Mut ansingen

Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“ in Eschwege

Gut besucht: Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Freiluft-Gottesdienst des Kirchenkreises Werra-Meißner im Rahmen des Programms „Sommer auf dem Werdchen“.
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Gut besucht: Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Freiluft-Gottesdienst des Kirchenkreises Werra-Meißner im Rahmen des Programms „Sommer auf dem Werdchen“.

Rund 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen und kamen in den Baumkreis auf dem Werdchen.

Eschwege – „Singen macht etwas mit der Seele“, sagte Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, beim musikalischen Freiluft-Gottesdienst auf dem Werdchen in Eschwege. „Singen bringt die Seele zum Klingen und zum Schwingen.“ Während der vergangenen 15 Monate war der Gemeindegesang in den Gottesdiensten aufgrund der Hygieneregeln nicht möglich.

„Er setzt die Erinnerung dagegen, an das, was aufrichtet, an die Kraft, die ihn das Schwierige aushalten lässt. Er singt sich Mut an.

Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

„In den vergangenen Monaten mussten wir leiser werden, sind manchmal sogar ganz verstummt“, sagte Ulrike Laakmann, Dekanin des Kirchenkreises Werra-Meißner. Verstummt war auch das Kirchenkreismusikfest, mit dem im Sommer 2020 eigentlich die gelungene Fusion der beiden Kirchenkreise gefeiert werden sollte.

Aufgrund der ersten Lockerungen konnten die Menschen in diesem musikalischen Gottesdienst auch wieder ihre Stimmen erheben – wenn auch erst mal nur hinter der Maske. Rund 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen und kamen in den Baumkreis auf dem Werdchen.

Gemischte Sänger- und Bläser-Ensembles des Kirchenkreises luden dazu ein, in die Melodien mit einzustimmen, etwa den Psalm 98, in dem es heißt: „Singet dem Herrn ein neues Lied.“ Die Leitung hatten dabei Kirchenmusikdirektorin Susanne Voss, Bezirkskantor Christopher Weik und Spezialkantor Andreas Batram, Kantorin Andrea Groß und Landesposaunenwart Andreas Jahn. Die Dekanin, der stellvertretende Dekan Ralph Beyer und Prädikant Harald Nolte eröffneten den Gottesdienst.

Im Zentrum stand schließlich ein Lied von Paul Gerhardt „Du meine Seele singe“, welches dieser 1653 geschrieben hatte, mitten im Dreißigjährigen Krieg. Dieses thematisierte die Bischöfin schließlich in ihrer Predigt. Das hebräische Wort Seele bedeute Hauch oder Atem. Beides brauche man zum Singen und um damit Gott zu loben. „

Bischöfin Dr. Beate Hofmann sprach in der Predigt über die Bedeutung des Gesangs als Mutmacher und als Nahrung der Seele in schweren Zeiten.

Doch monatelang waren wir atemlos“, sagte sie. „Kindern sagte man sogar, Singen sei gefährlich. Aber nicht zu singen, das geht nicht in der Bibel.“ Viele Menschen hätten während der Pandemie ihre Freude verloren, manche Familien habe die Covid-19-Krankheit schwer getroffen. Welchen Grund hätten diese auch haben sollen, mit voller Seele zu singen?

Welchen Grund hatte Paul Gerhardt, als Europa im Dreißigjährigen Krieg unter Gewalt, Hunger und verheerenden Pestausbrüchen gelitten habe? Gerhardt verlor seine Ehefrau und vier Kinder. Dennoch schrieb er dieses Lied.

„Paul Gerhardt hat ein Gegenbild geschaffen: Er singt von dem Gott, der gut für die Menschen sorgt“, sagte die Bischöfin. „Er setzt die Erinnerung dagegen, an das, was aufrichtet, an die Kraft, die ihn das Schwierige aushalten lässt. Er singt sich Mut an!“

Eschwege: Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“

Eschwege: Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“
Eschwege: Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“
Eschwege: Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“
Eschwege: Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“
Eschwege: Musikalischer Festgottesdienst bei „Sommer auf dem Werdchen“

Ebenso rief die Bischöfin dazu auf, sich in schweren Zeiten als geistliche Übung jeden Tag drei Dinge zu suchen, für die man Gott loben könne. So könnten einen ein Lied oder ein Psalm durch die schweren Zeiten tragen, sie seien Krisenfutter für die Seele und kostenlose Medizin – für alle Menschen.

In der Fürbitte bat Dekanin Laakmann unter anderem, für all die zu beten, die während der Pandemie verstummt sind oder die sich noch nicht wieder trauen, zu singen. Der Gottesdienst wurde vom Medienwerk aufgezeichnet und wird ab nächstem Samstag auf dem You Tube-Kanal des Kirchenkreises ausgestrahlt. Die Kollekte kommt der kirchenmusikalischen Arbeit im Kirchenkreis zugute.

Von Kristin Weber

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