Kostenexplosion bei Sammlung und Entsorgung

Müllpreise im Werra-Meißner-Kreis steigen ab 2021 um mehr als 20 Prozent

Ein oranges Müllauto parkt neben einem Berg Sperrmüll, der am Straßenrand liegt.
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Sperrmüllabfuhr wird ab 2021 30 Euro pro Abholung kosten.

Mit dem neuen Jahre werden im Werra-Meißner-Kreis die Müllentsorgungspreise kräftig ansteigen. Der Abfallzweckverband, dem 13 Kommunen im Kreis außer der Städte Witzenhausen, Sontra und Eschwege angehören, hatte die Erhöhung nach der Neuausschreibung der Entsorgung angekündigt.

Werra-Meißner – Die Müllgebühren werden ab Januar kommenden Jahres in den Städten und Gemeinden des Werra-Meißner-Kreises um durchschnittlich 21 Prozent ansteigen. Eine entsprechende Erhöhung hat die Verbandsversammlung des Abfallzweckverbandes jetzt zunächst für ein Jahr beschlossen. Dem Verband gehören alle Kommunen außer der Städte Eschwege, Witzenhausen und Sontra an, die über eine Erhöhung noch beraten.

Die Erhöhung um 21 Prozent geht von einem durchschnittlichen Haushalt aus, der je eine 120-Liter-Tonne für Rest- und für Biomüll besitzt. Sowohl Grundgebühr als auch Kosten für die einzelnen Leerungen steigen an.

Sperrmüll kostet künftig 30 Euro Anmeldegebühr

Komplett neu regelt der Abfallzweckverband ab kommendem Jahr die Entsorgung von Sperrmüll, da in diesem Sektor die Kosten in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen seien, so Lothar Nöding als Mitglied der Verbandsversammlung.

Wer künftig seinen Sperrmüll abholen lassen will, muss dafür eine sogenannte Anmeldegebühr in Höhe von 30 Euro entrichten, wie es beispielsweise die Stadt Witzenhausen seit einigen Jahren praktiziert. Diese Summe gilt für zwei Kubikmeter Sperrmüll. Dass damit erneut eine Zunahme von wilden Müllablagerungen einhergeht, befürchtet Verbandschef Friedhelm Junghans nicht. „Aber wir schaffen damit eine Gebührengerechtigkeit für die Bürger.“

Nach Angaben des Verbandes belaufen sich die Kosten der Sperrmülleinsammlung- und Entsorgung auf 20 Prozent der Gesamtkosten. Bisher wurde die kostenlose Sperrmüllentsorgung über die Grundgebühr der Restmüllbehälter eingerechnet. Nach Schätzung des Verbandes werde die Sperrmüllentsorgung nur von etwa der Hälfte der Gebührenpflichtigen genutzt, während alle zahlen müssen.

Gebührengerechtigkeit herstellen

„Die pauschale Abrechnung widerspricht dem Grundsatz der Gebührengerechtigkeit“, so Nöding. Hätte der Verband sich weiter für das bisher praktizierte Modell entschieden, wären die gesamten Müllgebühren für alle Gebührenpflichtigen statt um 21 Prozent, sogar um 37,5 Prozent gestiegen.

Hintergrund: Abfallzweckverband und Landkreis

Unter dem Dach des Abfallzweckverbandes im Werra-Meißner-Kreis organisieren sich 13 Kommunen aus dem Kreis. Nicht vertreten sind dort die Städte Eschwege, Witzenhausen und Sontra. Der Abfallzweckverband organisiert das Einsammeln von Rest- und Biomüll sowie von Altpapier. Allein dem Zweckverband sind 20 000 Gebührenzahler angeschlossen. Dem Landkreis obliegt hingegen die Entsorgung und Verwertung des Mülls. 

FRAGEN UND ANTWORTEN ZU MÜLLPREISERHÖHUNG

Nachdem seit 2011 die Gebühren für die Abfallentsorgung im Kreis mehrfach gesenkt worden sind, steht jetzt eine drastische Erhöhung für die Gebührenzahler an. Wir erklären, was das exakt in Zahlen bedeutet und welche Gründe die Teuerung hat.

Was kommt auf die einzelnen Gebührenzahler für den Restmüll konkret zu?

Die Grundgebühr bei der 120- Liter-Restmülltonne steigt auf 66 Euro (+8,40 Euro). Pro Leerung werden 5,35 Euro fällig (+0,20 Euro). Bei der 240-Liter-Restmülltonne steigt die Jahresgrundgebühr auf 132 Euro (+16,80 Euro), die Leerung auf 10,70 Euro (+0,40 Euro). Bei den gerade bei Mehrfamilienwohnanlagen genutzten 1100-Liter-Restmüllbehältern steigt die Grundgebühr auf 528 Euro (+76,80 Euro).

Wie sieht die Teuerung für den Biomüll aus?

Die Grundgebühr der 120-Liter-Biotonne kostet künftig 22,80 Euro im Jahr (+5,40 Euro). Jede Leerung kostet 3,65 Euro (+1,05 Euro). Bei der 240-Liter-Biotonne beträgt die neue Grundgebühr 45,60 Euro (+10,80 Euro), die Leerungsgebühr 7,30 Euro (+ 2,10 Euro).

Warum wird der Biomüll teurer, wo er doch eigentlich Rohstoffe liefert?

Neben der teurer gewordenen Einsammlung finden sich im Biomüll zu viele sogenannte Störstoffe, die teuer aussortiert und extra entsorgt werden müssen. Daher werden die neuen Müllfahrzeuge ab kommenden Jahr auch mit Störstoffdetektoren, sogenannten Müll-Sheriffs, ausgestattet werden, mit denen jede Tonne vor der Leerung überprüft wird.

Um wie viel teurer wird die Müllgebühr zusammen?

Bei einem Haushalt mit je einer 120-Liter-Restmüll- und Biotonne wird die jährliche Gesamtgebühr einschließlich der Mindestleerungen auf 154 Euro (+27,20 Euro) oder circa 21 Prozent steigen. Ohne die Sperrmüllgebühr würde die Erhöhung um 47,60 Euro im Jahr auf 174,40 Euro ansteigen und circa 37,5 Prozent betragen.

Was sind die Gründe für die Erhöhung?

Der Abfallzweckverband des Kreises musste die Einsammlung des Mülls für die kommenden sechs Jahre neu ausschreiben, weil der Vertrag mit dem bisherigen Entsorger, der Firma Fehr, zum Ende des Jahres ausläuft. Die Ausschreibung ergab Mehrkosten von 600 000 Euro. Eine vergleichbar hohe Summe kostet ab 2021 auch die Verwertung des Mülls, die vom Landkreis organisiert wird – zusammen mehr als eine Million Euro. Die werden auf die Gebühren umgelegt.

Was spielt noch eine Rolle bei der Erhöhung?

Nach Angaben von Verbandschef Friedhelm Junghans seien die Erlöse für Altpapier, womit der Verband früher viel Geld verdient habe, stark gesunken. „Das Einsammeln kostet mehr, als wir einnehmen.“ Hohe Kosten für Sammeln und Entsorgen greifen auch beim Sperrmüll. Bisher kostete das 240 Euro, ab 2021 sind es 350 Euro.

Hat der Gebührenzahler Sparmöglichkeiten?

Bei den Grundgebühren nicht. Aber beispielsweise Sperrmüll kann auch direkt bei der Deponie in Meißner-Weidenhausen angeliefert werden, wo die Abnahme künftig günstiger sein wird als die Abholung vor der Haustür. Dort werden für 200 Kilo Sperrmüll 15 Euro fällig. Außerdem hofft der Verband, dass mehr Dinge im Second-Hand landen.

Von Stefanie Salzmann

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