Marina und Andreas Porzelle haben beim Eschweger TSV ein Rollstuhl-Basketballteam aufgebaut

Inklusionspreis für die Rollstuhl-Basketballer

Gewinner: Der ETSV gewinnt Inklusionspreis für Rollstuhl-Basketball, der 10-jährige Ray (großes Bild) macht auch mit. Foto: nh

Eschwege. Wie ein Blitz rauscht der 10-jährige Ray auf einen Mannschaftskameraden zu, fokussiert den Ball und kann ihn ergattern - dieser Triumph zaubert dem jüngsten Spieler des Rollstuhlbasketball-Teams des Eschweger TSV ein Grinsen ins Gesicht. „Ich finde es cool, wenn ich anderen den Ball abnehmen kann“, sagte er.

Dass Kinder wie Ray, Jugendliche und Erwachsene - ob mit oder ohne Behinderung - die Möglichkeit haben, in diesem Basketballteam der besonderen Art sportlich aktiv zu werden, ist größtenteils der Verdienst von Marina und Andreas Porzelle. Das engagierte Paar hat sein Leben unter anderem der Liebe zum inklusiven Sport gewidmet. „Vor acht Jahren haben wir in Magdeburg schon ein ähnliches Projekt initiiert“, erinnert sich Marina zurück. Vor einem Jahr dann die Entscheidung. Ein Umzug nach Eschwege? Unter einer Bedingung: ein Rollstuhl-Basketball Team muss her. Glücklicherweise stießen die beiden damals auf die Anzeige zur Förderung von Inklusionsprojekten im Werra-Meißner-Kreis, meldeten ihr Projekt direkt an und durften sich bald über ein großzügiges Preisgeld freuen, mit dem sie genügend Rollstühle kaufen konnten. „Wenn man von einer guten Sache überzeugt ist, dann muss man Mittel und Wege finden. Es ist auch mit vielen Hürden und Schwierigkeiten verbunden, aber insgesamt läuft es hier super“, freut sich Marina Porzelle über viel positive Resonanz.

Besonders die zwölf aktiven Teammitglieder sind sichtlich begeistert. Beim wöchentlichen Training in der Eschweger Sporthalle sind sie mit Leidenschaft dabei und zeigen vollen Einsatz. Kein Wunder, denn inklusiver Sport macht Spaß, hält fit und gesund. Das weiß vor allem Andreas Porzelle, der seit 20 Jahren im Rollstuhl sitzt und enorm vom Sport profitiert hat: „Nach meinem Unfall war ich in der Reha-Klinik heiß aufs Spielen. Ich habe es versucht und es hat wahnsinnig Spaß gemacht. Meine Selbstständigkeit ist durch den Sport gekommen.“ „Der gesundheitliche Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Der Alltag kann deutlich verbessert werden“, verweist auch seine Frau auf verstärkte Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit.

Ein weiteres Plus: Was relativ schwer aussieht, fällt vielen ungeahnt leicht. „Man kriegt mit der Zeit ein Gefühl dafür“, erzählt Marina Porzelle von ihren ersten Versuchen. „Natürlich muss man verschiedene Schritte meistern - Kontrolle des Rollstuhls, des Balls und schließlich des Gegners - aber mit einem kontinuierlichen Trainingsbetrieb klappt das“, zieht Coach Marco Pompe nach drei Monaten Bilanz.

Von Christine Junghans

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