Von Höhlen, Osterwasser und Eier werfen

Die Osterbräuche in der Region zeugen von Vielfalt 

Werra-Meißner. Besondere Ostertraditionen werden vor allem in den kleineren Gemeinden gepflegt. Manche sind uralt, manche sind auch erst in den vergangenen Jahren eingeführt worden. Wie alles unterliegen auch sie dem Wandel der Zeit.

In Jestädtist es ein alter Brauch, dass Eltern oder Großeltern in der Woche vor Ostern für ihre Kinder an einer geschützten Stelle im Garten eine Osterhöhle bauen. Gut biegbare Weidenzweige werden in immer enger werdenden Bögen in die Erde gesteckt, danach wird die Konstruktion mit Moos bedeckt. 

Die Höhle ist im Eingangsbereich circa 30 bis 40 Zentimeter hoch – groß genug, dass ein oder zwei Osterkörbchen mit kleinen Geschenken, Süßigkeiten und bunten Eiern hineinpassen. Mit der Suche und dem Ausräumen der Höhle müssen sich die Kinder hier bis zum Ostersonntag gedulden. Je nach Nervenstärke der Eltern kann das Räubern der Höhle gleich nach dem Aufwachen am Morgen losgehen oder eben erst nach dem gemeinsamen Osterfrühstück. Der Bau der Osterhöhlen ist eine Tradition, die beispielsweise auch in Frankershausen bis heute gepflegt wird.

Die Leute in Rendaim Ringgau haben es in der Osterwoche deutlich eiliger. Spätestens bis zum Abend vor Gründonnerstag müssen die Kinder – wollen sie Eier und Süßigkeiten – im wahrsten Sinne des Wortes vorgebaut haben. Hier ist es nämlich Sitte, dass die Kinder zuhause, aber auch in der Nachbarschaft und bei Verwandten und Bekannten Osternester bauen. 

„Früher haben wir die Nester in den Scheunen, im Keller oder in den Hausfluren gebaut“, erzählt Marieluise Wolff, die in Renda aufgewachsen ist und dort ihre Kindheit verbrachte. Die Nester werden aus Heu und Moos und heute manchmal auch aus Kunstgras gefertigt. „Am Gründonnerstag gehen die Kinder dann von Haus zu Haus und sammeln ihre Nester leer.“ So ist für eine ausreichende Versorgung mit Zucker und Einweiß über die gesamten Festtage gesorgt.

Mit viel Liebe bauen auch die Kinder in Reichensachsen ihre Osternester. „Vor Ostern wird Moos gesammelt und dann baut jedes Kind sein Nest im heimischen Garten“, weiß Helga Bachmann, die in Reichensachsen lebt und hier auch ihre Kindheit verbrachte. „Das Nest wurde früher immer noch besonders schön mit Gänseblümchen oder was es sonst so gab verziert.“ Meist noch vor dem Frühstück am Ostersonntag dürfen die Kinder dann ihre Nester ausleeren.

Aber damit nicht genug – sind die eigenen Nester ausgebeutet, ziehen die Kinder mit Körbchen bewaffnet durch die Straßen und fragen bei Nachbarn nach, ob der Osterhase da war. Dann darf auch da und dort noch nach Verstecken gesucht werden oder die Körbchen werden einfach gefüllt.

Ganz außergewöhnlich geht es in Orferode zu. Hier ist es üblich, den Ostersonntagnachmittag dazu zu nutzen, um mit gekochten und gefärbten Ostereiern zu werfen. Ist das Ostermahl vorbei, machen sich die Familien des Ortes auf den Weg zu einer Anhöhe zwischen dem Forsthaus „Halbe Mark“ und dem Dorfteich. Dort gibt es eine sumpfige Wiese, der Boden ist deshalb weich und federnd. Hier werden dann die Eier geworfen. 

„Es geht darum, dass die Eier möglichst nicht kaputtgehen. Außerdem gibt es immer Wettbewerbe, wer am weitesten werfen kann“, sagt Daniela Sjuits. Die Eier, die kaputtgehen, werden entweder gleich gegessen oder mit nach Hause genommen, um daraus grüne Soße zu machen. „Dieser Brauch ist sehr alt und wird eigentlich nur von den Ur-Einheimischen gepflegt.“

In Herleshausen wurden in den vergangene Jahren tatsächlich Neuerungen im lokalen Brauchtum eingeführt. Dazu gehört der sogenannte Osterpfad, der sich über knapp zwei Kilometer durch den Ort schlängelt und auf dem es für die Kinder immer wieder ein neues Häschen, Lämmchen oder Küken zu entdecken gibt. „Die Kinder freuen sich total, wenn sie wieder ein neues Tier entdecken“, so Annette Wetterau.

Doch in Herleshausen gibt es noch eine weitere Tradition, die vermutlich nur von der älteren Generation wie der Familie von Peter Marsch noch gepflegt wird, dessen Familie hier in der dritten Generation lebt. Am Ostersonntagmorgen gegen 5 Uhr, eigentlich noch die Osternacht, gehen alle Familienmitglieder im Schlafanzug und barfuß, aber vor allem ohne ein Wort zu sprechen, zu einer kleinen Quelle namens „Bullerbörnchen“.

An der Quelle waschen alle ihre Gesichter, füllen einen Krug mit dem Osterwasser und gehen zurück ins Haus. Dort wünschen sich alle gegenseitig frohe Ostern und gehen dann um 6 Uhr zum Osternachtgottesdienst in die Kirche. „Das ist eigentlich ein alter heidnischer Brauch, der christianisiert wurde“, sagt Peter Marsch. Er stehe symbolisch für Gesundheit, Jugend, Zufriedenheit und Glück.

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