Weniger Bewerber um mehr Ausbildungsplätze im Werra-Meißner-Kreis

Im Werra-Meißner-Kreis bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt. Das liegt zum einen daran, dass viele Schulabgänger sich für ein Studium entscheiden, zum anderen an der sinkenden Zahl an Schulabgängern. 

Werra Meißner. Im Kreis herrscht seit Beginn der Corona-Pandemie im März Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Das wirkt sich auch auf die Ausbildungsstellen aus. So sind die Bewerberzahlen hier zurückgegangen.„Aufseiten der Betriebe erfolgt der Einstellungsprozess zwar verzögert, größere Probleme sind allerdings auf der Bewerberseite“, erklärt Cornelia Harberg von der Arbeitsagentur Kassel. Durch die Corona-Pandemie herrsche eine große Unsicherheit bei der Entscheidung, ob angesichts der angespannten Lage vieler Betriebe ein weiterer Schulbesuch oder eine Ausbildung die bessere Entscheidung wäre.

14 Prozent weniger Bewerber 

Das führt im Werra-Meißner-Kreis zu einem Minus von 14 Prozent bei den Bewerberzahlen gegenüber dem Vorjahr. Grund hierfür sind aber auch die rückläufigen Schulabgängerzahlen. Parallel stieg die Anzahl der Ausbildungsplätze um 14,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. „Das Ausbildungsjahr 2020 ist durch Corona erschwert, aber durch den Zuwachs der Stellen haben wir trotzdem mehr Angebote als Bewerber im Kreis“, stellt Harberg fest. Eine endgültige Statistik, die die tatsächlichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in der Pandemie-Zeit widerspiegele, sei jedoch erst im Oktober zu erwarten, so Harberg.

Diskrepanz zwischen Wunschausbildung und Qualifikation

Grund für teilweise weiterhin unbesetzte Ausbildungsstellen trotz breitem Angebots sei die Diskrepanz zwischen Wunschausbildung und tatsächlicher Qualifikation, weiß Cornelia Harberg.

Daraus ergäben sich auch Schwierigkeiten für einzelne Betriebe, passende Auszubildende zu finden, so die Sprecherin. Davor warnt auch die IG Bau-Nordhessen, die mit 19,7 Prozent weniger Bewerbern, aber 117,7 Prozent mehr angebotenen Stellen, im Vergleich zum Vorjahr, ein Alarmsignal für die gesamte Branche sieht. Die Auszubildenden bevorzugten immer häufiger Stellen, die Aufstiegschancen sowie zeitliche Flexibilität böten, weiß auch Cornelia Harberg.

Die Verzögerung des Ausbildungsstarts durch die Pandemie und die Suche nach Azubis sieht auch Dr. Thomas Fölsch von der IHK Kassel.

Von Kim Hornickel

Rubriklistenbild: © Klinikum Werra-Meißner/ nh

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