Nur eine Zwischenlandung

Seltener Wiedehopf nur auf Durchreise im Werra-Meißner-Kreis

Auf der Durchreise: Dieser Wiedehopf wurde am 20. August bei Weidenhausen gesehen. Ornithologen gehen davon aus, dass die wärmeliebenden Vögel sich in der Region nur auf dem Durchzug aufhalten.
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Auf der Durchreise: Dieser Wiedehopf wurde am 20. August bei Weidenhausen gesehen. Ornithologen gehen davon aus, dass die wärmeliebenden Vögel sich in der Region nur auf dem Durchzug aufhalten.

Die Aufnahme eines Wiedehopfs vom 20. August von Jürgen Bringmann bei Weidenhausen kann als ein sehr frühes Datum des einsetzenden Herbstzuges in die afrikanischen Überwinterungsgebiete gewertet werden.

Weidenhausen - Denn nicht gleich nach der Brutzeit und nach dem Flüggewerden der Jungen machen sich die mitteleuropäischen Wiedehopfe auf die Reise. Ein Grund kann aber auch sein, dass sie Gelege oder Junge verloren haben oder gar keines von beiden gehabt hatten.

Wiedehopfe ziehen meistens einzeln oder in einer locker zusammenhaltenden Gemeinschaft von einigen wenigen Exemplaren. In den vogelkundlichen Werken aus dem Kreisgebiet sind in der Regel ein, jedoch niemals mehr als zwei gemeinsam beobachtete Exemplare eingetragen. Dabei heißt das nicht, dass die bei uns beobachteten Wiedehopfe nun gleich im gezielten Flug bis nach Afrika fliegen. Sie lassen sich Zeit, bewegen sich immer auf einer südwestlichen Route, bis sie die Meerenge von Gibraltar erreichen und von da die schmale Straße des Mittelmeeres überqueren. Die ganze Breite des Mittelmeeres zu überfliegen, wird vermieden, wie auch die Höhen der Pyrenäen, so wird das Hochgebirge westlich umflogen.

Verschiedentlich konnte auch über Beringung nachgewiesen werden, dass Wiedehopfe aus Mitteleuropa im südlichen Spanien und in Portugal in Gesellschaft mit der dort nicht wegziehenden Wiedehopf-Population überwintern – sicher ein Ergebnis der allgemeinen Klimaerwärmung. Insofern ist dieser wärmeliebende Vogel davon ein Nutznießer, welches insgesamt auch verbunden ist mit weniger Gefahren durch einen kürzer werdenden Zugweg.

Die uns am nächsten gelegenen Brutplätze liegen in Südhessen, übergreifend nach Reinland-Pfalz. Eine insgesamt kleine Population, die aber im Verbund mit dem Vorkommen in Rheinhessen im Gleichgewicht gehalten wird.

Viel größere Vorkommen gibt es in Sachsen-Anhalt und in Sachsen, dort auch mit Schwerpunkt in der Oberlausitzer Heidelandschaft. Und dies könnten wohl auch die Wiedehopfe sein, die bei uns, unter Aussparung höherer Erhebungen, während ihres Zuges nach Süden zu beobachten sind. Umgekehrt natürlich auch, wenn sie aus den Winterquartieren kommen und im April oder Mai durchziehen und zur gelegentlichen Rast einfallen.

Betrachten wir unsere wenigen Brutplätze in Südhessen, so fällt auf, dass diese hauptsächlich in alten Streuobstbeständen liegen, wo der Vogel als Höhlenbrüter natürliche Brutplätze findet, aber auch Nistkästen angeboten bekommt. Durch die oftmals dort auch durchgeführte Beweidung ist ebenso ein reiches Insektenangebot vorhanden, die der Wiedehopf natürlich für sich und zum Großziehen seiner Jungen benötigt.

Flächenmäßig ist das jedoch alles viel zu gering, um seine Verbreitung zu fördern die einst bis nach in Nordhessen reichte, wie Brutnachweise von 1891 aus Niederhone und 1892 aus Reichensachsen bestätigen.

Von Wolfram Brauneis

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