Mediziner des Uni-Klinikums soll Patienten bevorzugt Spenderleber zugeteilt haben

Organ-Skandal in Göttingen

Göttingen. Ein Skandal um Organtransplantationen erschüttert das Göttinger Universitätsklinikum. Der ehemalige Leiter der Transplantationschirurgie soll Dutzende Krankenakten manipuliert haben, um so Patienten bevorzugt zu einer Spenderleber zu verhelfen. Das haben die Ermittlungen der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer ergeben.

Demzufolge soll der Oberarzt insbesondere in den Jahren 2010/2011 gezielt Laborwerte gefälscht und Dialyse-Behandlungen erfunden haben, sodass Patienten als kränker dargestellt wurden, als sie tatsächlich waren. Durch die Manipulationen rückten die Patienten auf der Warteliste der Stiftung Eurotransplant nach oben, die für die Zuteilung der Spenderorgane zuständig ist.

25 Patienten des Uni-Klinikums sollen so in den vergangenen Jahren bevorzugt eine Spenderleber zugeteilt bekommen haben. Die Ermittler überprüften außer den Transplantationen auch die aktuelle Warteliste mit 130 Patienten. Bei der Auswertung der neu erhobenen Befunde sei man in 25 Fällen auf Auffälligkeiten gestoßen. Diese Patienten seien deshalb von der Warteliste gestrichen worden.

Die Göttinger UniversitätsMedizin hatte sich bereits Ende vergangenen Jahres nach einem ersten Verdachtsfall von dem Transplantationsmediziner getrennt. Das Göttinger Klinikum hatte daraufhin eine externe Prüfungskommission eingerichtet und die Staatsanwaltschaft Braunschweig eingeschaltet. Diese ermittelt gegen den Spezialisten für Leberverpflanzungen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Bislang habe man jedoch noch keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Geld an den Mediziner geflossen sei.

Der Vorstand der Universitäts-Medizin zeigte sich über die Verstöße erschüttert: Die neuen Erkenntnisse „haben uns tief getroffen“, sagte Prof. Martin Siess gestern bei einer Pressekonferenz. Die Uni-Medizin hat bereits Konsequenzen gezogen und Abläufe geändert. So darf jetzt nur noch der Transplantationsbeauftragte die Werte der Patienten in die entsprechende Datenbank eingeben. Ärzte hätten keinen Zugang mehr zu dem Rechner.

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Von Heidi Niemann

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