Corona und Veranstaltungen

Neue Ideen statt Selbstzweifel: Aktionsbündnis nutzt digitales Format

Wie lebt man ohne Angst vor dem Tod? Darüber sprach Prof. Martin Teisig beim Onlinevortrag des Aktionsbündnisses „Am Ende unseres Weges“.
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Wie lebt man ohne Angst vor dem Tod? Darüber sprach Prof. Martin Teisig beim Onlinevortrag des Aktionsbündnisses „Am Ende unseres Weges“.

Auf Veranstaltungen verzichten? Das muss auch in der Corona-Pandemie nicht sein, wenn Anbieter sie digital anbieten.

Eschwege – Der Tod macht das Leben erst wertvoll. Dennoch sollte er lieber so lange wie möglich nicht eintreten. Doch wie lebt man angesichts des sicheren Endes, ohne an dem Gedanken zu verzweifeln? Das fragte sich der Psychoanalytiker und Facharzt für Psychiatrie, Prof. Dr. Martin Teisig, bis 2018 Präsident der International Psychoanalytic University Berlin. In Eschwege stellte er seine Gedanken in einem Vortrag dem Aktionsbündnis „Am Ende unseres Weges“ vor. Zum Bündnis gehören die Diakonie, die Caritas und die Hospizgruppe Eschwege. Sie wollen die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer fördern.

Während der Ausbreitung der Pandemie können derartige Veranstaltungen – das gilt umso mehr ab dem 2. November – jedoch nicht wie gewohnt stattfinden. Was also tun? Das Aktionsbündnis hatte sich bereits im Oktober für ein anderes Format entschieden: Den Vortrag, der live vor wenigen Zuhörern stattfand, sowie den Gesprächskreis filmten die Mediengestalter des Medienwerks in Eschwege und stellten das Video nun auf ihrem YouTube-Kanal ins Netz. (Link: youtube.com/watch?v=oQEPaaYqgXM). Am Mittwochabend ging das Video online und kann vier Monate lang angeschaut werden.

Bereits am ersten Abend wurde es über 50-mal aufgerufen. Dies zeigt, dass regionale Vorträge und Veranstaltungen auf diese Weise sogar ein größeres Publikum finden können als bei einem reinen Live-Event. Aus der Not heraus nutzten etwa große Veranstalter wie die Frankfurter Buchmesse oder der Göttinger Literaturherbst die digitalen Kanäle – und das mit großem Erfolg. Mit dem Onlinevortrag stellt das Aktionsbündnis einen Weg vor, wie auch regionale Vereine und Verbände in der aktuellen Situation ihr Anliegen der Öffentlichkeit nahebringen können. Erst recht, wenn kommende Woche wieder Kontaktbeschränkungen herrschen und Menschen, die zu Hause sitzen, Trost und Ansprache umso mehr benötigen.

Im Vortrag zitiert Professor Teisig den Philosophen Slotterdyke mit seiner These, der kategorische Imperativ hieße heute: „Lebe länger!“ und nennt Beispiele, wie Menschen allerorten größte Anstrengungen unternähmen, diese Maxime wahr werden zu lassen.

Nicht umsonst seien Apothekenzeitschriften die auflagenstärksten Magazine in Deutschland und die Fitness-Industrie ein starkes Marktsegment. Menschen definierten sich heute über Vitalität und Aktivität. Doch im Alter müssten viele damit umgehen, dass ihre Fähigkeiten nachlassen, wie er in einem eindrücklichen Beispiel aus seiner Praxis darstellt.

Teisig rät dazu, ältere Menschen aufgrund ihrer Lebensleistung zu respektieren und nicht nach ihrer akuten Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Über die junge Generation sollten sie die Möglichkeit haben, etwas an die Zukunft weiterzugeben, das auch nach ihrem Tod von ihnen bleiben könne. So ließe sich im Angesicht des Todes ein Leben führen, ohne zu verzweifeln.

Von Kristin Weber

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