Bisher waren Bestandsimmobilien beliebter

Niedrige Zinsen: Im Kreis wird wieder mehr gebaut 

Sind zufrieden mit der Entwicklung der vergangenen zwölf Monate: Gerd Mosebach und Wilhelm Gebhard von der Stadt Wanfried im Neubaugebiet Am Leistersberg. Foto: Stück

Werra-Meißner. Im Werra-Meißner-Kreis wird wieder mehr gebaut. Das berichten Banken und Kommunen gleichermaßen. Die Städte und Gemeinden haben in den vergangenen Monaten mehr erschlossene Baugrundstücke als in den Jahren zuvor verkauft, die größten Kreditinstitute der Region verspüren eine rasante Zunahme an Baufinanzierungen.

„Wir haben für die Baufinanzierer Überstunden angeordnet“, sagt beispielsweise Ulrich Siebald, Unternehmenssprecher der Sparkasse Werra-Meißner. Das hohe Niveau der vergangenen Monate wurde in den ersten Monaten dieses Jahres noch einmal gesteigert. Den Grund sieht er in den niedrigen Zinsen. Die liegen zurzeit bei rund einem Prozent effektiver Jahreszins für 100 000 Euro auf zehn Jahre.

Auch bei der VR-Bank Werra-Meißner brummt es. „Im Vergleich zu den beiden Vorjahren haben wir eine Steigerungsrate von 158 Prozent bei den Baufinanzierungen verzeichnet“, sagt Stefan Fross aus dem Vorstand der Genossenschaftsbank. Auch Städte und Gemeinden frohlocken nach zuletzt schwachen Jahren über die Verkaufszahlen der erschlossenen Baugrundstücke. In der Kreisstadt Eschwege wurde in den Jahren 2012 und 2013 jeweils lediglich ein Neubaugrundstück verkauft. 2014 waren es schon fünf Flächen, in diesem Jahren wurden in den ersten vier Monaten des Jahres bereits sechs Neubaugrundstücke reserviert.

Ähnlich sieht es in Wanfried aus. In den vergangenen zwölf Monaten wurden sieben Grundstücke verkauft oder reserviert. Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2013 wurden insgesamt nur zehn erschlossene Grundstücke verkauft. „Wir spüren nicht nur bei den Neubauten eine Verbesserung, sondern auch bei Bestandsimmobilien“, sagt Helmut Franke vom Bauamt der Stadt Bad Sooden-Allendorf. In der Innenstadt gebe es kaum noch Leerstand.

Die Zahl der Bauherren steigt, richtig rund ist es aber in der Vergangenheit auf dem Bestandsimmobilienmarkt gegangen. Bad Sooden-Allendorf verkündet, dass die Leerstände in der Altstadt deutlich zurückgegangen sind. In Wanfried haben zwischen 2009 und 2014 rund 200 Häuser den Besitzer gewechselt.

„Dem Bau eines Hauses wurde häufig der Kauf einer Bestandsimmobilie vorgezogen, weil bislang Ankauf und Sanierung oftmals günstiger waren als der Neubau“, erklärt Wilhelm Gebhard, Bürgermeister der Stadt Wanfried. Fast 50 Immobilien mit einem hohen Sanierungsstau wurden an den Käufer gebracht. Ein hoher Beratungsaufwand ging damit einher.

Die intensive Unterstützung der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser hatte hier gefruchtet. „Die Stadtverwaltung nimmt sich für Kaufinteressenten intensiv Zeit und berät und unterstützt, wo sie kann. Das hat in der Vergangenheit oftmals bereits den Ausschlag für die Entscheidung des Hausbaus in Wanfried gegeben“, sagt Gebhard.

Auf gute Beratung setzt auch die Stadt Eschwege. „Beratung und Unterstützung sind besonders wichtig, um für Zuzugwillige attraktiv zu sein“, sagt Bürgermeister Alexander Heppe. Für die Kreisstadt spricht darüber hinaus die gute Infrastruktur mit guten Einkaufsmöglichkeiten und Schulen. „In den vergangenen Wochen sind besonders viele Anfragen bei uns eingegangen“, sagt Alexander Vogt von der Immobilienwirtschaft der Kreisstadt.

Von Tobias Stück

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