50 Neuinfektionen pro Woche sind kritisch

Neue Corona-Obergrenze: Das bedeutet sie für den Werra-Meißner-Kreis

Mit den von der Politik beschlossenen Lockerungen kann wieder Schluss sein, sobald es im Werra-Meißner-Kreis mehr als 50 Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche gibt.
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Mit den von der Politik beschlossenen Lockerungen kann wieder Schluss sein, sobald es im Werra-Meißner-Kreis mehr als 50 Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche gibt.

Politische Entscheidungen über Lockerung oder Verschärfung hängen in den kommenden Wochen von einer Zahl ab: den Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen.

Sollte dieser Wert in einem Landkreis über 50 steigen, müssen die zuständigen Behörden sofort die Notbremse ziehen und konsequentere Beschränkungen umsetzen.

Im Werra-Meißner-Kreis hat sich die Situation zum aktuellen Zeitpunkt hinsichtlich der Neuinfektionen etwas entspannt. Die Daten des Aprils zeigen aber, wie schnell sich auch hier die Infektionszahlen erhöhen können.

Die kritische Grenze

Der Werra-Meißner-Kreis hat 100 722 Einwohner (Stichtag 30. Juni 2019). Bei der Corona-Obergrenze lässt sich also zukünftig ziemlich genau ablesen, ob der Landkreis über den erlaubten Neuinfektionen liegt – gerundet kommt man auf jene Vorgabe von 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche.

In den vergangenen sieben Tagen sind 14 Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Kreisgebiet registriert worden (Die Daten für diesen Artikel wurden am 11. Mai erhoben). Laut dem Robert-Koch-Institut (Stand 11. Mai) liegen derzeit drei der 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland über der vorgegebenen Obergrenze: die thüringischen Landkreise Greiz (75,4 Fälle) und Sonneberg (64,1 Fälle) sowie der Kreis Coesfeld (95,9 Fälle) in Nordrhein-Westfalen.

Der erste Patient

Den ersten Coronafall meldete der Kreis am 16. März – also vor 57 Tagen. Betroffen war eine Person aus der Gemeinde Meinhard. In der Folge stiegen die Fallzahlen im Kreis langsam an. 

Betroffen waren zunächst vor allem Rückkehrer aus den vom Robert-Koch-Institut definierten Risikogebieten wie zum Beispiel dem österreichischen Tirol. Den höchsten Anstieg gab es im März mit sieben Neuinfizierten zwischen dem 26. und 28. Monatstag.

Die Infektionswelle

Im April nahm die Infektionswelle merklich an Fahrt auf. Binnen einer Woche stiegen die Fallzahlen vom 7. bis 14. April von 34 Infizierten auf 104 Infizierte – ein Zuwachs von 70 Neuinfektionen. Den höchsten Tagesanstieg vermeldete das Gesundheitsamt am 23. April: Die Infektionszahl wuchs um 24 auf 157 Coronafälle.

So verlief die Corona-Pandemie im Werra-Meißner-Kreis bislang. Die Daten wurden am 11. Mai erhoben.

Am 9. April meldete der Kreis das erste Todesopfer in Verbindung mit dem Coronavirus. Im Klinikum Werra-Meißner starb eine 77-Jährige mit schweren Vorerkrankungen. Bislang sind im Kreis 15 Todesopfer zu beklagen.

Der aktuelle Stand

Bei 195 bestätigten Fällen, 128 Genesenen und 15 Toten sind derzeit noch 52 Menschen im Kreis mit dem Virus infiziert. Zu Spitzenzeiten waren über 270 Personen im Kreis in Quarantäne – egal ob Erkrankte oder Kontaktpersonen – derzeit sind es noch etwas über 100. 

Genaue Zahlen, wie viele Menschen bereits getestet wurden, kann Kreissprecher Jörg Klinge nicht nennen. Das liege auch daran, dass sich das Untersuchungszentrum zur Testung von Corona-Verdachtsfällen für den Kreis in Kassel befinde. Diese Standort-Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung wurde schon im März scharf von Vertretern des Landkreises kritisiert.

Im Hinblick auf die Corona-Obergrenze sagt Landrat Stefan Reuß: „Grundsätzlich kann die Zahl 50 eine gute Richtschnur sein, um möglichst schnell und gezielt auf neue Infektionsherde handeln zu können“. 

Dazu sei aber erforderlich, dass auch die Testungen besser, flächendeckender und präventiver eingesetzt würden. Da der Kreis nach wie vor kein Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung habe, sondern drei Covid-Schwerpunktpraxen, müsse gewährleistet werden, dass eine enge Verzahnung und Verstärkung der Testaktivitäten mit dem Gesundheitsamt erfolge. 

„Dazu wäre auch hilfreich, wenn vom Testzentrum aus Kassel die Zahl der durchgeführten Testungen für den Werra-Meißner-Kreis mitgeteilt würden“, so Reuß.

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