Die Musik zündete nicht

Kritik: Das Phantom der Oper in der Eschweger Stadthalle

Eschwege. Es wurde seit Monaten in der Stadt plakatiert: mit Erfolg. Trotz gesalzener Eintrittspreise war die Stadthalle in Eschwege am Samstag sehr stark besucht. Klar, dass der Name „Phantom der Oper“ eine große Anziehungskraft hat.

Das Phantom der Oper in der Eschweger Stadthalle

Nur, dass das Ganze einen Haken hatte: Nicht das berühmte Musical von Andrew Lloyd Webber wurde gezeigt, sondern ein „Musical in 16 Bildern nach dem Roman von Gaston Leroux“ von Arndt Gerber (Musik) und Paul Wilhelm (Text).

Nun: „Das Phantom der Oper“ ist ein alter Roman, der Name nicht geschützt, sodass ihn jedermann benutzen darf. So weit, so gut. Aber man hat den Eindruck, dass die „Central Musical Company“, die das Stück produziert und vermarktet, mit der „Lloyd-Erwartung“ der Zuschauer spekuliert hat.

Und so wurden die Zuschauer mit einem Stück konfrontiert, das zwar der Romanvorlage einigermaßen treu blieb – aber natürlich keinem Vergleich mit dem „echten“ Phantom standhält. Aber das hiesige Publikum war geduldig und höflich, so gut wie niemand verließ die Stadthalle in der Pause. Und, wenn auch sehr verhalten, wurde nach mancher Gesangnummer freundlich-höflich applaudiert.

Wobei eher von einem „Singspiel“ die Rede sein kann als von einem richtigen Musical: Die erste Gesangnummer ließ lange auf sich warten und bis zur Pause folgten nur wenige. Im zweiten Teil wurde etwas öfter gesungen, aber richtig zündend wurde die Musik nie, die live von einem etwa 15-köpfigen Orchester gespielt wurde, das seine Sache routiniert machte.

Das Bühnenbild fiel bescheiden aus: mit einigen Requisiten, die bei jedem Bild bei offener Bühne sehr schnell und geschickt hineingetragen oder entfernt wurden, und mit Projektionen von verschiedenen Veduten der alten Pariser Garnier-Oper, wo die wohl bekannte Handlung spielte, mit dem Phantom (Robert Putzinger), der Sängerin Christine (Stefanie Wesser), der exaltierten, schwer chargierenden Primadonna Carlotta (Barbara Freitag) und den vielen anderen. Sehr gut spielte Jens Borgner, der als Bühnenpförtner eine feine darstellerische Leistung bot.

Die Gesangleistungen ließen sich hören: der Bariton des Phantoms, der etwas forzierte Sopran von Christine, der Tenor von Daniel-Erik Biel, der Christines adligen Freund Raoul verkörperte.

Und dann gab es ein Mini-Corps de Ballet, vier Tänzerinnen, die aus einer uninspirierten Choreografie das Beste machten und einige optische Glanzlichter setzten – an einem Abend, der sonst mit langen Dialogen und wenigen Höhepunkten aufwartete.

Von Francisco Pujiula

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