Von Tinder und Tikitaka

Der neue Duden ist da: Wir haben nachgefragt, wie die modernen Wörter ankommen

+
Ganz schön komisch: Über einige der neu in den Duden aufgenommenen Wörter können Marco Zimmermann und sein Sohn Niklas nur lachen.

Eschwege. Tindern – hat das etwas mit Essen zu tun? Tikitaka – das ist doch bestimmt ein Jubelruf beim Kegeln, oder? Naja, nicht ganz. Aber immerhin: An Kreativität hat es den Passanten in der Eschweger Innenstadt bei unserer Umfrage nach den neuen Wörtern im aktuellen Duden nicht gemangelt.

Der Duden ist gestern in der 27. Auflage erschienen und wurde mit etwa 5000 neuen Wörtern auf den aktuellen Stand gebracht.

Wir haben das zum Anlass genommen, uns in der Eschweger Innenstadt umzuhören: Können die Menschen etwas mit diesen Wörtern anfangen? Was stellen sie sich unter Tindern, Hygge und Co. vor? Anschließend drehten wir den Spieß um und fragten nach der Bedeutung einiger alter Wörter, die noch im Duden, aber nicht im täglichen Sprachgebrauch zu finden sind. Dabei heraus kamen einige interessante und einfallsreiche Antworten.

Ältere Wörter oft unbekannt

Besonders die Jüngeren konnten mit alten Begriffen wie „blümerant“, „Hagestolz“ oder „Adlatus“ nicht mehr viel anfangen. „Ein Blümerant – das könnte ein Deodorant mit Blumengeruch sein“, vermutet beispielsweise der 21-jährige Marc Wallitschek, Open-Flair-Besucher aus Köln. „Vielleicht ist das auch ein altes Wort für Dünger oder Gießkanne“, tippt seine Begleitung, die 18-jährige Vivien Kolotzek. Erstaunt sind die beiden, als sie erfahren, dass „blümerant“ überhaupt nichts mit Blumen zu tun hat, sondern verwendet wird, um über ein leichtes Schwindelgefühl zu klagen.

Rätselraten um tindern und Co.

Ähnlich ahnungslos war wiederum teilweise die ältere Generation, als es um die neuen Wörter ging. Vor allem mit Tinder, einer Datingplattform im Internet, können die meisten nichts anfangen. 

Der 69-jährige Gerd Trübestein ordnet das Verb „tindern“ immerhin in den Bereich Gesellschaft ein – und so falsch liegt er mit dieser spontanen Aussage gar nicht: Wenn man es richtig anstellt, erhält man mithilfe von Tinder wahrscheinlich auch eine bestimmte Art der Gesellschaft.

Spanischer Fußballbegriff aufgenommen

Ein Wort, das im Gegensatz zu den meisten anderen Duden-Neuzugängen nicht englischen Ursprungs ist, ist „Tikitaka“. Doch das macht es nicht einfacher. Erst der vierte Befragte weiß, dass es sich hierbei um das durch die Spanier beliebt gewordene Kurzpassspiel beim Fußball handelt.

Bei dem Wort „Hygge“, das aus dem Dänischen kommt und für eine gemütliche, harmonische Lebensweise steht, spalten sich dann die Geister. So erkennt der 60-jährige Jürgen Andreas sofort, dass es sich hier um etwas Schönes, Sanftes handeln muss. Laut Marco Zimmermann klingt das Wort „Hygge“ jedoch eher nach etwas, auf das er gut verzichten könnte.

Die kohlenhydratreduzierte Ernährungsweise „Low Carb“ verbindet der 45-Jährige außerdem eher mit der Herstellung von T-Shirts als mit dem Verzicht auf Nudeln oder Reis: „Low Carb – das könnte doch vielleicht so ein bestimmter Stil sein, in dem T-Shirts gefertigt werden.“

Viel Verständnis für die Neuen Wörter

Trotz der großen Ratlosigkeit, für die Begriffe wie Tinder, Hygge oder Tikitaka teilweise sorgen, stehen die meisten der Befragten den neu in den Wortschatz des Dudens aufgenommenen Wörtern jedoch eher positiv gegenüber.

 „Wenn diese Begriffe mittlerweile zum täglichen Sprachgebrauch gehören, sollten sie auch im Duden stehen“, findet der 72-jährige Winfried Neuhaus. Der 21-jährige Felix Overrödder sieht das ähnlich: „Ich finde es richtig, dass der Duden sich der Zeit anpasst“, sagt er.

Von Svenja Friederich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare