Sonst ist in Eschwege die Hölle los

Open-Flair-Festival: Mit den Festivalbesuchern fehlen auch die Einnahmen

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Zu den Liedern der Berliner Band Engst feiern die Open-Flair-Besucher im vergangenen Jahr bei gleißender Hitze vor der Seebühne.

Vom 5. bis 9. August wäre Eschwege durch das Open Flair eigentlich im Ausnahmezustand gewesen. Corona macht alles anders. Wir erinnern an das Festival, das 2021 wieder wie gewohnt stattfinden soll.

Bunte Flaggen wehen über einem Meer aus Zelten, Rentner schieben ihre Rollatoren Richtung Rockkonzert und dumpfe Bässe wummern durch Brückenhausen – es ist Open-Flair- Zeit. Das heißt nicht ganz, zumindest nicht in diesem Jahr. Ein Grund mehr für die Flair-Nostalgiker, sich im Campingstuhl zurückzulehnen und mit einem kühlen Getränk im Pfandbecher in Erinnerungen an das vergangene Festival zu schwelgen.

Tausende an der Hauptbühne

Da besang der österreichische Musiker Josh Cordula Grün, die Fantastischen Vier skandierten Liebesschwüre an ihre Fans, die ihren Idolen trotz strömenden Regens an den Lippen hingen. Am Samstagabend stand dann das Konzert der Toten Hosen kurz bevor und die Massen pilgerten zu Tausenden zur Hauptbühne am Werdchen.

14 Jahre lang hatten sich die Eschweger und ihre Gäste gedulden müssen, bis die Düsseldorfer Punk-Rockband wieder am Werdchen auf der Bühne stand. Umso enger wurde es deshalb auch vor der größten Bühne des Open- Air-Festivals.

In Regenponchos eingewickelt und mit einem spritzigen Getränk in der einen Hand und einer Bratwurst in der anderen trotzten die Flairgänger der brennenden Sonne und dem strömenden Regen.

Wegen der Corona-Pandemie muss diese naturnahe Erfahrung aber für alle Vollblut-Open-Flair-Gänger bis zum nächsten Jahr warten.

Millionen fließen sonst in Wirtschaft

Aber wie schwer wiegt der diesjährige Ausfall des Festes für die Stadt Eschwege eigentlich? „Das Open Flair ist ein Mega-Event und bringt uns bis zu 25.000 Festivalbesucher und Gäste in die Stadt“, sagt Wolfgang Conrad, Wirtschaftsförderer der Kreisstadt. Damit sei klar, dass die Veranstaltung nicht nur die Gästefrequenz und die Übernachtungszahlen in Eschwege signifikant erhöhe, sondern auch einen nicht mehr wegzudenkenden Wirtschaftsfaktor darstelle. „Mit dem Ausfall der mit dem Open Flair verbundenen Wertschöpfungsketten schmerzt dies unsere lokale Wirtschaft sehr“, sagt Conrad. Gleichzeitig falle damit auch die kostenlose Werbung für das Tourismusziel Eschwege aus, denn potenzielle Urlaubsgäste könnten sich kein Bild von der Region machen.

„Der Umsatz vom Open Flair aus Kartenverkauf, Umsatzbeteiligung, Standgebühren und Sponsoring liegt grob bei 3,5 bis vier Millionen Euro“, sagt der Wirtschaftsförderer. Ginge man von 20.000 Festivalgästen aus, würden diese pro Tag bis zu 40 Euro für Lebensmittel und andere Konsumgüter ausgeben. „Das ergibt bei fünf Festivaltagen noch einmal einen Umsatz von 3,5 bis vier Millionen Euro – somit insgesamt circa sieben bis acht Millionen Euro, die in die hiesigen Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Lebensmittelmärkte fließen“, so Conrad. Die Kosten für Übernachtungen in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und den Campingplätzen seien darin noch nicht einmal eingerechnet. Bei einem Einzelhandel-Jahresumsatz von rund 180 bis 185 Millionen Euro in Eschwege entsprächen diese circa sieben bis acht Millionen Euro also ungefähr vier Prozent des Jahresumsatzes, so Conrad, und weiter: „Das zeigt doch deutlich, welchen Wirtschaftsfaktor das Open Flair tatsächlich für Eschwege darstellt.“

Finanzielle Verluste 

Die finanziellen Verluste durch den Ausfall eines der Jahreshöhepunkte der Dietemänner und -frauen sind also klar. Unbezahlbar wird dafür aber auch das Gefühl der Eschweger sein, wenn im kommenden Jahr wieder die großen roten Banner mit den Buchstaben OF ausgerollt werden und die ersten Musikfans ihre Campingstühle unweit des Werratalsees in Position bringen.

Von Kim Hornickel 

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