Wie die Profis

Nähwerkstatt im Stadtteilladen Heuberg: Voneinander lernen, Freundschaften knüpfen

Beherrschen viele Tricks, wenn es um die Arbeit an der Nähmaschine geht: Lindmila Gerter und Maria Benning (hinten) nehmen regelmäßig an den Treffen in der Nähwerkstatt teil. Die Gruppe besteht insgesamt aus circa zehn Frauen. Foto:  Faust

Eschwege. Sie nähen, singen, haben Spaß und sind ganz nebenbei zu Freundinnen geworden. Die Teilnehmerinnen der Nähwerkstatt im Stadtteilladen Heuberg treffen sich in regelmäßigen Abständen von zwei Wochen.

An acht Maschinen kann die Gruppe aus zehn Frauen arbeiten. Die Hobby-Näherinnen beherrschen jedes noch so knifflige Detail, wenn es um darum geht, Reißverschlüsse einzupflegen oder Kleidungsstücke umzugestalten. Durch Geschick und Fingerspitzengefühl entstehen Gardinen, Kissen, Kinderkostüme, Taschen, Tischdecken oder ganz neue Stücke – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Bedienen können sich die Frauen an den Stoffen und Kleidungsstücken, die in der Kleiderkammer des Stadtteilladens abgegeben werden.

DIE IDEE

Die Nähwerkstatt ist aus einer Initiative des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) heraus entstanden: Nachdem das Projekt „Patchwork“ – ein Projekt zur Verbesserung der wechselseitigen Akzeptanz von Zuwanderern und Einheimischen – Ende 2015 nach drei Jahren auslief, wollte keiner der bis dahin Beteiligten einfach so aufhören. Als gelernter Mechaniker für Textilindustrie übernimmt Valeri Lillmann als einziger Mann gemeinsam mit Olga Eisengrein die Rolle des Koordinators. Er sagt: „Die Teilnehmerinnen sind ganz unterschiedlich. Jede kann von der anderen lernen.“ Für Olga Eisengrein sind die anerkennenden Blicke Außenstehender besonders schmeichelnd: „Es ist schön, wenn wir auf unsere selbstgenähten Kleidungsstücke angesprochen werden. Vieles gibt es so gar nicht im Laden zu kaufen.“

Die kostenlose Anleitung zum Nähen in Verbindung mit guter Gesellschaft sei in Eschwege einmalig. Aus Frauen, die sich anfangs noch kaum kannten, ist mittlerweile ein eingespieltes Team geworden.

DER TRÄGER

Als Träger des Stadtteilladens unterstützt das Diakonische Werk die Initiative der Näh-Begeisterten vor Ort. Pfarrer Dr. Lothar Kilian findet: „Hier wächst etwas Kreatives. Die Menschen lernen, mit wenig Geld im Alltag gut zu leben. Hier bei uns sind sie am richtigen Ort aufgehoben.“

DIE EINLADUNG

Viel Zeit, um von ihrer Arbeit zu berichten, haben die Frauen nicht. Denn am 29. April findet die Feier zum 20-jährigen Jubiläum des Stadtteilladens statt. „Wir wollen, dass alles schön aussieht und nähen deshalb bunte Tischdecken“, kündigt Maria Benning an.

• Wer mitmachen möchte: Am 15. März und 19. April, jeweils von 10 bis 13 Uhr finden die nächsten Treffen statt.

Von Pelle Faust

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