Fragen und Antworten 

Ökostrom: Grüne Energie ist im Kreis kaum gefragt

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447 Gigawattstunden Photovoltaik-Potential hat der Werra-Meißner-Kreis theoretisch. Abgerufen werden aktuell 66 Gigawattstunden. 

Erneuerbare Energie soll 2030 zwei Drittel des deutschen Strombedarfs decken. Ob dieses Ziel zu erreichen ist, hängt nicht allein davon ab, wie viele neue Windräder und Photovoltaikanlagen installiert werden, sondern auch davon, wie sich der Stromverbrauch entwickelt.

Gemeinsam haben die Kreistagsfraktionen von SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP nun den Status quo für den Werra-Meißner-Kreis abgefragt. Diskutiert wurden die Ergebnisse in der Sitzung des Umweltausschusses am Mittwochmorgen.

Wie stellt sich der Stromverbrauch im Werra-Meißner-Kreis insgesamt dar?

In den vergangenen sieben Jahren sei der Stromverbrauch merklich gesunken, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann – und zwar genau um 21,6 Prozent (Verbrauch 2018 im Kreis: 382 732 010 Kilowattstunden Strom). Ursächlich sei laut Dr. Rainer Wallmann die gesteigerte Energieeffizienz, beispielsweise durch den Austausch alter Geräte, den gestiegenen Einsatz von Photovoltaik-Anlagen und die Umstellung der Straßenbeleuchtung in den Kommunen auf LED-Leuchtmittel. „Private Haushalte verbrauchen etwa 39 Prozent des Gesamtstroms; das Gewerbe 61 Prozent“, führte der Erste Kreisbeogeordnete aus.

Wie werden Ökostrom-Angebote angenommen?

Nicht gut, wie Vertreter der Stadtwerke Eschwege, Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf übereinstimmend erklärten. Im Durchschnitt entscheiden sich nur fünf Prozent der Kunden für die „lediglich geringfügig teureren“ reinen Ökostromtarife. Dieser geringe Prozentsatz bleibe seit Jahren konstant. Wichtig: In ihren Ausführungen beschränkten sich die Vertreter der Stadtwerke nur auf Zahlen aus ihrem Vertriebsbereich.

Wie interessiert sind Unternehmen am Ökostrom?

Eine stichprobenartige Umfrage hat dazu Dr. Michael Ludwig von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg in Auftrag gegeben. Von 15 antwortenden Unternehmen im Kreis versorgen sich demnach drei komplett mit Ökostrom; zwei zu 50 Prozent; die restlichen zehn „kaum oder gar nicht“. Im Fokus, erklärte Dr. Michael Ludwig, „stehen immer Kosten und Wirtschaftlichkeit“: Für Photovoltaik-Anlagen infrage kommende Dächer seien nicht selten sanierungsbedürftig und setzten dem Ökostrombezug kostspielige Investitionen voraus.

Wie viel Ökostrom produziert die EAM?

Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bietet das kommunale Unternehmen EAM an. 4500 Kunden im Kreis beziehen EAM-Strom. Für dieses Einzugsgebiet nahm Armin Schülbe, Leiter des EAM-Regionalzentrums Nord, Stellung. „In der Netzfläche der EAM wurden im Jahr 2018 gut 175 000 Megawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien eingespeist“, sagte Armin Schülbe. Bezogen worden seien davon 120 000 Megawattstunden. „Die EAM erzeugt also mehr Strom, als verbraucht wird“, so Schülbe. Relevant werden könnte die Übererzeugung in der Zukunft rund um das Thema E-Mobilität.

Was ist nun zu tun?

„Ernüchternd“ sei das Gesamtergebnis der Anfrage, bilanzierte Dr. Rainer Wallmann – und Ansporn genug, das Thema Ökostrom in der Zukunft weiter zu forcieren. Ein Instrument sei hier die Öffentlichkeitsarbeit. „Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft informiert und animiert“, pflichtet WfG-Geschäftsführer Dr. Lars Kleeberg bei. Gedankenspiele seien beispielsweise die Auslobung eines Nachhaltigkeitspreises für Betriebe und Unternehmen sowie die Erstellung eines Leitfadens, der kommunalen Gremien an die Hand gegeben werden könne. Eine weitere Option: Die Etablierung eines Runden Tisches im Werra-Meißner-Kreis, an dem Angebote koordiniert und gebündelt werden, so Dr. Rainer Wallmann.

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