Meine alte Penne: Blick hinter die Kulissen der FWS

Schmuckstück Aula: Direktor Dr. Hans-Joachim Vock blickt von der Empore, ausgestattet mit alten Kinosesseln, auf die Aula hinab, die aufwendig restauriert wurde. Ehemalige, die in die Aula zurückkehren, sagen: „Das hatte ich größer in Erinnerung.“ Fotos: Stück

Eschwege. Die Schulzeit ist der wohl prägendste Abschnitt eines jeden Menschen. Jeder hat Erinnerungen an seine „alte Penne“. Wir haben die weiterführenden Schulen im Altkreis Eschwege besucht und einen Blick hinter die Kulissen geworfen, den man als Schüler so nie bekommen hat. Heute: die Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege.

Für Fünftklässler kann es zu einer ganz besonderen Mutprobe werden. Hinter dem ehemaligen Werkraum der Schule führt eine Tür zu einem schmalen, niedrigen und schwach beleuchteten Gang. Er führt unter die Toilettenanlage der Schüler.

Kriechgang 

Die Luft ist feucht, von der Decke hängen dicke Spinnennetze, in denen weiße Spinnen auf Beute lauern. „Früher“, berichtet Direktor Dr. Hans-Joachim Vock, „konnten Sextaner hier ihren Mut beweisen.“ Wer am weitesten hineinlief, war der Held des Tages. Heute ist der Gang Arbeitsumgebung für Installateure, die an die Abwasserrohre gelangen möchten.

Geheimgang 

105 Jahre ist das Schulgebäude der Friedrich-Wilhelm- Schule (FWS) in der Eschweger Bahnhofstraße alt. Die Mauern des einzigen reinen Gymnasiums des Werra-Meißner-Kreises können von Erfolgsgeschichten genauso wie von Tragödien erzählen. Einige von ihnen wurden in der altehrwürdigen Aula aufgeführt. Hier führte hinter der Bühne eine Wendeltreppe durch eine Bodenluke ein Stockwerk tiefer, durch die die Schauspieler während der Aufführungen unbemerkt verschwinden konnten. Kostümwechsel, ein letzter Blick in den Text und zurück auf die Bühne, das war keine Seltenheit. Heute gibt es zwar noch eine Theater-AG, der Geheimgang wird allerdings kaum noch genutzt.

Empore 

Richtig gut frequentiert ist die Aula zur Einschulung an der FWS und zur Verabschiedung. Wenn über 300 Besucher in dem großen Saal sind,wird auch die Empore genutzt. Wer clever ist, geht gleich hoch. Denn dort wurden die alten Kinosessel aus dem ehemaligen Central-Lichtspiele (Celi) in der Eschweger Schillerstraße eingebaut, nachdem das Kino Anfang der 1960er-Jahre geschlossen wurde. „Bei älteren Eschwegern kommen da nostalgische Gefühle auf“, sagt Vock. Wobei viele ehemalige FWS-Schüler enttäuscht sind, wenn sie als Erwachsene in die Aula zurückkehren: Fast alle hatten den Versammlungsraum, der aufwendig restauriert wurde, größer in Erinnerung.

Archiv 

Interessant für Ehemalige ist sicherlich auch das Archiv im Keller der Schule. Hier lagern nicht nur tausende von Fotos, sondern auch die Klassenbücher seit den 1960er-Jahren. Vom Sitzplan über alle Noten der schriftlichen Arbeiten bis zu den Entschuldigungen und natürlich allen Einträgen ist hier alles archiviert. Um alle historischen Schätze kümmert sich Elmar Bode. Hier sind auch die Abiturarbeiten ab 1905 abgelegt, die teilweise in gebundenen Büchern vorliegen. Beendet wird Bodes Arbeit nie sein. Immer kommen neue Dokumente und Fotos hinzu. Selbst wenn sich der ehemalige FWS-Schüler Arbeit mit nach Hause nimmt.

Skikeller 

Ganz am Ende des riesigen Kellers gelangt man zum Skiraum der Schule. Hier lagern hunderte Paar Skier, Stöcke und Stiefel. Nicht die neuesten Modelle, aber gut gewartete Carving-Ski, mit denen man flink den Berg hinunterkommt. Denn: Seit 1990 bietet die FWS in der achten, früher in der neunten Klasse, eine Skifreizeit in den Alpen an. Die skifahrenden Lehrer der Schule bringen allen Schülern des Jahrgangs die Sportart bei und unternehmen Abfahrten mit denen, die es können. Größtenteils wird die Ausrüstung heute vor Ort ausgeliehen. Wer Bedarf hat, kann sich aber an die Schule wenden.

Türmchen 

Den besten Überblick hat man aus dem Türmchen über dem Dachboden. Auf der runden Aussichtsplattform kann man die gesamte Stadt überblicken. Ursprünglich wurde der höchste Punkt der Schule gebaut, um dort eine Sternwarte einzurichten. In den 1960er- Jahren waren hier die Funker der Schule wegen des guten Empfangs zu Hause. Mittlerweile werden weder das Türmchen noch der Dachboden über der Aula genutzt. Imposant ist aber die dortige Dachkonstruktion.

Blick hinter die Kulissen der FWS

Namensgeber 

Friedrich Wilhelm (1831-1888), Kronprinz zu Preußen, wurde im Oktober 1831, also noch zu Lebzeiten Goethes, mit dem seine Mutter eine ebenso umfangreiche wie geistvolle Korrespondenz führte, in Potsdam geboren. Das Verhängnis Friedrich Wilhelms war es jedoch, dass sein Vater Wilhelm I., der erste Kaiser des Deutschen Reiches, erst über 90-jährig verstarb und mit dem Sohn eine ganze Generation „übergangen“ wurde. Als er endlich im März 1888 auf den Thron kam, war es für ihn jedoch zu spät, denn er war bereits ein todkranker Mann, der - von einem tückischen Kehlkopfkrebs gezeichnet - so gut wie nichts mehr bewirken konnte. Nach einer Regierungszeit von nur 99 Tagen verstarb er noch im Juni 1888.

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