Liebe unter freiem Himmel

Mini-Open-Air des Kultursommers mit Sky du Mont und Sjaella

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Brilliert mit charakteristisch sonorer Stimme: Schauspieler Sky du Mont. Im Hintergrund eine der sechs Sängerinnen der Leipziger Formation Sjaella.

Gleich zwei Vorstellungen gaben die Künstler ky du Mont und Sjaella am Samstagabend in Eschwege, ausgefeilt organisiert vom Kultursommer Nordhessen.

In den hohen Bäumen gurrten die Tauben, zwischen den Lagerhallen und Produktionsgebäuden des Saatgutherstellers Suet in Eschwege hallten die Stimmen von sechs Sängerinnen leicht nach, somit trug das Gelände zum Akustik-Erlebnis bei. Etwa 50 Zuschauer durften sich vor der überdachten Zeltbühne versammeln – in wohlbedachtem Abstand – und lauschten den Vokal-Akrobatinnen von Sjaella aus Leipzig im Wechsel mit dem Schauspieler Sky du Mont und seiner sonoren Sprechstimme.

Gleich zwei Vorstellungen gaben die Künstler an diesem Abend, ausgefeilt organisiert vom Kultursommer Nordhessen. Kein Wunder. Nach Monaten der Entbehrung hungern die Kulturliebhaber nach der schön dargebrachten Nahrung für Geist und Seele, während die Künstler die Anwesenheit des Publikums und den Applaus ebenso sehr aufsaugen wie die Pflanzen das endlich fließende Regenwasser.

Sehnsucht nach Kultur stillen 

Der Kultursommer Nordhessen macht vor, wie man diese Sehnsucht nach Kultur auch in der Pandemie und auch jenseits des Autokinos stillen kann – und zwar sicher und unter Beachtung des Gesundheitsschutzes. Dabei ist die Lösung ganz einfach: Jeder Zuschauer bringt seinen Klappstuhl mit und alle setzen sich mit ausreichend Abstand unter freiem Himmel hin.

Auf dem Suet-Gelände sang dazu das A-cappella-Sextett Sjaella über die Liebe. Mit ihren Interpretationen geistlicher Musik oder nordischer Folklore erschaffen die Sängerinnen aus Leipzig in kirchlich-monumentalen Spielorten Klangräume. Nach Eschwege unters Zeltdach hatten sie einige eher zurückgenommene Stücke mitgebracht, wie etwa verspielte Barockmusik von Henry Lawes („Have you e’er seen the morning sun?“) und Henry Purcell, verkopft-spröde Jazz-Interpretationen für den anspruchsvollen Zuhörer, oder eingängige Pop-Songs von Stevie Wonder („I just called to say I love you“), der sie ihre eigene Farbe verliehen.

Sehnsucht einer Frau nach ihrem Geliebten

Mit dem rhythmisch vorgetragenen finnischen Folkstück „Kuulin Äänen“ entfalteten sie den wunderbaren Klang, auf den die Zuhörer gewartet hatten, und sangen auf typisch nordische Art von der Sehnsucht einer Frau nach ihrem Geliebten. Zwischen den Songs streute Sky du Mont kurze Texte und Gedichte von Clemens Brentano oder Joachim Ringelnatz ein. Auch diese berichteten mal nachdenklich oder auch witzig von den Wirrungen der Liebe. So bezirzte die Zauberin Loreley den Bischoff, die glänzende Schraube den rostigen Nagel, während die Meereswogen den Namen im weißen Sand wegwuschen. Aber wenn Sky du Mont spricht, ist es eigentlich egal, was er liest, die Zuhörer genießen den Wohlklang seiner Stimme mit sanft rollendem „R“.

Zum Schluss trumpfte auch er noch einmal auf, und zwar mit einem Text von Mark Twain, mit dem er den Zuhörern Einblicke in die Tagebucheinträge von Adam und Eva gab. Und auch sie werben umeinander. Das zeitlos Lustige daran: Die ewigen Missverständnisse zwischen Mann und Frau, offenbar sind sie nicht erschaffen, um sich zu verstehen, und trotzdem lieben sie sich.

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