haben und gegen 1 Uhr nachts durch das Geschrei des rittlings auf ihr sitzenden Mannes geweckt worden zu sein. „Ich habe mich gewehrt, aber er hat mich überrumpelt“, sagte die Frau. Der Geschlechtsverkehr sei dann bis zum Schluss vollzogen worden.

"Harter Sex war normal"

Harmonisch ging es wohl nur selten zu in der Beziehung zwischen der 45-jährigen Frau und dem 40-Jährigen aus dem Werra-Meißner-Kreis, zwischen denen nun der schwere Vorwurf der Vergewaltigung steht. Kennengelernt hatten sich die beiden vor drei Jahren im Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie (ZPP) in Eschwege. Seitdem, so der bestellte Betreuer des alkoholkranken 40-Jährigen vor Gericht, hätten die beiden ein beinahe symbiotisches, aber zerstörerisches Verhältnis zueinander entwickelt.

Genau angeben, wie oft seine Freundin nach Streitigkeiten die Polizei zu ihrer Wohnung gerufen habe, könne er nicht mehr, sagte der Beschuldigte: „Zwanzig Mal habe ich sicher auf der Wache gesessen. Ich habe auch gar nichts gemacht, sie ist dann einfach durchgedreht“, sagte der 40-Jährige. „Die Polizisten kennen meine Nummer leider schon sehr gut“, bestätigte die Frau bei ihrer Aussage. „Irgendwann hatten sie sicher auch die Nase voll.“

Neben Alkoholexzessen sei auch „harter Sex“ an der Tagesordnung gewesen, sagte der 40-jährige Beschuldigte. „Aber immer einvernehmlich. Sie stand eben drauf, und diese Wünsche habe ich erfüllt.“ Der dominante Part in der Beziehung sei immer die 45-Jährige gewesen.

Auch nach der vermeintlichen Vergewaltigung hätten sich die beiden, die kein Paar mehr sind, weiter zum Sex in der Wohnung getroffen. „30 oder 40 Mal bestimmt – wenn das überhaupt reicht“, sagte der Mann.Die 45-Jährige bestätigte diese Treffen: „Jeder verdient eine zweite Chance, und er war ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben.“ Dennoch betonte die Frau, dass Alkohol nicht jede Tat rechtfertige. Ein deutliches ,Nein‘ müsse jederzeit akzeptiert werden. Noch immer versuche sie, mit dem Erlebten fertigzuwerden. Mittlerweile hat sie gegen den 40-Jährigen eine Verfügung erwirkt: Seit sechs Wochen darf er sich ihr nicht mehr nähern. Der Grund dafür ist aber nicht die Vergewaltigung – „sein Telefonterror nahm einfach überhand“, sagt die Frau.

Von Emily Spanel

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