Eintritt auch ohne Festival-Bändchen

Flair-Gottesdienst mit Cem Özdemir auf der Waldbühne

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Spricht über Heimat: Cem Özdemir kommt zum Flair-Gottesdienst auf die Waldbühne. 

Eschwege. Es ist Tradition: Am Flair-Sonntag wir auf der Waldbühne am Leuchtberg Gottesdienst gefeiert. Los geht es um 14 Uhr - diesmal sind Cem Özdemir und Impala Ray dabei.

Der ein oder andere mag sich da vielleicht an den Kopf fassen und sich fragen: Der? Der hat doch gar nichts mit der evangelischen Kirche zu tun?

Hat er doch. Er ist zwar kein Christ im herkömmlichen Sinne, aber ein „anatolischer Schwabe“, wie er selbst über sich sagt. Denn dort in der Region ist er nicht nur geboren, sondern auch aufgewachsen und hat dort mehr von der christlichen Religion mitbekommen als vielleicht so mancher Christ: „Ich habe den evangelischen Religionsunterricht besucht und irgendwann festgestellt, dass ich sogar besser aufgepasst habe als meine Mitschüler“, erzählt er gegenüber unserer Zeitung. 

Wahnsinnig faszinierend habe er zum Beispiel die zwei Schöpfungsberichte der fünf Bücher Mose gefunden, fand es zudem bereichernd, die Bibel mit dem heutigen Wissen zu lesen und auszulegen. „Und am Nachmittag war ich häufig mit meinen Freunden im evangelischen Jugendwerk und fühlte mich dort sehr gut aufgehoben.“ Deshalb fühle er sich sehr geehrt, nicht nur Gast beim diesjährigen Open-Flair-Gottesdienst zu sein, sondern dort sogar die Predigt halten zu dürfen.

Der Flair-Gottesdienst dreht sich um das Thema Heimat

Das Thema ist ihm dabei vorgegeben worden: Um Heimat wird sich der gesamte Gottesdienst drehen, der aus verschiedenen Richtungen betrachtet werden soll: „Ein Flüchtling aus dem Iran wird ebenso zu Wort kommen wie ein Flair-Besucher und Alexander Feiertag oder seine Frau“, freut sich Pfarrer Johannes Meier vom Vorbereitungsteam. Er ist sich sicher, dass das Thema Heimat genau den Nerv der Zeit trifft: „Bei der aktuellen Debatte um Özil, der anhaltenden Diskussion um Fremdenfeindlichkeit und Integration beziehungsweise den Sinn oder Unsinn des Heimatministeriums wird es sicherlich viel zu reden geben.“

Das glaubt auch Cem Özdemir, der zur Zielscheibe der AfD geworden ist, die ihn gerne abschieben lassen möchte (so während einer Aschermittwochsveranstaltung der Partei gefordert): „“Und das kommt ausgerechnet von Leuten, die unser Land und unsere liberale Gesellschaft verachten und für autoritäre Regime mehr Sympathien hegen als für unser Grundgesetz.“ Heimat sei für ihn überhaupt nichts Statisches, sondern könne Menschen verbinden.

Pfarrer Johannes Meier ist deshalb gespannt auf die Rede des Bundestagsabgeordneten zum Open-Flair-Gottesdienst. „Er hat eine Stimme, die reinpasst und die von einem wachen Menschen kommt, der nicht als Vertreter einer Glaubensrichtung spricht, sondern als einer unserer Demokratie.“

Der Eintritt zum Flair-Gottesdienst ist frei

Der Flair-Gottesdienst findet auf der Waldbühne am Großen Leuchtberg unterhalb des Kletterparks statt. Bei sehr schlechtem Wetter in der Neustädter Katharinenkirche. Der Zugang zur Waldbühne ist auch ohne Festivalbändchen möglich, es wird kein Eintritt erhoben. Fahrdienst: 13 Uhr, 13.20 Uhr und 13.40 Uhr ab der Tränenbrücke (gegenüber von der Sonderkasse).

Im Anschluss spielt Impala Ray auf der waldbühne

Am Samstag auf der See-, und heute auf der Waldbühne: Impala Ray spielt heute noch ein Konzert.

icht nur geredet wird beim Gottesdienst des Open Flair: Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es um 15.30 Uhr ein Konzert von Impala Ray, die schon gestern auf der Seebühne gespielt haben. Die Bayern machen „Bay-Folk“ und fühlen sich in München genauso zu Hause wie in San Francisco. 

„Das passt perfekt zum Thema Heimat“, freut sich Johannes Meier. Laut einem Pressetext wird Impala Ray wie folgt beschrieben: „Da wird plötzlich die Tuba aus ihrer gewohnten Volksmusik-Umgebung herausgerissen und mit dem E-Bass getauscht. Das Hackbrett wird kurzerhand zum Soloinstrument umfunktioniert, das nach einer Mischung aus Mandoline und Synthie klingt. 

Und die augenzwinkernd smarten Akustikgitarrenriffs geben zusammen mit den unverschämt frischen Drums den nötigen Drive dieser Musik. Alles in allem ein Sound, den es so in der Popmusik so noch nicht gegeben hat.“ 

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