Serie "Die Kirche im Dorf lassen"

Die Marktkirche ist das älteste Gotteshaus Eschweges

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Kunstschatz: Die Schaeffer-Orgel in der Marktkirche wurde im Jahr 1678 gebaut. Die Orgel begle itet die Gottesdienste der Stadtkirchengemeinde und ist ein beliebtes Instrument bei Konzerten in dem Gotteshaus. Alle

Eschwege. 85 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung – jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute stellen wir die Eschweger Marktkirche vor.

Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost ist die Rolle ihrer Kirche in der Gegenwart wichtig. Der besondere Standort der Marktkirche im Zentrum Eschweges ist von besonderer Bedeutung. „Unsere allererste Aufgabe ist die Verkündung der frohen Botschaft – das tun wir in den Gottesdiensten, in Konzerten und bei anderen Gelegenheiten“, sagt die Pfarrerin.

Die Marktkirche will ein Ort der Stille und des Gebets sein – der Standort am Marktplatz ist wiederum von Bedeutung, wenn es darum geht, vom Alltag zu verschnaufen. Die Türen des Gotteshauses sind täglich ab 10 Uhr für Besucher geöffnet: im Winterhalbjahr bis 17 Uhr, im Sommer bis 18 Uhr. Und schließlich sieht Pfarrerin Repp-Jost die Kirche als „Markt- und Versammlungsort“, um gesellschaftliche Fragen aus christlicher Perspektive zu beleuchten und zu diskutieren. Das geschieht regelmäßig in den Veranstaltungen des evangelischen Forums. „Wir wollen ein Treffpunkt für die Menschen sein“, sagt sie. Die Kirche soll sich einmischen, auch und gerade bei den modernen Themen der Gegenwart.

Gemeinsam mit der Neustadt ist die Marktkirche seit zehn Jahren die Stadtkirchengemeinde mit insgesamt rund 4000 Gliedern. Das Gotteshaus in Rathausnähe ist das älteste in Eschwege. Der Turm stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert. 1521 wurde das Gewölbe fertiggestellt. Die Reformation, so Repp-Jost, sei 1527 eingeführt worden.

1637 wurde die Marktkirche durch Feuer weitgehend zerstört, später wieder aufgebaut und zuletzt vor einigen Jahren mit großem Aufwand renoviert. Dabei verzichtete die Kirchengemeinde auf eine feste Bestuhlung im Kirchenschiff. „Das ist flexibler und hat bei der Gottesdienstgestaltung viele Vorteile“, sagt Pfarrerin Repp-Jost.

Die Kirche der Landgrafen hatte eine Fürstenloge, die heute zugemauert ist. Der Adel betrat die Kirche durch einen eigenen Seiteneingang. Weil es im Schloss keine Kapelle gab, musste die Herrscherfamilie zur Teilnahme am Gottesdienst die Marktkirche besuchen. Die Schaeffer-Orgel stammt aus dem Jahr 1678 und ist ein echter Kunstschatz. Knorpelschnitzereien und Malereien verzieren das Instrument. Die Motive zeigen junge Damen mit Musikinstrumenten.

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