Es bleibt mehr Zeit für den TÜV

Wegen der Corona-Krise haben sich die Regeln für die Hauptuntersuchung geändert. Statt zwei darf man jetzt vier Monate mit abgelaufener Plakette unterwegs sein - ohne Bußgeld. 

Werra-Meißner. Wegen der Corona-Krise gelten bei der Hauptuntersuchung (HU) fürs Auto vorübergehend neue Regeln: Wurde bislang schon nach zwei Monaten Verzug ein Bußgeld fällig, wurde die Frist nun auf vier Monate verlängert. Was das im Einzelnen bedeutet:

Was ändert sich genau?

Bisher blieb das Fahren mit abgelaufener Prüfplakette nur für zwei Monate ohne Folgen. Danach drohte von Polizei oder Ordnungsamt ein Bußgeld in Höhe von 15 Euro. Ab vier Monaten stieg der Betrag auf 25 Euro, bei mehr als acht Monaten auf 60 Euro. Nun sollen die ersten vier Monate Verzug nicht geahndet werden. Das gilt für Privat- und Nutzfahrzeuge. So lautet zumindest die Empfehlung des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur.

Wer hat zu entscheiden?

Die Empfehlung zu der Änderung ging vom Verkehrsministerium an die Bundesländer. Wie Jörg Wetzel, Pressesprecher des TÜV Hessen, auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, handele es sich nicht um ein Gesetz, das die geltende Bußgeldkatalog-Verordnung außer Kraft setzt.

„Die Bundesländer sind für die Umsetzung zuständig“, sagt Jörg Wetzel, „und dem sind nach unserem Kenntnisstand alle Bundesländer, natürlich auch Hessen, nachgekommen.“

Ist es jetzt möglich, eine Hauptuntersuchung durchführen zu lassen?

„Die Antwort ist ganz einfach: Die Hauptuntersuchung findet so statt wie bisher auch“, sagt Jörg Wetzel. Ein Blick auf die Plakette zeige, in welchem Monat und in welchem Jahr ein Auto zur Hauptuntersuchung müsse. „Einen Termin zur Prüfung zu vereinbaren, ist auch in der Corona-Krise kein größeres Problem, denn die Prüfstellen sind weiterhin geöffnet.“ Das TÜV Auto-Service-Center Eschwege etwa ganz regulär montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr und samstags von 9 is 14 Uhr (alle Standorte: tuev-hessen.de.) Geöffnet hat auch die Tüv-Nord-Prüfstelle Eschwege des Kfz-Sachverständigenbüros Buchenau an der Eschweger Bahnhofstraße: Eine Anmeldung unter 0 56 51/33 97 33 ist erwünscht.

Wie halten es die weiteren HU-Prüfstellen?

Neben dem Tüv hält auch die Dekra den Prüfbetrieb von Fahrzeugen während der Corona-Krise aufrecht – mit entsprechenden Vorsorgemaßnahmen zum Schutz von Kunden und Beschäftigten, heißt es auf Anfrage aus der Dekra-Pressestelle in Stuttgart. Die Station in Eschwege könne zu den regulären Öffnungszeiten (dekra.de/eschwege) aufgesucht werden; telefonische Voranmeldungen seien zur Vermeidung größerer Menschengruppen in den Werkstatträumen erbeten.

Gibt es weitere Vorschriften?

Sind die Termine zur Hauptuntersuchung ausgemacht, werden Kunden gebeten, sich an die bekannten Hygienevorschriften zu halten. So sollten sie nach Möglichkeit alleine im Fahrzeug zu der Prüfstelle kommen; mindestens 1,5 Meter Abstand zu den Mitmenschen halten; Berührungen wie etwa Händeschütteln vermeiden sowie nur in die Armbeuge oder in ein Taschentuch niesen oder husten.

Was bedeutet eine überfällige HU für die Kfz-Versicherung?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stellt klar: Auch wer mit abgelaufener Plakette einen Unfall baut, ist grundsätzlich versichert. Die Kfz-Haftpflichtpolice komme für die Schäden des Unfallgegners auf. Die Kaskoversicherung indes, die für Schäden am eigenen Auto zahlt, könnte wegen grober Fahrlässigkeit die Leistung kürzen. Es sei in keinem Fall ratsam, mit einem Auto loszufahren, das technische Mängel aufweist, so der GDV.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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