Was war denn da los?

Open Flair: Besucher setzen sich vehement für einen Standplatz für den Fruchtweinstand ein

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Standortproblem: Am Baumkreis (1) zwischen Haupt- und Freibühne war über viele Jahre der Platz des Fruchtweinstands Wunderlich. Dass er im vergangenen Jahr zu den Toiletten (2) umquartiert wurde, passte weder den Betreibern noch den Kunden.  

Eschwege. Weil der beliebte Fruchtweinstand Wunderlich auf dem Open Flair 2018 keinen Standplatz bekommen hat, regen sich jetzt die Festivalbesucher aus der Region auf. 

Die Wellen schwappten innerhalb weniger Stunden hoch. Dass ein Mitarbeiter im Internet veröffentlicht hatte, dass der legendäre Weinstand Wunderlich in diesem Jahr nicht zum Eschweger Open-Flair-Festival kommen würde, erregte die Gemüter. Leserbriefe wurden geschrieben, Online-Petitionen verfasst, die Festivalmacher mit Schimpf und Schande verunglimpft. Doch alles scheint nur halb so wild. Wir fragen: Was war denn da los?

Wenn man verstehen will, warum die Situation so eskalierte, muss man diesen Weinstand kennen. Den betreiben die Darmstädter Richard und Astrid Wunderlich. Auf dem Open Flair waren sie schon vertreten, als das Festival noch einen eher regionalen Charakter hatte. Schon damals traf man sich dort, um geschorlten Johannisbeerwein zu trinken oder einen Süß- oder Sauergespritzten zu sich zu nehmen. Auch als die großen Brauereien den Getränkeausschank übernahmen und das Festival kommerzialisierter wurde, war der Wunderlich-Weinstand eine Konstante auf dem Festivalgelände am Werdchen. Am Baumkreis konnte man sicher sein, auf den altbewährten Stand zu treffen. Außerdem war der Weinstand Anlaufpunkt für viele aus der Region, die dem Open Flair seit Jahrzehnten treu sind. Hier traf man Freunde, die man nur einmal im Jahr sieht, hier konnte man sogar die Jacken hinter dem Stand abgeben, hier wurde in Erinnerungen geschwelgt: Ein Stück Nostalgie, ein bisschen Heimat auf dem weiter wachsenden Festival.

Standortproblem: Am Baumkreis (1) zwischen Haupt- und Freibühne war über viele Jahre der Platz des Fruchtweinstands Wunderlich. Dass er im vergangenen Jahr zu den Toiletten (2) umquartiert wurde, passte weder den Betreibern noch den Kunden.  

Wo liegt dann das Problem? Die Wunderlichs hatten nach dem Festival 2017 die Aussage fallen lassen, dass sie im nächsten Jahr nicht mehr kommen werden. Ein bisschen schwang da auch Frustration mit. Denn der Caterer Kegel Impuls, der die Stände für das Open Flair organisiert, hatte den Weinstand nach vielen Jahren vom Baumkreis zu den Toiletten versetzt. Das kam weder bei den Betreibern noch bei den Kunden gut an. An die Absage erinnerte sich der Caterer bei der Planung für 2018 und sorgte zeitig für Ersatz. Ein anderer Weinstand wurde unter Vertrag genommen. Im März reifte bei den Wunderlichs die Entscheidung, doch noch ein letztes Mal beim Open Flair auszuschenken. Denn Astrid und Richard Wunderlich werden ihren Weinhandel aus Altersgründen aufgeben. Von den Kunden und dem Open Flair wollten sie sich aber gebührend verabschieden, weil die vergangenen Jahre trotz aller Probleme „so viel Spaß gemacht haben“. Doch ihr Platz war vergeben. „Ein bisschen war es auch unsere Schuld“, kommentiert Astrid Wunderlich die Ereignisse.

Von dem Aufschrei im Netz und der gestarteten Petition bekam auch Open-Flair-Chef Alexander Feiertag Wind. Er sprach mit allen Beteiligten. „Es lässt sich sicher eine Lösung zwischen unserem Caterer, dem neuen Fruchtweinstand und den Wunderlichs finden, damit Richard Wunderlich zu einer Abschiedstour auf das Open Flair kommen kann“, sagt Feiertag. Die Wunderlichs würde das freuen. "Sogar ein Platz neben den Klos wäre in Ordnung."

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