Kabarettist Jochen Malmsheimer im E-Werk

Meister der Sprachakrobatik

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Jochen Malsheimer redet sich im E-Werk in Extase.

Eschwege. Was kennzeichnest den Neandertaler? Laut Jochen Malmsheimer das völlige Fehlen elegant geschnittener Nachtwäsche.

Während das Weibchen am Feuer sitzt, gerbt das Männchen allein durch ausgiebiges Kauen einen Mantel aus einem Hirschbalg. Oder es sagt eloquentes wie: „Ermpftschnuggn trødå!“ In Malmsheimers Übersetzung: „Hinterm Staunen lauert die Frappanz.“

Im ausverkauften E-Werk in Eschwege las der Kabarettist zwei Stunden lang Geistreiches wie Schrulliges vom Blatt. Und das nicht nur zum frappanten Staunen des Publikums sondern vorwiegend zu seiner ausgelassenen Freude. Nicht ein tieferer Sinn steht bei seinem Vortrag - oder soll man sagen Hörspiel? - im Mittelpunkt, sondern die Freude an der Sprache.

Wortakrobat mit Bandwurmsätzen

Worte benutzt Malmsheimer als die Patronen eines verbalen Schnellfeuergewehrs. Er macht verspielte Bandwurmsätze, die für gewöhnlich als gestelzt angekreidet werden würden - oder die in Deutschlehrern das zwanghaft Bedürfnis entstehen ließen, massenweise das A für „Ausdruck“ an den Rand des Textes zu kritzeln. Bei ihm fließen diese Sätze so schnell vorbei, dass zum Nachdenken keine Zeit bleibt. Dabei malt der Wortakrobat, mit seiner ausufernden Sprache eindrucksvolle Bilder: „Ein obszön großer Reisebus mit Rentnererguß.“ Oder er lässt die nächtliche Diskussion der Karteikarten im Aktenschrank lebendig werden.

Am Ende gibt er philosophisches mit auf den Weg: „Wörter allein sind nur Geräusch. Nur gemeinsam werden sie zum Text.“ Oder: „Toleranz sollte groß geschrieben werden, und nicht nur, weil sie ein Substantiv ist.“

Von Kristin Weber

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