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Heimische Energieversorger erhöhen Gebühr für Kunden anderer Stromanbieter

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Von: Tobias Stück

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Besorgter Blick auf den Stromzähler: Seit Sommer steigen die Energiepreise. Die heimischen Energieversorger haben langfristig eingekauft. Eine Gebührenerhöhung steht hier vorerst nicht in Haus.
Besorgter Blick auf den Stromzähler: Seit Sommer steigen die Energiepreise. Die heimischen Energieversorger haben langfristig eingekauft. Eine Gebührenerhöhung steht hier vorerst nicht in Haus. © Foto: Ulrich Niehoff

Die Strompreise steigen, die heimischen Versorger erhöhen ihre Preise für ihre Stammkunden trotzdem nicht. Anders sieht es bei den Ersatzversorgungen für Kunden fremde aus.

Eschwege/Wanfried – Trotz Steigerung der Energiepreise werden die heimischen Energieversorger die Strompreise für ihre Stammkunden vorerst nicht erhöhen. Sowohl die Stadtwerke Eschwege als auch das Elektrizitätswerk Wanfried haben für ihre Bestandskunden langfristig Stromvolumen zu günstigeren Konditionen als aktuell eingekauft. Nicht eingeplant sind Neukunden, für die sie kurzfristig die Ersatz- oder Grundversorgung übernehmen müssen.

Für diese Verbraucher wird jetzt ein zweiter Grundversorgungstarif eingeführt. So sollen Bestandskunden geschützt werden. In Eschwege gilt die neue Grundversorgung seit gestern, in Wanfried ab Ende Januar.

Die heimischen Energieversorger mussten kurzfristig reagieren. „So eine Situation hatten wir noch nie“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Lecke. Seit des Sommers zeichnet sich eine Preissteigerung ab. Kurz vor Weihnachten hatten sich dann die Strompreise versechsfacht, wie Klaus Schönewolf berichtet. Am 20. Dezember hat der Strom-Discounter Stromio dann schon reagiert und begonnen, Kunden die Verträge zu kündigen. „Das Konzept der sogenannten Billiganbieter ist auf fallende Märkte ausgelegt und scheitert bei den derzeitigen steigenden Preisen“, erklärt Vertriebsleiter Peter Stöber.

So funktioniert die Ersatzversorgung

Stromversorger sind auf Leitungsnetze angewiesen, um ihre Kunden zu beliefern. Wenn ein Netzbetreiber einem Unternehmen das Recht auf die Nutzung der Netze entzieht, fallen die Haushaltskunden in die sogenannte Ersatzversorgung. Das kann beispielsweise geschehen, wenn das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt hat. Mit der Ersatzversorgung wird gesetzlich sichergestellt, dass niemand im Dunkeln sitzen oder im Winter frieren muss. Das regelt Paragraf 38 des Energiewirtschaftsgesetzes.

Die Ersatzbelieferung für Haushaltskunden greift, wenn es zu ungeplanten Verzögerungen beim Anbieterwechsel oder bei Umzug kommt. Dann springt der örtliche Grundversorger ein. Die Ersatzversorgung kann bis zu drei Monate dauern, sie hat keine Kündigungsfrist und darf eigentlich nicht teurer sein, als der örtliche Grundversorgungstarif. Aktuell können sich örtliche Energieversorger auf „wirtschaftliche Unzumutbarkeit“ berufen.

Stadtwerke Eschwege befürchten, bis zu 2700 Kunden auffangen zu müssen

Die Stadtwerke Eschwege befürchten, dass andere Billiganbieter nachziehen oder Insolvenz anmelden müssen, diese Kunden wegen Preiserhöhungen auch von sich aus kündigen. Bis zu 2700 Kunden müsste das Eschweger Unternehmen, das eine 100-prozentige Tochter der Stadt Eschwege ist, dann auffangen. „Für diese unbestimmte Zahl an zwischenzeitlichen Neukunden, haben wir nicht vorrätig eingekauft“, sagt Lecke.

Aktuell sei im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Eschwege eine überschaubare Anzahl von Verbrauchern betroffen. „Die Insolvenzen und bewussten Kündigungswellen sollen nicht zum Nachteil unserer Bestandskunden sein.“ Genauso verhält es sich beim E-Werk in Wanfried. Auch das Unternehmen, das in Hessen und Thüringen Kunden betreut, müsste für zusätzliche Kunden nachkaufen. „Den aktuell hohen Börsenpreis werden wir an die neuen Kunden weitergeben“, sagt Inhaber Andreas von Scharfenberg. Am Beispiel der Stadtwerke Eschwege bedeutet das, dass ersatzversorgte Kunden nach dem neuen zweiten Tarif fast 49 Cent für die Kilowattstunde zahlen müssen. Im bisherigen Grundversorgungstarif sind es knapp 30 Cent. Foto: harald sagawe, kristin weber

Von Tobias Stück

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