Interview

Tote-Hosen-Gitarrist "Breiti" zum Auftritt beim Open Flair 2019: „Zu klein gibt es für uns nicht“

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Haben sich im Laufe der Jahre verändert: (von links) Andreas Meurer, Andreas von Holst, Campino, Vom Ritchie und unser Interviewpartner Michael Breitkopf. 

Am Samstagabend rocken die Toten Hosen das Open Flair. Ihr letzter und bisher einziger Auftritt liegt 14 Jahre zurück. Wir sprachen mit Gitarrist Michael „Breiti“ Breitkopf.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Kannst du dich, bei den vielen Shows die ihr spielt, noch an euren ersten und einzigen Auftritt auf dem Open Flair vor 14 Jahren erinnern?

Ich konnte mich tatsächlich noch an die Jahreszahl erinnern, weil wir kurz darauf unser erstes Unplugged-Album eingespielt haben mit den dazugehörigen Konzerten im Wiener Burgtheater. Ich weiß auch noch, dass wir den Tag vorher in Dresden am Elbufer gespielt haben mit der entsprechenden Party danach. An den Tag selbst kann ich mich nicht erinnern, dafür haben wir in den vergangenen Jahren auf zu vielen Festivals gespielt.

Ist das Open Flair nicht viel zu klein für die Die Toten Hosen, wenn man sich sonst die Festivals anschaut, die ihr spielt?

Zu klein gibt es für uns nicht, wir spielen ja auch regelmäßig bei Leuten im Wohnzimmer vor 50 Zuschauern, wir spielen auch gerne in Clubs. Wir mögen es sehr, zwischen den verschiedenen Auftrittsmöglichkeiten und -größen hin und her zu wechseln, und deshalb ist das Open Flair natürlich nicht zu klein. Wir freuen uns sehr darauf, gerade weil beim Open Flair die Wege nicht so weit sind und wir die Möglichkeit haben, uns den Tag über noch andere Bands anzuschauen.

Also plant ihr ein, euch noch bei ein paar Kollegen vorbeizuschauen?

Natürlich, das macht für uns den Reiz eines Festivals aus, dass wir andere Bands ansehen oder treffen können, bei denen wir es vielleicht sonst nicht zum Konzert schaffen. Da findet oft ein spannender Austausch statt.

Wenn man so lange unterwegs ist wie ihr und man so krasse Fans hat, entstehen da Freundschaften zwischen Fans und Band? Was ist das Besondere an euren Fans?

Wir haben sehr viele treue Fans, die alles unterschiedliche Charaktere sind. Das Eine, Besondere kann man deswegen nicht verallgemeinernd feststellen. Natürlich haben wir über die Jahre viele von denen kennengelernt, die dauernd auf den Konzerten sind. 

Gerade wenn Leute nach Argentinien fahren oder an Orte wie Myanmar oder Zentralasien, da hat man dann die Möglichkeit, jemanden kennenzulernen, weil die Konzerte nicht so groß sind oder man sich auf der Reise immer wieder begegnet. Es gibt darüber hinaus aber auch viele Fans, die für eine Tour oder zwei dabei sind und die man dann lange nicht mehr wiedersieht.

Bei Hasta La Muerte geht es um deine Geburtstagsfeier, und wie die sich in den Jahren verändert hat. Trifft das nur auf dich zu oder auch auf die anderen?

Das Lied beschreibt selbstironisch, wie wir uns in den Jahren verändert haben. Das gilt für alle. Wenn wir uns früher mit Drogen vollgestopft und oft bis morgens um 8 Uhr Party gemacht haben, um dann weiterzufahren, abends wieder zu spielen und alles wieder von vorne zu machen, da haben wir feststellen müssen, dass irgendwann der Körper streikt. 

Wir mussten lernen, dass es besser ist, den Lebensstil ein bisschen zu verändern, wenn wir das noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte weiter machen wollen. Die Beschreibung im Song ist ein bisschen ironisch, aber wie immer hat das einen wahren Kern, was natürlich nicht heißt, dass wir nicht für eine gute Party zu haben sind. Aber gerade, wenn wir große Konzerte spielen, zu denen viele Leute kommen, dann liegt uns viel daran, uns in Bestform zu präsentieren.

Gibt es etwas, was ihr noch als Band zusammen erreichen wollt, oder habt alle eure Ziele als Band schon verwirklicht?

Es gibt eine ganze Menge, was wir unbedingt noch machen wollen. Jedes neue Album ist wieder eine Herausforderung und ein neues Ziel, denn man fängt jedes Mal wieder bei null an, man braucht ganz neue Ideen, die vorher so noch nicht existiert haben. Das ist Herausforderung und Ansporn genug. 

Jedes Konzert, jede neue Tournee ist die Erfüllung eines Traums, und wir dürfen das jetzt schon so lange machen, durch die vielen Leute, die sich immer noch für unsere Musik interessieren. Uns ist wohl bewusst, dass das nicht selbstverständlich und ein großes Geschenk ist. 

Deswegen träumen wir nicht von irrealen Dingen, sondern freuen uns, dass was wir leben dürfen, was unsere Leidenschaft ist. Platten zu machen, Lieder zu machen, auf Tour zu gehen, Konzerte zu spielen, das ist jedes Mal ein Traum, der sich erfüllt. Wir lieben das und sind sehr dankbar dafür, dass das jetzt schon so lange immer weiter geht.

Hier gibt es das Programm vom Festival-Samstag auf dem Open Flair in Eschwege. 

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