Rohes Fleisch birgt Risiko für Menschen mit Immunschwäche

Multiresistente Keime können in Mett lauern

Werra-Meißner. Multiresistente Keime in der Tierhaltung sind nicht ungewöhnlich. Das bestätigt Dr. Eckhard Schinkel, Amtstierarzt und Leiter des Veterinäramtes des Werra-Meißner-Kreises.

Grundsätzlich bestehe aber kein Grund zur Panik. Ob multiresistente Keime eine Gefahr für Menschen und Tiere darstellten, hänge von den jeweiligen Umständen ab. „Das Risiko, sich über die Nahrung zu infizieren, ist eher gering“, sagt Schinkel. Etwa 30 Prozent aller Menschen würden multiresistente Keime im Nasen- und Rachenraum tragen – ohne daran zu erkranken. Gefährlich seien die Keime für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Schinkel rät Risikogruppen wie älteren Menschen, Immungeschwächten und Schwangeren vom Verzehr rohen Fleisches ab.

Ein ernstzunehmendes Problem sei die Ansteckungsgefahr in Krankenhäusern. Hier würden sich die meisten Menschen infizieren. Grund sei der viel zu hohe Antibiotikaverbrauch sowohl beim Menschen als auch in der Tierhaltung. Dabei könne die Gefahr durch bessere Haltungsbedingungen und Impfungen reduziert werden. „Ein großes Problem ist auch, dass Antibiotika nicht konsequent angewendet werden. Dadurch werden resistente Keime regelrecht herangezüchtet“, sagt Schinkel. Ob ein Viehbestand von multiresistenten Keimen betroffen ist, spielt bei der Fleischbeschau und der Zulassung des Fleisches zur Weiterverarbeitung und zum Verzehr keine Rolle. Infizierte Tiere können normal geschlachtet und das Fleisch verarbeitet werden. Zudem könne Fleisch auch nach der Schlachtung infiziert werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin (BfR) meint dazu: „Mettwurst ist in jedem Fall ein Problem.“ Auch andere Wurstspezialitäten aus nicht gekochtem Fleisch bergen Risiken. Allerdings gelte diese Warnung nicht nur wegen MRSA, sondern auch wegen des Risikos, sich beim Verzehr etwa mit Salmonellen zu infizieren. (ows/alh)

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