Viele Altfälle am Landgericht Kassel – Kein Problem in Eschwege

Missbrauch: Opfer warten Jahre auf Prozess

+

Kassel/Eschwege. Rund 125 Altfälle haben sich bis Ende 2014 am Landgericht Kassel angesammelt. Lange Verfahrensdauern insbesondere in Fällen von sexuellem Missbrauch kritisiert Oberstaatsanwältin Andrea Boesken in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied der Kasseler Opferhilfe.

Am Amtsgericht in Eschwege gebe es keine Probleme, betont Richter Dr. Alexander Wachter: „Wir arbeiten unsere Fälle zügig ab.“

„Die lange Zeit ist auf den Abbau von Richterstellen zurückzuführen“, sagte Jürgen Dreyer, Vorsitzender Richter am Landgericht Kassel, kürzlich bei einer Urteilsbegründung. Die Arbeit müsse von immer weniger Richtern bewältigt werden.“ Das sei eine höchst unzufriedene Situation, die sich noch verschärfen werde.

Darüber hinaus will Dreyer öffentlich nichts zu der Stellensituation am Landgericht sagen. Nur soviel: Als er 1989 dort als Richter anfing, habe es 43,5 Richterstellen gegeben. Mittlerweile sind es nur noch 36 Stellen. Nach Angaben von Albrecht Simon, Präsident des Landgerichts, habe das Land von 2014 auf 2015 eineinhalb Stellen abgebaut. Es könne durchaus sein, dass aus Kostengründen eine weitere Stelle abgezogen werde.

 Er räumt ein, dass die liegengebliebenen Altfälle bis Ende 2014 auf 125 angestiegen seien. Da man diese Entwicklung „mit Sorge“ betrachte, habe man im Juni eine Hilfsstrafkammer eingerichtet, die sich nur um Altfälle kümmere. Auch am Amtsgericht in Eschwege wurden laut Wachter in den vergangenen Jahren „massiv Stellen abgebaut“. Es sei gängige Praxis, dass aus Kostengründen Stellen nicht wieder neu besetzt würden.

Problematisch sei dies, da am Amtsgericht besonders viele Mitarbeiter in den Ruhestand gewechselt seien. „Glücklicherweise wurde an den Richterstellen bislang noch nicht gerüttelt“, sagt er. Derzeit arbeiten zehn Richter am Amtsgericht in Eschwege.

Von Ulrike Pflüger-Scherb und Diana Rissmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare