Denn zum Küssen sind sie da: Misteln gedeihen in milden Wintern in Flusstälern besonders gut

Küssen unter in Wohnungen aufgehängten Mistelzweigen gehört zu den Weihnachtsbräuchen in den USA und England. Der Ursprung des Brauchs ist nicht bekannt.

Das Vorkommen von Misteln hat sich in den vergangenen 25 Jahren stark erhöht. Das bestätigt der Kreisvorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) Wolfram Brauneis auf Anfrage unserer Zeitung. Brauneis macht die Klimaerwärmung für diesen Prozess verantwortlich. „Misteln mögen milde Winter“, sagt Brauneis. Besonders in Flussauen wie an der Werra sind sie in diesen Tagen in den laublosen Bäumen zu entdecken.

Verbreitung

Neben dem Anspruch an bestimmte Bäume ist die Mistel auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Sie kommt daher in Flusstälern und an Auen verstärkt vor. Sie bevorzugt geschützte Lagen. An ihren Vorkommen bildet sie oft größere Bestände auf einem oder mehreren Bäumen aus. Gelegentlich können Misteln – z.B. in Flusstälern – lokal gehäuft vorkommen und viele Bäume verletzen. Den stark betroffenen Bäume zwischen Aue und Frieda bereiten die Misteln keine Probleme.

Eigenschaften

Die Mistel wächst nur auf Bäumen und nicht auf der Erde. Bevorzugte Wirtspflanzen sind Pappeln oder Linden. Sie besitzt keine Wurzeln, sondern nur eine Art Anker, der sich in die Wirtspflanze bohrt. Als Halbschmarotzer entzieht sie ihm so Wasser, Mineralien und Nährstoffe, erzeugt mit ihren grünen Blättern eigene Nährstoffe. Die Pflanze ist immergrün und blüht auch im Winter.

Heilpflanze

Die Mistel spielt laut Natur-Lexikon vor allem in der Krebstherapie eine wichtige Rolle – auch wenn sie immer noch kontrovers diskutiert wird.

Etwa 40 bis 50 Prozent der Krebspatienten erhalten heute eine komplementäre Misteltherapie. Meist wird sie begleitend zu einer konventionellen Therapie wie Chemotherapie, Strahlentherapie oder Operation eingesetzt.

Rechtliches

Die Mistel ist laut Bundesartenschutz-Verordnung nicht besonders geschützt. Sie darf geerntet werden.

„Werden nur geringfügige Mengen gesammelt, bestehen aus naturschutzrechtlicher Sicht keine Bedenken“, sagt Kreis-Sprecherin Sylvia Weinert. Für den gewerbsmäßigen Verkauf braucht man eine Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde.

Zwei Faktoren muss man aber im Umgang mit Misteln beachten: 1. Schneidet man die Misteln auf fremden Grundstücken, ist es Diebstahl. 2. Man darf den Baum beim Abschneiden nicht verletzen.

Rubriklistenbild: © obs

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare