Kapazität ist in der Kreisstadt zu gering

Mehr Hotelbetten für Eschwege - SPD will Bedarfsanalyse

Hat das Bettenproblem verschärft: Durch die Schließung des Werotels und des Schlosshotels ging ein Großteil der Kapazitäten verloren.
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Hat das Bettenproblem verschärft: Durch die Schließung des Werotels und des Schlosshotels ging ein Großteil der Kapazitäten verloren.

Die SPD-Fraktion in der Eschweger Stadtverordnetenversammlung wird heute Abend vorschlagen, dass der Magistrat der Kreisstadt eine Bedarfsanalyse über die benötigten Kapazitäten an Hotelbetten erstellen lässt. Nach Informationen der SPD-Fraktion sei die Nachfrage an Hotelbetten deutlich größer als das Angebot.

SPD - Vereine wie die Kulturfabrik E-Werk, Firmen oder auch Messen könnten in Eschwege keine größeren Veranstaltungen anbieten, weil die Betten in ausreichender Anzahl fehlten. „Eine Angliederung eines Gästehauses hinter der Stadthalle wäre ein denkbarer Ansatz, um die Kapazitäten zu erhöhen – sofern die Analyse einen Bedarf aufzeigt“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Feiertag.

Tourist-Info: Bedarf ist da

Der Bedarf sei vorhanden, sagt Miriam Gerke, Leiterin der Tourist-Information in Eschwege, auf Anfrage unserer Zeitung. In Eschwege fehle es tatsächlich an Betten. Das hätten bereits mehrere Studien gezeigt. Gerke hat dafür im Archiv der Tourist-Info recherchiert. Die erste Studie stamme aus dem Jahr 1993, die letzte aus 2011. Alle Bedarfsanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass zusätzliche Bettenkapazitäten nötig sind.

Zwei Hotels haben in vergangenen Jahren geschlossen

Erschwerend komme hinzu, dass in den vergangenen Jahren das Werotel am Bahnhof und das Schlosshotel am Schlossplatz geschlossen hätten. „Das neu eröffnete Ponte Wisera und das im Mai öffnende Hotel an Müllers Weiden sind hochwertige Bereicherungen der Hotel-Landschaft, lösen das Kapazitätsproblem aber nicht.“ Ein Bettenhaus mit rund 80 Schlafplätzen hinter der Stadthalle wäre nach Einschätzung Gerkes wirtschaftlich, weil die Fläche schon vorhanden sei. „Eine weitere Bedarfsanalyse ist aber nur sinnvoll, wenn man sich sicher ist, später auch einen Investor zu haben oder selbst zu investieren“, sagt Gerke.

Wegen Corona-Krise Zweifel an richtigem Zeitpunkt

Hier liegen aber bereits die ersten Fallstricke. Die Koalition aus CDU, FWG und FDP hat bereits angekündigt, dem SPD-Vorschlag nicht zustimmen zu wollen. „Durch die Coronakrise ist es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu entscheiden“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Schneider. Im Frühjahr sei der Hotel- und Tagungsmarkt plötzlich zusammengebrochen. Wo die Reise zukünftig hingehe, wisse man nicht. „Es ist unsicher, ob Tagungen zukünftig nicht virtuell stattfinden werden oder der Trend zu Urlaub in Deutschland noch besteht, wenn sich der Flugmarkt wieder normalisiert.“

Investor oder Stadt sollen in Vorlage gehen

Die SPD denkt darüber nach, das Projekt über einen zu suchenden Investor zu finanzieren oder als Stadt selbst in Vorlage zu gehen und dann an einen Betreiber zu vermieten. Dieses Modell wurde indes vor dem Umbau der Stadthalle von der Stadtverordnetenversammlung 2011 bereits einmal abgelehnt. Das Bad Hersfelder Gastronomieunternehmen Kniese wollte als Pächter und Betreiber von Hotel, Restaurant und Stadthalle auftreten. Kniese plante, Stadthalle und Hotel als Kongress-, Tagungs- und Seminarbetrieb zu führen, lehnt es allerdings ab, selbst Geld in den Hotelneubau zu investieren. Alle Fraktionen stimmten damals gegen dieses Modell.

Von Tobias Stück

Stadtverordnetensitzung beginnt heute Abend um 19 Uhr

Zur 43. Sitzung der Legislaturperiode treffen sich die Eschweger Stadtverordneten am heutigen Donnerstag ab 19 Uhr in der Stadthalle in Eschwege. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem ein Antrag des Ausländerbeirates der Kreisstadt Eschwege bezüglich der Verwendung einfacher deutscher Sprache in den Bürgerinformationen auf der Homepage der Stadt, ein gemeinsamer Antrag der CDU, FWG und FDP bezüglich der Aussetzung der Sondernutzungs- und Parkgebührensatzung 2020 (wir berichteten) und ein Antrag der SPD-Fraktion bezüglich der Unterstützung der Jugendherberge Eschwege. Zudem wird es auf SPD-Antrag um den Sonnen- und UV-Schutz auf öffentlichen Spielplätzen gehen. Von Maurice Morth

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