Beratungsstelle wird trotz Kündigung für vier Jahre zertifiziert

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Geschlossen ab Januar: Das Team der Psychologischen Beratung um Dagmar Orlowski (von links), Matthias Heintz, Annegret Viehl, Carola Boße, Heike Schalles und Matthias Haneberg ist enttäuscht über das Ende der Zusammenarbeit von Kreis und Diakonie in der Beratungsstelle.

Eschwege. Die Psychologische Beratungsstelle Erziehungsberatung hat eben noch eines von deutschlandweit wenigen Zertifikaten bekommen. Ende Dezember soll die Einrichtung dennoch geschlossen werden.

 Auf den ersten Blick ist es ein Grund zu uneingeschränkter Freude: Die Psychologische Beratungsstelle - Erziehungsberatung im Werra-Meißner-Kreis erhält als nur eine von 40 Beratungsstellen deutschlandweit das Gütesiegel der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Dieses zertifiziert die Arbeit der Beratungsstelle für weitere vier Jahre. Doch nutzen wird dies nichts - die Stelle wird Ende Dezember schließen.

Der Diakonie als Träger der Einrichtung wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres vom Landkreis die Leistungsvereinbarung gekündigt. Die Leistung wurde im März neu ausgeschrieben, Ende Juli bekam der Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) den Zuschlag. Auch das Diakonische Werk hatte sich beworben.

In einem Schreiben von Landrat Stefan Reuß vom September werden Differenzen über fachliche Ausrichtung, Kooperation sowie Vertragsgestaltung und -erfüllung als Gründe für die Kündigung genannt. Sieben Mitarbeiter der Beratungsstelle An den Anlagen verlieren so ihren Arbeitsplatz. Verständnis für die Entscheidung haben die Mitglieder des Beratungsteams nicht. „Gegen fachliche Unstimmigkeiten spricht ja das Gütesiegel“, sagt Familientherapeut Matthias Heintz, der die Schließung vor allem für die Klienten äußerst problematisch findet. „Es dauert ja immer eine Zeit, bis eine Vertrauensbasis da ist und die Menschen sich öffnen. Und dadurch, dass die Schließung bekannt ist, spürt man bereits jetzt einen Bruch. Manche verschließen sich wieder.“

Mit der Aufgabe der Beratungsstelle endet auch der Vertrauensschutz. Alle Patientendateien und -unterlagen werden vernichtet.

Die Auszeichnung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung soll trotzdem gefeiert werden, auch weil die Beratungsstelle im November seit genau 20 Jahren besteht. 1993 hatte die Diakonie noch in der Bismarckstraße die Hilfe angeboten, der Umzug in die Räumlichkeiten An den Anlagen 8 erfolgte 2004. Am Freitag, 1. November, wird das Jubiläum mit geladenen Gästen im Bistro Amelie, gefeiert. Dann wird auch der als „Vater des Kinder- und Jugendhilfegesetzes“ bekannte Prof. Reinhard Wiesner, Berater des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dabei sein und eine Ansprache halten.

Tag der offenen Tür

Für Mittwoch, 6. November, lädt das Beratungsteam noch einmal zu einem Tag der offenen Tür ein. Von 13 bis 18 Uhr wird es dann einen Empfang geben, das Team wird Fragen beantworten und die Räumlichkeiten vorstellen. „Inzwischen ist das leider auch einfach eine Gelegenheit, sich von vielen Kollegen und Wegbegleitern zu verabschieden“, sagt Carola Boße, Leiterin der Beratungsstelle.

Von Lasse Deppe

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