Was hinter der Sprache steckt

Neue Ausgabe der Heftreihe „Grimmige Gedanken“ ist erschienen

Grimmige Gedanken: Dekanin Ulrike Laakmann und Präses Ludger Arnold präsentieren das neue Heft. Foto: Kristin Weber

Im Juni 2019 machten sich die Kirchenkreise Eschwege und Witzenhausen wieder „Grimmige Gedanken“. Jetzt erscheinen die Denkübungen als Broschüre zum Nachlesen

Darin der Vortrag des Superintendenten Curt Stauss aus Halle, der mit der Seelsorge und Beratung von Opfern der SED-Kirchenpolitik beauftragt war. Er macht sich Gedanken über die Sprache, die in Zeit der deutschen Wiedervereinigung geprägt wurde – heute würden wir sagen „framing“, das Schöpfen von Begriffen, die eine bestimmte Deutung vorgeben.

Vor zwei Jahren begannen die Kirchenkreise mit einem neuen Format. Über „Grimmige Gedanken zur Freiheit, Verantwortung und Sprache’ referierte damals Professor Dr. Holger Erhard, Germanist der Universität Kassel, über Jakob Grimm als politischen Autor. Der war 1837 als einer der Göttinger Sieben von der Uni Göttingen entlassen worden, weil er gegen einen Verfassungsbruch des Königs von Hannover protestiert hatte. „Da, wo Freiheit, Verantwortung und Sprache in unserer Zeit herausgefordert wird, wollen wir wie Grimm auch ein „Ach!“ als Einspruch oder Protest, Seufzer oder Ermahnung, Hauch oder Zwischenruf sagen“, erklärte Dekanin Ulrike Laakmann damals.

Curt Strauss widmet sich diesmal der Frage, mit welcher Absicht die Sprache vor 30 Jahren geprägt wurde: „Wende“, Mauerfall“, „friedliche Revolution“, klinge alles positiv und unbesorgt, die Worte klammerten jedoch die Schatten der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinreichen, aus. Fast 30 Jahre Leben in der Diktatur, die Unzufriedenheit, der Nationalismus und die Ausgrenzung, meint Strauss, all diese Befindlichkeiten seien mit der „Wende“ mitnichten abgestellt worden, sondern brodelten im Schatten weiter und würden heute im Wahlergebnis der AfD sichtbar werden. Manipulationskraft der Sprache analysiert er in seinem Text am Beispiel des Grimm’schen Märchens von den drei Goldenen Haaren.

Am 26. Juni 2020 lädt der fusionierte Kirchenkreis zum dritten Mal zu den „Grimmigen Gedanken“ ein. Dann werden sich Pfarrer Wilhelm Laakmann und Lektorin Susann Laakmann aus Steinau dem Thema „Märchen und Glaube“ widmen. Die Broschüre 2019 „Die Räuber wiesen ihm den rechten Weg – zur Sprache der Wende“ kann ab Januar im Dekanat in Witzenhausen für zwei Euro bezogen werden. In Eschwege gibt es sie in der Buchhandlung Heinemann.

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