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Nach 63 Jahren ist Schluss: Hausfrauenverband Eschwege steht vor Auflösung

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Gemeinsame Kegelabende werden nach der Auflösung des Hausfrauenverbands wohl seltener stattfinden: (von links) Helga Braunroth, Edda Gross, Brigitte Wolf, Eva Vogler, Ilse Becker, Lore Ahrens und Anneliese Reimann.

Eschwege. Nach 63 Jahren steht der Eschweger Hausfrauenverband vor seiner Auflösung. Darüber entschieden wird am Dienstag auf der Mitgliederversammlung in der Stadthalle.

 „Wir bedauern diesen Schnitt sehr, aber sehen uns aus Mangel an neuen Vorstandsmitgliedern zu diesem Schritt gezwungen“, so die erste Vorsitzende Helga Braunroth. Bereits auf der 60-Jahr-Feier vor drei Jahren war der fehlende Vereinsnachwuchs ein Thema, mittlerweile liegt der Altersdurchschnitt aller Mitglieder bei 75,9 Jahren.

Da das Problem der Überalterung nicht gelöst werden konnte und der aktuelle Vorstand aus alters- und gesundheitlichen Gründen abtreten wird, deutet alles auf die Aufhebung des Vereines hin. „Die Interessen junger Frauen haben sich heutzutage einfach verschoben und wir akzeptieren das auch“, so die zweite Vorsitzende Brigitte Wolf.

Zu seiner Blütezeit in den 70er- und 90er-Jahren hatte der Hausfrauenverband rund 220 Mitglieder. Da in den letzten Jahren viele Vereinsangehörige verstorben oder in verschiedene Senioreneinrichtungen in der Kreisstadt gezogen sind, beträgt die Mitgliederzahl heute allerdings nur noch 76. Verdient gemacht hat sich der Verein in Eschwege und seiner Umgebung durch sein jahrzehntelanges soziales Engagement. 

So wurden auf Basaren und Modenschauen Spenden gesammelt, die unter anderem sozialen Einrichtungen wie den Werraland Werkstätten zugute kamen. Regelmäßig besuchten die Vereinsmitglieder die örtlichen Seniorenheime, überbrachten den Bewohnern Kaffee und Kuchen und stellten Spielfilme vor. Darüber hinaus veranstalteten die Hausfrauen Aktionen für Kinder, wie zum Beispiel Feste, Fahrradtouren, Tagesfahrten und Wanderungen.

Das Miteinander wurde gelebt

Neben den sozialen Tätigkeiten stand das Miteinander im Vereinsleben stets im Mittelpunkt. Ausfahrten führten die Frauen zu einer Vielzahl von Werksbesichtigungen in der Lebensmittel- und Elektroindustrie. Die deutschlandweiten Tagestouren hatten unter anderem die Städte Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Rüsselsheim und Hameln zum Ziel. Besonders großen Anklang fanden in den vergangenen Jahren die Kulturfahrten ins Frankenland und der Besuch der Bad Hersfelder Festspiele.

„Bis Mitte Juli werden wir das Vereinsleben langsam ausklingen lassen und noch einige Veranstaltungen organisieren“, so die 76-jährige Braunroth. So soll die Kirschblüte in Witzenhausen besucht werden, eine Muttertagsfahrt nach Lengenfeld samt Draisinenfahrt durchgeführt werden und eine Filmvorstellung über eine Pilgerreise auf dem Elisabethweg stattfinden.

„Besonders vermissen werden wir die gemeinsamen Nachmittage und die Geselligkeit“, so die beiden Vorstandsmitglieder. Ein kleiner Trost bleibt für die Hausfrauen dennoch: Auch nach der Auflösung wird der Kontakt untereinander weiterhin seinen Fortbestand haben.

Von Maurice Morth

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