Mit Leidenschaft: Edmund Rohrbeck ist seit 15 Jahren der Dietemann

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Der Dietemann in Aktion: Eigentlich steigt der Dietemann nur einmal im Jahr zum Johannisfest von seinem Turm im Landgrafenschloss. Für das Open-Flair-Festival macht Edmund Rohrbeck, der die Symbolfigur verkörpert, auch im August eine Ausnahme. Dann erklingt sein Dietemannslied auch als E-Gitarren-Version.

Eschwege. Seit 15 Jahren verkörpert Edmund Rohrbeck die Symbolfigur der Eschweger: den Dietemann. Diese ehrenamtliche Aufgabe erfüllt ihn mit großem Stolz. 

„Ich kann gar nicht verstehen, dass sich keiner findet, obwohl alle so gerne Johannisfest feiern und mit Herz und Seele Eschweger sind“, mit diesem Satz begann vor 15 Jahren alles für Edmund Rohrbeck. Heute ist der 68-Jährige ein bekanntes Gesicht in Eschwege, denn er repräsentiert die Stadt als Dietemann, läuft dem Johannisfestzug gemeinsam mit den Biedermeiermädchen voraus und nimmt Termine in den Partnerstädten wahr.

An seinen ersten Auftritt erinnert sich Rohrbeck noch genau: Im Jahr 2003 wurde das Glockenspiel am Rathaus eingeweiht und er vertrat den damaligen Dietemann Wolf Dieter Jähnchen. Zu diesem Zeitpunkt habe er noch nicht geahnt, dass er bald der richtige Dietemann werden würde, erzählt der Eschweger. Besonders die Jugendlichen an der Straße seien skeptisch gewesen, ein neues Gesicht in der Robe des Nachtwächters zu sehen. Heute ist das ganz anders, denn nach einer so langen Zeit im Amt kennt jeder Eschweger Rohrbeck. „Ich finde es toll, vor allem von den Kindern erkannt zu werden“, freut er sich. „Guck mal, das ist doch der Dietemann, heißt es dann oft.“

Im vorigen Jahr standen neben dem Eschweger Johannisfest auch der Hessentag, die Märchenwoche in Bad Sooden-Allendorf und ein Festakt in der Partnerstadt Regen auf dem Terminplan. Im November des vergangenen Jahres traf er sogar als Dietemann in Wiesbaden auf den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Ursprünglich lernte Rohrbeck den Beruf des Elektroinstallateurs bei der Firma Grüning, dann verschlug es ihn zu ortsansässigen Firmen wie Sahm und Präwema, bevor er mit Mitte 40 Hausmeister für die Stadthalle wurde. Zuletzt arbeitete er vor seinem Ruhestand als Elektriker im Klärwerk. Neben seiner Begeisterung für das Amt des Dietemannes war Rohrbeck 36 Jahre lang in der Judo-Abteilung des ETSV und wurde in seiner Klasse zweimal Hessenmeister. Seine zwei Oldtimer-Motorräder sind ebenfalls ein Hobby des Eschwegers, der neben seinem Garten auch das Kochen liebt.

Auch nach einer so langen Zeit bleibt die Nervosität vor dem Johannisfest. Die wird aber schnell abgelegt, wenn die erste Fanfare erklingt. Das ist für Rohrbeck jedes Mal ein besonderer und emotionaler Moment, erklärt er begeistert. Und bei einer Sache ist sich Rohrbeck sicher: „Solange der Dietemann da ist, kann Eschwege nichts passieren!“ 

Warum heißt er Dietemann?

Der Dietemann ist die Symbolfigur der Kreisstadt Eschwege. Die Bewohner von Eschwege werden im Volksmund Dietemänner genannt. Eine mögliche Erklärung für die Herkunft des Namens ist das Rittergeschlecht der Diede zum Fürstenstein, die von der Burg Fürstenstein aus die Salzstraße zwischen Bad Sooden-Allendorf und Eschwege bewachten und deren Mannen zum Teil in Eschwege wohnten. Die Kunstfigur des Dietemann stellt einen mit blauem Beinkleid, weißem Wams und roter Jacke bekleideten Turmwächter mit Hellebarde, Laterne und Horn dar. Das Wahrzeichen Eschweges bläst tagsüber zu jeder vollen Stunde vom Turm des Landgrafenschlosses, von wo er die Stadt bewacht. Zum Johannisfest steigt er von seinem Turm. 

Von Selina Kaiser

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