Krankenhaus Eschwege verständigt Sohn erst am nächsten Tag vom Tod der Mutter

Ohne Abschied zu nehmen

Als die Mutter im Sterben lag, verständigte die Klinik den Sohn nicht. Der klagt jetzt: „Ich konnte nicht Abschied nehmen.“ Foto: Sagawe

Eschwege. Für André Seeger wiegt schwer, dass seine Mutter allein sterben musste, ohne Beistand der Familie, ohne, dass er sich verabschieden konnte. Als Gudrun Seeger im Eschweger Krankenhaus im Sterben lag, versäumte es die Klinik, so Seeger, die Angehörigen darüber zu informieren. Erst am nächsten Tag kam der Anruf mit der Nachricht vom Tod der Mutter.

„Wir hätten gerne Abschied genommen“, sagt André Seeger, der anschließend auch noch wochenlang auf eine Erklärung der Verantwortlichen warten musste. Und mit der ist er alles andere als zufrieden. „Ein Chefarzt hat uns erklärt, sein Rechner sei schon heruntergefahren gewesen und er sei deswegen nicht an unsere Telefonnummer herangekommen“, berichtet Seeger vom Inhalt eines erst drei Monate später stattgefundenen Gesprächs.

Dazu wollte der Chefarzt gestern nicht Stellung nehmen.. Gudrun Seeger, die an ALS erkrankt war, wurde am frühen Morgen des 5. November vergangenen Jahres mit Blutungen im Mund in das Eschweger Krankenhaus gebracht. Schwiegertochter Madlen Schröder fuhr wenig später hinterher, erledigte die Aufnahmeformalitäten und erkundigte sich am Nachmittag noch einmal telefonisch nach dem Befinden der 62-Jährigen. Es sei soweit alles in Ordnung, so die Antwort aus der Klinik. Am Abend desselben Tages wollte die Familie die kranke Mutter gemeinsam besuchen. Es kam anders: André Seeger wurde an seinem Arbeitsplatz aufgehalten, kam erst spät am Abend nach Hause. Am nächsten Morgen kam der Anruf aus der Klinik mit der schlimmen Nachricht. „Da hörte sich das so an, als sei meine Mutter gerade eben erst gestorben“, erzählt Seeger. Erst Tage später erfuhr er, dass sie tatsächlich bereits am späten Nachmittag des Vortages gestorben war. „Als der Bestatter uns den Totenschein vorlegte, fielen wir aus allen Wolken.“

André Seeger und sein Vater Rainer verlangten Aufklärung von der Klinik. Auf die schriftliche Anfrage gab es eine kurze Eingangsbestätigung von der Krankenhausverwaltung. Dann passierte über einen Monat lang gar nichts. Erst nach der erneute Konfrontation mit dem Fall habe das Gespräch mit Klinikleitung und Chefarzt stattgefunden. „Ein kurzer Anruf hätte genügt, und ich hätte mich von meiner Mutter verabschieden können“, so André Seeger.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen könne zum Einzelfall nicht Stellung genommen werden, so Kliniksprecher André Koch. Angehörige würden aber prinzipiell auf den Gesundheitszustand des Patienten hingewiesen, wenn der als kritisch zu bezeichnen ist. Verschlechtere sich der Zustand dramatisch, würden alle vertretbaren Anstrengungen unternommen, die Angehörigen zeitnah zu verständigen, so Koch.

Von Harald Sagawe

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