Bundestagskandidaten im Porträt

Michael Roth (SPD): "Es geht auch um Persönlichkeiten"

Ganz entspannt im Hier und Jetzt: Michael Roth beim Spaziergang mit Hund Sam auf dem Wendeberg. Foto: Michael Farkas/nh

Bad Hersfeld. Michael Roth ist entspannt. Gleich wird er mit Hund Sam eine Runde über den Wendeberg oberhalb des Hersfelder Klinikums drehen, und die etwas provokante Frage nach einem Plan B, falls es mit einer Regierungsbeteiligung der SPD nach der Wahl nichts mehr sein sollte, ist nicht dazu angetan, ihn aus der Ruhe zu bringen.

„In der Demokratie muss man sich immer darauf einstellen, dass es mit einem Regierungsamt von heute auf morgen vorbei sein kann“, sagt er ganz staatsmännisch und mit der ganzen Erfahrung aus 19 Jahren Abgeordnetendasein im Deutschen Bundestag.

Nicht nur irgendwie

„Ich gehöre ja schon zu den Dienstältesten,“ widerspricht er dem Bild, das man auch von ihm haben kann, wenn man den Mittvierziger schon länger kennt und ihn auf Dauer als jung geblieben abgespeichert hat. „In vielen europäischen Ländern ist der Wechsel auf der Tagesordnung“, berichtet er aus Erfahrung, denn als Staatsminister im Auswärtigen Amt hat er in Brüssel und auf seinen Reisen durch Europa schon viele Kollegen kommen und gehen und nur einige wenige bleiben sehen.

Der Plan B ist für Roth auch deshalb kein Thema, weil er „nicht irgendwie“ ein sechstes Mal in den Bundestag einziehen will, sondern wie bisher als Gewinner des Direktmandats. Das stehe für „meinen Erfolg und meine Unabhängigkeit“, sagt er und spricht von der Zugehörigkeit zu einem „kleinen Club“, weil seine Partei bei der letzten Wahl gerade mal 58 Wahlkreise für sich entscheiden konnte.

Kein Widerspruch

Bohrt man dennoch weiter nach, dann scheint sich beim Berufspolitiker Roth eine gewisse Ambivalenz zu offenbaren. Auf der einen Seite sagt er ganz direkt, dass man sein Herz nicht an die Aufgabe verlieren dürfe. Gemeint ist damit der Fall, dass die SPD nach der Wahl keine Regierungsverantwortung und Roth kein Amt mehr hat. Roth sagt weiter: „Es braucht immer eine gewisse Distanz. Aber natürlich wäre ich traurig, wenn ich das nicht fortsetzen kann.“

Hier zeigt sich dann, dass es doch keinen Widerspruch gibt, denn der Abgeordnete trennt den speziellen Auftrag vom Mandat. „Man hat nicht nur einen Schreibtisch in Berlin, sondern eine Basis, von der man startet.“ Und noch deutlicher: „Hier im Wahlkreis sind meine Wurzeln. Wenn man versucht mich kennenzulernen, gelingt das nicht nur in Berlin.“ Dort sei er „auf Montage“.

Gleichwohl bezeichnet er den Spagat zwischen der großen Politik in der Hauptstadt und den Themen daheim als „nicht ganz einfach“. Allerdings seien die Tragödien der Welt in der letzten Zeit „nahe an uns herangetreten“. Dass Terror und politischer Unfrieden den Alltag durchdringen, das sei etwas Neues.

Im Wahlkampf bedeutet das allerdings, dass Roth mit einfachen Antworten nicht dienen kann. „Das wird dann schon etwas kompliziert mit mir“, beschreibt er die Gespräche an den Infoständen. Auch hat er von dort mitgenommen, dass die Leute von ihren gewählten Vertretern mehr erwarten als gegenwärtig geliefert wird. Und noch eine Erkenntnis, die ihn dann wieder zuversichtlich stimmt: „Es geht bei dieser Wahl auch um Persönlichkeiten, und nicht nur um abstrakte Programme.“

Dann aber ist es endlich Zeit für Sam und sein Herrchen für den Spaziergang ins Grüne. Immer noch ganz entspannt.

Zur Person 

MICHAEL ROTH (47) ist seit Dezember 2013 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Er stammt aus Heringen, wo er 1990 sein Abitur machte. Seit 1987 ist Mitglied der SPD. Seit der Bundestagswahl 1998 vertritt der Diplom-Politologe den Wahlkreis Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner im Bundestag. 2009 bis 2014 war er Generalsekretär der SPD Hessen. Roth ist mit seinem Lebenspartner verheiratet und lebt in Bad Hersfeld und Berlin. (mcj)

Roths Ziele für die Region

• Auch bei uns: Demokratinnen und Demokraten aller Parteien vereint gegen Rassismus und Populismus. Keine Chance für Lügen, Hass und Hetze. • Unsere Region in der Mitte Deutschlands und Europas soll bundesweit Vorbild in Sachen bester Bildung werden. Und das unabhängig von der Dicke des Geldbeutels der Eltern. • Die medizinische und pflegerische Versorgung darf nicht nur in großen Städten gut funktionieren. Auch auf dem Land müssen Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen nah an der eigenen Haustür verfügbar sein. • Schnelles Internet, überall. Privat und beruflich geht es nicht mehr ohne. • Mehr Investitionen in Schiene und Straße: Gerade in unserer Heimat mit vielen Pendlerinnen und Pendlern brauchen wir eine moderne Infrastruktur. Und besseren Lärmschutz entlang der Bahnschienen. miro.hessenspd.net

Zehn kurze Fragen an Roth 

Alpen, Rock und Kochkäse

1. Jeans oder Stoffhose? Es muss passen. Sicher auf jedem Parkett eben ;-) 

2. Meer oder Berge? Berge. Die Alpenüberquerung in diesem Sommer war ein Erlebnis!

3. Facebook oder Twitter? Beides. Und immer direkt erreichbar! 

4. Bier oder Wein? Eher Wein. Und viel stilles Wasser. 

5. Fußball oder Formel 1? Weder noch. 

6. Hotel oder Zelt? Definitiv Hotel. 

7. Mercedes oder BMW? Am liebsten E-Bike. 8. Rock oder Pop? Rock. 

9. Ahle Wurscht oder Weckewerk? Kochkäse. 

10. Aufzug oder Treppe? (Fast) immer Treppe.

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